Max-Mannheimer-Straße am Schulzentrum

Stadtrat Bad Aibling veröffentlicht eine Absichtserklärung - Ende der Diskussion?

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Bad Aibling – Die vergangene Stadtratssitzung scheint in Bad Aibling bei allen Beteiligten noch nachzuwirken. Denn der anfänglich als so gut wie sichere Beschluss, die Straße, die im neuen Wohngebiet zum Maximiliansplatz führt, Max-Mannheimer-Straße zu benennen, wurde letztendlich abgewiesen (wir berichteten). Die Einwände waren zwar vordergründig rein praktischer Art, doch zwischen den Zeilen war auch die Sorge zu erkennen, dass man hier auch Angriffsfläche für rechte Extremisten bieten könne. 

Damit hat sich die Stadt nach außen hin nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert – die Kritik in vielen Medien war unüberhör- und unüberlesbar. Nun scheint sich der Stadtrat zu einer schnellen Kompromisslösung entschlossen zu haben, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dazu veröffentlicht Bürgermeister Felix Schwaller jetzt fogende Mitteilung:

„Der Stadtrat von Bad Aibling trägt sich mit der Absicht, dem erst vor einigen Monaten verstorbenen Herrn Max Mannheimer mit einer nach ihm benannten Straße zu ehren. Bekannt geworden ist Mannheimer durch Vorträge und Bücher über seine Erlebnisse in den KZ-Lagern, mit denen er Jugendliche und Erwachsene über die Schrecken des Nationalsozialismus aufklärte. Er sprach nicht nur über die Vergangenheit, Mannheimer war als Überlebender einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des NS-Regimes, sondern auch über aktuelle Ereignisse.

„Die Demokratie kann vieles ertragen, aber die Geschichte darf sich keinesfalls wiederholen!“ warnte er. Diese Mahnung ist heute wichtiger als jemals gedacht: Der aufflammende Fremdenhass, die Angst vor anderen Kulturen und Religionen, verbunden mit dem Ruf nach einfachen Lösungen, braucht Menschen wie Max Mannheimer über seinen Tod hinaus. Der Bann des Schweigens und die Scham über die Greuel des NS-Regimes brechen nach über 70 Jahren. Unverhohlen, wie damals, wird gegen andere Völker und Fremde Stimmung gemacht.

Deshalb ist die stete Erinnerung an Max Mannheimer mit der Benennung einer Straße und eines Platzes so wichtig. Die Straße im Schulzentrum von Bad Aibling soll mit dem Namen Max-Mannheimer-Straße gewidmet werden. Damit werden gut 2.500 Schülerinnen und Schüler und deren Eltern dauerhaft an den Holocaust-Überlebenden erinnert. Diese Straßenbenennung erscheint dem Stadtrat für Max Mannheimer geeigneter und würdiger als eine Wohnstraße zwischen Bahn und Güterbahnhof. Jede Schülergeneration soll sich auch mit dem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinandersetzen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt!“

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2 Gedanken zu „Max-Mannheimer-Straße am Schulzentrum

  1. Gessner Elisabeth

    Ich möchte hier entschieden widersprechen, dass bei der Benennung einer Straße nach Max Mannheimer der Stadtrat Sorge hatte, eine Angriffsfläche für Rechtsextremisten zu bieten. Diese Ängste äusserte lediglich
    ein Bürger in einem Brief an die Stadt, den der Bürgermeister in einer Stadtratssitzung verlas.

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    1. Christiane Doll

      Egal wer wie- wo -was gesagt und gemeint hat, wichtig ist doch, das ein Konsens gefunden wurde. Die Strasse im Schulzentrum von Bad Aibling finde ich sogar besser geeignet, dem wunderbaren Max Mannheimer zu gedenken. Wie sehr er die jungen Menschen beeindruckt hat, lese ich aus den gestrigen Zeilen meiner Tochter, die ihn vor über 20 Jahren im Rahmen der Literaturtage am Gymnasium „betreut“ hatte: „Ich weiß noch, dass er so lebenslustige Augen hatte, was ich schön fand und gleichzeitig damals nicht mit seinen Erlebnissen in Einklang bringen konnte. Wie man noch so umgänglich, freundlich, offen und versöhnend sein kann, so viel Freude am Leben hat und dies auch so an uns alle weitergibt.“

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