Erste Bilanz zur Biotonne

Viele Landkreisbürger wissen noch nicht, dass Bioabfall getrennt werden kann

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Landkreis – Die Menge getrennt erfasster Bioabfälle im Landkreis Rosenheim steigt an. Wurden im Januar noch 9,7 Tonnen eingesammelt, erhöhte sich die Menge bis Mai auf 18,6 Tonnen. Weiteres Potential ist vorhanden, denn eine Nutzerbefragung ergab, dass rund die Hälfte aller Wertstoffhofbesucher noch nichts von der Bioabfallsammlung wusste. Das bifa Umweltinstitut hatte die Befragung im Auftrag des Landkreises Rosenheim durchgeführt und die Ergebnisse im Umweltausschuss des Landkreises präsentiert.

Landrat Wolfgang Berthaler hatte die Ausschussmitglieder in den Landkreis Miesbach geladen, denn die im Landkreis Rosenheim erfassten Bioabfälle werden beim VIVO Kommunalunternehmen in Warngau angeliefert und dort energetisch genutzt. Das heißt, das entstehende Biogas wird zur Stromerzeugung genutzt. Danach wird das Gärsubstrat kompostiert.

Empfangen wurde die Delegation aus Rosenheim von Miesbachs stellvertretenden Landrat Klaus Thurnhuber und vom Vorstand des Kommunalunternehmens VIVO Thomas Frey. Die erst seit wenigen Monaten laufende Zusammenarbeit bezeichnete Thurnhuber als kleines Pflänzchen, das vielleicht noch ein bisschen größer werden kann. Rosenheims Landrat Berthaler kann sich das vorstellen. „Wir bauen auf euch, wenn Preis und Leistung passen“, sagte er. An Kapazitätsproblemen wird die Zusammenarbeit nicht scheitern. Wie Vorstand Frey mitteilte, können weitere 250 bis 350 Tonnen Bioabfälle pro Monat verarbeitet werden.

Seit Anfang des Jahres können auf allen Wertstoffhöfen im Landkreis Rosenheim Bioabfälle in eigens aufgestellten Tonnen entsorgt werden. Die Einführung dieses neuen Angebots lässt der Landkreis durch das bifa Umweltinstitut begleiten. Unter anderem wurden auf sechs Wertstoffhöfen Befragungen durchgeführt, an denen sich 360 Personen beteiligten. Monika Bokelmann vom bifa Umweltinstitut präsentierte die Ergebnisse und sie sagte: „Wir haben oft festgestellt, dass die Wertstoffhofbesucher das System noch nicht kennen.“

Nur 17 Prozent der Befragten sammeln ihren Bioabfall getrennt. Weitere 45 Prozent können sich vorstellen, das neue System zu nutzen. Weiter steigende Mengen bei den getrennt erfassten Bioabfällen sind also möglich. Gründe dagegen waren zu geringe Mengen, die im Haushalt anfallen und die eigene Kompostierung. „Grundsätzlich wird die separate Sammlung von den Nutzern als gute Sache empfunden“, sagte Bokelmann. Verbesserungsvorschläge der Befragten waren unter anderem bessere Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe sowie größere oder zwei Behälter. Der Landkreis stellt 10 Liter-Kunststoffbehälter und Papiertüten für die Sammlung der Bioabfälle kostenfrei zur Verfügung. Bei Bedarf werden aber selbstverständlich zwei oder mehr Eimer ausgegeben.

Die Mitglieder des Umweltausschusses nutzten die Gelegenheit, den Standort von VIVO in Warngau zu besichtigen. Aus Sorge um die Kapazität in der landkreiseigenen Mülldeponie hatte der Landkreis Miesbach die Biotonne bereits 1989 eingeführt. Seit damals wird der Bioabfall abgeholt und nicht wie im Landkreis Rosenheim, von den Bürgerinnen und Bürgern zum Wertstoffhof gebracht. Dieses Bringsystem war im Landkreis Miesbach nie ein Thema, weil es die dazu notwendige Anzahl an Wertstoffhöfen nicht gab. VIVO verarbeitete im vergangenen Jahr 15.300 Tonnen Bioabfälle und erzeugte daraus knapp 1.800 Megawattstunden Strom sowie etwa 5.000 Tonnen Kompost.

Foto: Schauen wie es die anderen machen – Landrat Wolfgang Berthaler (2.v.r.) und der Umweltausschuss des Landkreises Rosenheim besichtigten VIVO, das Kommunalunternehmen für Abfallvermeidung, Information und Verwertung im Oberland in Warngau. Die Führung übernahm VIVO-Vorstand Thomas Frey (links).

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