Heimat erleben: Gestern gab’s Preise

Regionaler Schülerwettbewerb - Priska Schubert gewinnt - Preis auch nach Bad Aibling

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Landkreis – Gestern Abend wurden die Preisträger des regionalen Schülerwettbewerbs „Heimat erleben“ geehrt. Für ihre Seminararbeit zur „Integration und Flüchtlingen und Vertriebenen im Landkreis Rosenheim nach 1945″ wurde Priska Schubert (Foto)  von der FOS Rosenheim mit einem 1. Preis belohnt. Zur Preisverleihung hatte die Schülerin ihre Zeitzeugen Edda Schubert, Roselies Garnreiter und Erwin Licht eingeladen. Die Glückwünsche kamen vom stellvertretenden Landrat Josef Huber (rechts) aus Babensham und vom Kulturreferenten des Landkreises Christoph Maier-Gehring (links), der die Laudatio hielt.

Das Interesse an der Heimat wollen Stadt und Landkreis Rosenheim fördern. Unter anderem rufen sie die Schüler jedes Jahr zum Wettbewerb „Heimat erleben“ auf. Bei der Preisverleihung im Rosenheimer Landratsamt wurden Urkunden und Preisgelder von knapp 3.000 Euro vergeben.

Das Lesen und Beurteilen habe Spaß gemacht, sagte Maier-Gehring. Die Jury war am meisten begeistert, wenn die Arbeiten phantasievoll gemacht, neue Aspekte aufgezeigt und sogar „wir alten Hasen“, wie er es nannte, noch etwas lernen konnten.

Den 1. Preis in der Kategorie „Gymnasiale Oberstufen, Fachoderschulen und Berufliche Oberschulen“ vergab die Jury an Priska Schubert von der Fachoberschule Rosenheim.

Für ihre umfassende Arbeit über „Die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen im Landkreis Rosenheim nach 1945“ trug sie interessantes Material zusammen und führte Zeitzeugeninterviews. Maier-Gehring lobte vor allem den Versuch, zwischen der damaligen und der heutigen Flüchtlingssituation einen kritischen Vergleich herzustellen. Der Kulturreferent sprach von einem mutigen und anspruchsvollen Unterfangen. Er gratulierte zum 1. Preis, der mit 500 Euro dotiert ist.

Den zweiten Preis vergab die Jury zwei Mal, jeweils dotiert mit 250 Euro. Benedikt Schönberger vom Karolinen-Gymnasium in Rosenheim beleuchtete in seiner Seminararbeit „Kriegsende und Beginn der Besatzung in Rosenheim“. Die Geschichte der friedlichen Übergabe an die Amerikaner schildert Schönberger auch anhand der Handlungen einzelner Persönlichkeiten in der Stadt.

Das Thema „Entnazifizierung und Neubeginn des Schulwesens am Beispiel des Karolinen-Gymnasium Rosenheim“ bescherte Jessica Gaschler einen zweiten Preis.

Auch sie verbindet Geschichte mit konkreten Personen und stellt beispielhaft vier Lehrer aus der damaligen Zeit vor. Spannend auch ist ein Vergleich der Abituraufgaben im Fach Deutsch vor und nach 1945.

Im Bereich Naturschutz, Umwelt und Technik ist die Seminararbeit von Julian Illigmann vom Gymnasium Bad Aibling angesiedelt. Unter dem Titel „Bevölkerungsschutz im Jenbach-Tal“ schildert er, wie der Jenbach durch die Besiedelung verändert wurde, welche Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen wurden und was bei einer weiter ansteigenden Besiedlung noch notwendig wird. Die Jury belohnte die gut recherchierte Arbeit mit einem dritten Preis, dotiert mit 150 Eur.

Aufgrund nur weniger regionaler Bezüge, aber sehr guter Recherche, gab es für Josef Schlemer vom Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim einen Anerkennungspreis in Höhe von 100 Euro. Seine Seminararbeit über die Biermösl Blosn ist mehr als eine umfangreiche Biografie. Schlemer analysierte auch die Liedtexte und die Musik der Gruppe.

In der Kategorie „Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien (Grund- und Sekundarstufe) wurde eine besondere Arbeit mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Die Brüder Matthias und Michael Summerer, sie gehen in die Klassen 6a und 9b der Priener Realschule, haben in der Geschichte ihrer eigenen Familie geforscht und ihre Arbeit „Widerstand und Verfolgung 1933 bis 1945 in Prien am Beispiel der Urgroßtante Maria Summerer“ betitelt.

Laudator Maier-Gehring sagte, die Arbeit zeigt, wie schnell jemand durch ein paar unbedachte Sätze in höchste Schwierigkeiten kommen kann. Die Urgroßtante der Brüder soll gegenüber einem Bekannten das Hitler-Regime kritisiert und den Kriegserfolg in Frage gestellt haben. Ihr wurde der Prozess gemacht und sie kam in Haft.

Ein großes und gescheites Gemeinschaftsprojekt der Schulklassen 8d und 9g der Realschule Bad Aibling, das in vielerlei Hinsicht für nachhaltige regionale Produkte wirbt, belohnte die Jury mit dem 2. Preis. Für ihr Schulprojekt „Lebensmittel aus unserer Region – Ein Zukunftsmarkt mit Tradition“ besuchten die Schülerinnen und Schüler Hersteller und Märkte und interviewten Standbetreiber, Käufer und regionale Anbieter.

Zwei Anerkennungspreise gingen an die Mittelschule in Neubeuern. Die Klasse 7a beschäftigte „Der Schiffleutwanderweg der Innschifffahrt“ und die Klasse 6a entwarf ein Heimatquiz mit teils sehr lustigen Fragen zu Region und Bräuchen.

In der Kategorie „Förderschulen und Grundschulen“ wies Kulturreferent Maier-Gehring zunächst auf die wenigen Teilnehmer hin und fragte sich, ob sich viele Lehrer nicht trauen, mit ihren Klassen beim Wettbewerb „Heimat erleben“ mitzumachen.

Gelohnt hat sich die Teilnahme in jedem Fall für die Schüler der Grundschule Hochstätt in der Gemeinde Schechen. Die Buben und Mädchen haben sich intensiv mit dem erst kürzlich eröffneten Dorfladen in Pfaffenhofen auseinandergesetzt. Um das Projekt in einer Broschüre vorzustellen, gingen sie auf die Baustelle, ließen sich Baupläne zeigen, interviewten Bürgermeister und Geschäftsführer, fotografierten, malten, schrieben Texte und dichteten ein Lied um. Zur Belohnung gab es 500 Euro für die Klassenkasse.

In der Otfried-Preußler-Grundschule in Stephanskirchen machen die erste und zweite Jahrgangsstufe einmal im Monat einen Ausflug in die nähere Umgebung. So beobachten sie Veränderungen und jahreszeitliche Phänomene in der Pflanzen- und Tierwelt. Aus Fotos, Bildern und Texten entstand eine wunderschöne Materialsammlung, wie Maier-Gehring sagte. Das sah auch die Jury so und vergab den 2. Preis nach Stephanskirchen.

Der stellvertretende Landrat Josef Huber forderte die Kinder und Jugendlichen auf, aktiv und neugierig zu bleiben und vielleicht auch zukünftig am Wettbewerb teilzunehmen. Unsere Heimat sei so schön und deshalb sei der Wettbewerb so wichtig, sagte Huber.

Die ausgezeichneten Arbeiten sind ab sofort bis Ende Juli zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer des Rosenheimer Landratsamtes zu sehen.

Der Jury für den regionalen Schülerwettbewerb „Heimat erleben“, den Stadt und Landkreis seit drei Jahren gemeinsam durchführen, gehörten Walter Leicht vom Städtischen Museum, Stadtheimatpfleger Karl Mair, die Kreisheimatpfleger Karl Aß, Ferdinand Steffan, und Michael Stratbuecker, Helga Wichmann vom Staatlichen Schulamt, der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim Christoph Maier-Gehring sowie der ehemalige Wasserburger Schulleiter Dr. Otto Helwig an.

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