„Das Biotönnchen als Feigenblatt“

Ein Leserbrief zum Thema „Biomüll" im Landkreis

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Bad Aibling/Landkreis – Seit Anfang des Jahres können die Bürger des Landkreises – ausgenommen  die Wasserburger – ihre Bioabfälle zu den Wertstoffhöfen fahren und dort trennen und entsorgen. Das löste bereits viele Diskussionen aus, denn die daraus resultierenden vielen Fahrten sind alles andere als „bio“. Dennoch verkündete der Landkreis jetzt stolz, dass im Mai bereits 18,6 Tonnen Biomüll abgegeben wurde. Dass hier noch jede Menge Luft nach oben ist und das System noch richtig hakt, hat uns heute die AIB-Stimme-Leserin Anita Fuchs in einem Leserbrief dargelegt, den wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollen:

 

Das Biotönnchen als Feigenblatt

18 Tonnen klingt nach viel, bedeutet aber nur 0,9 Kilogramm pro Einwohner und Jahr im Landkreis Rosenheim. Wohingegen im Landkreis Miesbach 109 Kilogramm Bioabfall pro Einwohner und Jahr in der Biotonne, die abgeholt wird (Holsystem), gesammelt werden. In Miesbach landet also mehr als das Hundertfache in der „echten Biotonne“. Da ist zwar sicherlich auch viel Grüngut dabei und nicht nur Küchenabfall, aber das Grüngut ist als Strukturmaterial in der Trockenvergärung des VIVO durchaus erwünscht, sorgt da für einen lockeren Aufbau der Mieten, auf den wir auch beim eigenen Kompost achten müssen.

Im ebenfalls ländlichen Landkreis Miesbach werden die Biotonnen wöchentlich geleert. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen ohne (Anschluss)Zwang, zu einem angemessenen Preis von zum Beispiel 50 Euro im Jahr für die 120-Liter-Tonne.

Die im Rest der Republik weit verbreitete, weil bewährte, „echte Biotonne“ wäre natürlich auch im Landkreis Rosenheim eine prima Serviceleistung für die Bürgerinnen und Bürger – für alle, die nicht mit den kleinen Biotönnchen voll Küchenabfall ständig zum Wertstoffhof fahren wollen oder können – einmal anständig gekocht und das Tönnchen ist nämlich schon voll!

Kleinere Mengen Gartenschnitt würden bestimmt viele Hobbygärtnerinnen und -gärtner gerne über die Biotonne mit entsorgen – bequem, sauber und umweltfreundlich.

Die großen Mengen Schnittgut – bei uns zu Hause zweimal im Jahr etwa einen Kubikmeter – werde ich natürlich immer zur Grüngutsammelstelle oder direkt zur Kompostierungsanlage fahren, denn für die großen Mengen ist auch unsere Kompostecke im Garten zu klein und große Kompostmengen würden unseren kleinen Garten überdüngen.

Und übrigens ist ein Nachteil offener Kompostierungsanlagen ohne geschlossene Vergärungsstufe, dass das hochwirksame klimaschädigende Treibhausgas Methan (25 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid) ungehindert und ungenutzt entweicht.

Machen wir uns nichts vor! Solange unser Landkreis die Getrennterfassung von Bioabfall nicht praxistauglich und bequem organisiert, wird Bioabfall auch weiterhin im Restmüll landen, wo er nicht hingehört und versteckte Kosten bei den Restmüllgebühren verursacht.

Bioabfall ist ein wertvoller Rohstoff, der in der Kreislaufwirtschaft, wie beim VIVO, zu Biogas und Kompost verarbeitet werden sollte, gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Anita Fuchs
Bad Aibling
Kreisrätin B’90/Grüne

Foto: Die echte Biotonne und das Tönnchen

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Ein Gedanke zu „„Das Biotönnchen als Feigenblatt“

  1. Marlene Winter

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Wobei das Biotönnchen nur einen Aspekt des Recyclingdesasters im Landkreis Rosenheim darstellt. Danke, Frau Fuchs! Hier hatte ich bereits kommentiert: http://www.aib-stimme.de/2017/06/22/eine-rekordverwertungsquote/#comment-1559

    Es bleibt zu hoffen, dass das Problem endlich in viele Köpfe vordringt und sich Widerstand regt in der Bevölkerung, damit am Ende auch in diesem Landstrich ein sinnvolles Recycling machbar wird.

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