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TV-Diskussionsrunde aus dem Kurhaus: „Jetzt red i" am Mittwochabend zum Thema Bio

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Bad Aibling – Fünf große Lkw im Kurpark, 100 Gäste, zwei Experten und ein Thema: „Alles Bio oder was? Wirrwarr ums grüne Essen“ – am Mittwochabend wurde die BR-Sendung „Jetzt red i“ live aus dem Kurhaus Bad Aibling ausgestrahlt. Wir waren vor Ort dabei und sagen nach dieser 45minütigen Fernseh-Diskussion: Ein Abend, der erfreulicherweise wenig Halbwissen vermittelte sondern vielmehr echtes Know How von Praktikern. Was daran lag, dass im Publikum viele Bio-Bauern und -Händler aus der Region saßen.

Das Konzept der Sendung ist bekannt. Obwohl Experten auf dem Podium sitzen, haben bei „Jetzt red i“ vor allem die Zuschauer das Wort. Sie können zu dem vorgegebenen Thema Fragen stellen oder ihre Meinung kundtun, das alles smart gelenkt von Moderator Tilman Schöberl und Franziska Storz, die sich um die Online-Reaktionen der Zuschauer kümmert.

In Bad Aibling waren Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Grünen-Mitglied Sepp Dürr, selbst Bio-Bauer und Landtagsabgeordneter, als Fachleute auf dem Podium. Da waren sie im Kurhaus allerdings in bester Gesellschaft. Denn auch im Publikum saß geballtes Fachwissen. Ob Max Schlarb vom Kolbermoorer Biohof Schlarb, Hubert Steffl von der Hofbäckerei Steingraber in Vagen oder Erwin Winkler von Herbaria – hier waren Bio-Praktiker anwesend, die schon seit vielen Jahren konsequent auf Bio setzen.

Ihr klares Statement: Wer wirklich Bio will, findet das am besten beim kleinen Erzeuger vor Ort und nicht unbedingt im Supermarkt. Bei den kleinen regionalen Betrieben ist auch nichts in Plastik verpackt, wie in den großen Märkten üblich. Denn das dient da, so Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale, die ebenfalls bei der Diskussion anwesend war, zum Schutz vor den Pestiziden und Stoffen, mit denen das konventionelle Obst und Gemüse im Regal daneben behandelt ist.

Ein echtes Problem für Gewürze-Hersteller wie Erwin Winkler. Der Herbaria-Geschäftsführer beklagt, dass viele Bio-Ware, die er aus dem In- oder Ausland bezieht, mit Pestiziden, Glyphosat und Fungiziden belastet ist. Grund dafür: Konventionelle Landwirte, die neben den Feldern der Bio-Bauern diese Stoffe auf ihre Lebensmittel aufsprühen und die sich dann auch auf die biologischen Kräuter legen. „Für uns ist das auch ein wirtschaftliches Problem“, sagte er in der Sendung.

Experte Sepp Dürr von den Grünen appellierte hier an das Verantwortungsbewusstsein der konventionell arbeitenden Bauern. „Die müssen Rücksicht nehmen“, meinte er. Das sei wie im normalen Leben auch. „Man braucht Respekt vor dem Eigentum des Nachbarn.“

Generell waren sich alle Beteiligten einig darüber, dass die allgemeine Nachfrage nach Bio zunimmt und dass dafür auch mehr Bioflächen geschaffen werden müssen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner rühmte sein Regierungsprogramm von 2012, in dem er die Verdoppelung der bayerischen Biobetriebe bis 2020 anstrebt. Sein Resumee: „Momentan sind wir bei 8 Prozent doch das ist ein Prozess. Niemand kann von heute auf morgen auf Bio umstellen.“

Für Sepp Dürr reicht dies noch lange nicht aus. Der Grünen-Politiker hätte schon jetzt am liebsten mindestens 20 Prozent und betonte, dass seine Partei bereits seit 30 Jahren mehr Bio-Anteil fordern würde. „Doch mit der CSU wird das nix!“ Als Vorbild nannte er das Nachbarlad Österreich, wo Bio-Bauern viel bessere Bedingungen als in Deutschland hätten.

Brunner wollte dies so nicht stehen lassen und betonte: „Bayern hat in den letzten zwei Jahren 1000 Biobetriebe neu dazubekommen und ist da unter allen Bundesländern führend – wir liegen auch vor Ländern mit grünen Landwirtschaftsministern.“

Am Ende der Sendung kam noch Bio-Landwirt Martin Huber aus Bad Feilnbach zu Wort. Er lobte die hervorragende Unterstützung durch Bio-Verbände wie Naturland, die ihre Betriebe schulen und klare Richtlinien erarbeiten, abschließend dankte er allen Verbrauchern, die sich für echte Bio-Produkte vor Ort entscheiden und den regionalen Betrieben das Vertrauen schenken.

Foto ganz oben: Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) und MdL Sepp Dürr (Grüne), (vl.)

Unter diesem Link finden Sie die komplette Sendung:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/jetzt-red-i/aus-bad-aibling-100.html

 

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