Jugend macht Kommunalpolitik

„#myvision17": Beteiligte Schüler beklagen übervolle Busse - 22 Bürgermeister und Landrat hörten zu

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Landkreis – Die Jugendlichen im Landkreis Rosenheim haben sich einen richtig guten Ruf erworben. Wenn sie sich auf Einladung der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Rosenheim treffen um Mängel zu benennen, Ideen zu formulieren und ihre Mitarbeit anzubieten, dann hören die in den Gemeinden Verantwortlichen zu. Zur jüngsten Jugendbeteiligungskonferenz „#myvision17“ in der Chiemseehalle in Breitbrunn kamen über 50 politische Vertreter aus den Landkreis-Gemeinden, darunter 22 Bürgermeister und Landrat Wolfgang Berthaler.

 

Der lobte die rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Es freut mich, dass ihr so aktiv seid.“ Der Landrat wies darauf hin, dass man sich mit 18 Jahren in den Gemeinderat wählen lassen kann. „Wenn ihr euch einbringt, können sich eine Gesellschaft und eine Gemeinde verändern“, warb Berthaler für ein weitergehendes Engagement der Jugendlichen.

Der Öffentliche Personennahverkehr nahm in der Präsentation der Themen in der Chiemseehalle auch optisch am meisten Raum ein. Die Jugendlichen beklagten unter anderem übervolle Busse, zu geringe Kapazitäten für die Zahl der Nachmittagsschüler, zu knapp bemessene Busabfahrtszeiten, die viele Nachmittagsschüler nicht erreichen, fehlende Verbindungen bei vorzeitigem Schulschluss, keine Ansagen im Bus sowie zu wenig Angebote am Wochenende. Landrat Berthaler versprach, sich der Themen Personennahverkehr und Schülerverkehr annehmen zu wollen.

Kolbermoor will Stadtbusse für Jugendliche attraktiver machen

Auch Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo ist bereit über die Stadtbusse zu reden, um dieses Angebot für Jugendliche attraktiver zu gestalten. Ein weiteres ÖPNV-Thema war der Wunsch, dass Fußgänger und Radfahrer auf dem Weg entlang des Auerbachs in Oberaudorf friedlich miteinander auskommen. Bürgermeister Hubert Wildgruber meinte dazu: „Wir sind gerade dabei, unseren Ort zu überplanen und wir werden diese Anregung unseren Planern zukommen lassen.“

Rohrdorfs zweiter Bürgermeister Joachim Wiesböck sagte zu, dass sich die Gemeinde mit dem fehlenden Radweg zwischen Rohrdorf und Neubeuern beschäftigen will. Die Jugendlichen hatten das Radfahren auf der Straße als sehr gefährlich beschrieben. Den Wunsch nach einer Tischtennisplatte konnte Wiesböck gleich klären. „Die wird kommen“, sagte er.

In Wasserburg fand kürzlich ein Festival im Badria statt, das sich die Jugendlichen in der Beteiligungskonferenz vor einem Jahr gewünscht und mit Unterstützung des Jugendzentrums und der Jugendbeauftragten umgesetzt hatten. Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl sprach von einer tollen Sache, auch wenn die Vorbereitung die Jugendlichen an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte. Ein ähnliches Festival erhoffen sich diesmal die jungen Damen und Herren aus Raubling. Bürgermeister Olaf Kalsperger meinte, wir wollen schauen, ob wir das hinkriegen.

Steg, Sprungbrett und Kletterinsel am Höglinger Weiher gewünscht

Für den Höglinger Weiher in Bruckmühl wünschten sich die Jugendlichen einen Steg, ein Sprungbrett, eine Kletterinsel und einen aufblasbaren Eisberg. Um das Umfeld des Weihers sauber zu halten, boten sie an, Aufräumtrupps zu organisieren. Zudem haben die Jugendlichen in Bruckmühl den Wunsch einen Jugendtreff für 12- bis 17-jährige in eigener Verantwortung zu betreiben. „Das sind keine unerfüllbaren Wünsche“, sagte Bürgermeister Richard Richter. Gesprächstermine für die Sommerferien wurden vereinbart.

Mehrfach genannt wurde öffentlich zugängliches W-Lan. Tatsächlich stehen in mehreren Gemeinden bereits so genannte Hotspots zur Verfügung bzw. werden ausgebaut wie zum Beispiel in Bad Endorf, Bernau oder Schechen. Damit Jugendliche leichter an Ferienjobs kommen, soll eine Internetplattform geschaffen werden.

Rund 45 Minuten dauerte es, bis alle Bürgermeister die Fragen von Moderator Erik Flügge aus Köln beantwortet hatten. Weil dabei keine Unruhe aufkam, meinte Flügge am Ende: „Über 100 Jugendliche haben ihnen gebannt zugehört, machen sie das mal mit Erwachsenen.“

Bei der Verwirklichung der Projekte in den kommenden Wochen und Monaten stehen den Jugendlichen die jeweiligen Jugendbeauftragten der Gemeinden, Hauptamtliche aus der Offenen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit an Schulen und nicht zuletzt die Organisatorin aus der Kommunalen Jugendarbeit Karola Kellner zur Seite.

2014 wurde die Jugendkonferenz „#myvision“ erstmals organisiert. „Bis heute ist diese Form der Jugendbeteiligung in Deutschland einmalig. Andere Landkreise schauen sehnsüchtig hierher“, sagte Erik Flügge, der bundesweit tätig ist.

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