AfD: „Der Kreis Migration drückt sich!“

Eine Pressemeldung über ein geplatztes Treffen in Bad Aibling und die Geschichte dahinter

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Bad Aibling – Mit der Schlagzeile „Kreis Migration drückt sich vor Gesprächen mit der AfD Bad Aibling“ verschickte die AfD gestern am Sonntagabend eine Pressemeldung, die im gleichen Wortlaut auch auf der Facebook-Seite der Partei erschien. Inhalt: Ein anberaumtes Treffen mit einem Mitarbeiter des Kreis Migration e.V. zum Meinungsaustausch wäre nicht zustande gekommen. Der Verein würde sich vor der Auseinandersetzung mit der AfD drücken.

Andreas Winhart, Ortsbeauftragter der AfD in Bad Aibling: „Zu meinem Bedauern kneift der Kreis Migration nun. Die vielbeschworene Transparenz sieht anders aus. Was hat der Kreis Migration zu verstecken?“ Bei unbedarften Lesern ensteht hier der Eindruck, dass die AfD bereit gewesen wäre, eine Annäherung an die andere Seite zu machen, der Kreis Migration jedoch in letzter Sekunde einen Rückzug gemacht hätte.

Nach Recherchen der AIB-Stimme und einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Kreis Migration hat sich der Fall dann so dargestellt:

• Schon vor Weihnachten hat ein Mitarbeiter des Kreis Migration Andreas Winhart dazu eingeladen, sich einmal zu treffen und sich die unterschiedlichen Standpunkte zum Thema Flüchtlinge zu erläutern. Der damals vorgeschlagene Treffpunkt waren die Container an der Krankenhausstraße.

• Nach einigem Hin und Her via Facebook konnte man sich dann auf den 15. Januar um 18 Uhr einigen.

•  Im Laufe der Woche vergangenen Woche war dann klar, dass man sich auf „neutralem“ Boden zu einem Gespräch unter vier Augen treffen würde. Angedacht war das Hotel Lindner in Bad Aibling. Treffpunkt: 18 Uhr.

• Offensichtlich verlor das Treffen dadurch für Andreas Winhart seinen Reiz, denn er erschien nicht zum vereinbarten Termin, sagte ihn auch nicht ab. Weder per Mail, SMS oder auf Facebook. Wer sich vor Ort befand, war der Mitarbeiter des Kreis Migration, der am Hotel auf Andreas Winhart wartete und ihn auch erfolglos versuchte, am Handy zu erreichen.

•  Wahrscheinlich war der AfD-Mann da schon mit Schreiben beschäftigt, denn er verfasste die eingangs erwähnte Meldung, die am Sonntag, den 15. Januar um 19.37 Uhr bei der AIB-Stimme einging und um 19.40 Uhr auf der AfD-Facebook-Seite veröffentlicht wurde.

Der Mitarbeiter des Kreis Migration dazu zur AIB-Stimme: „Ich denke, dass Herr Winhart nur einen Vorwand gesucht hat, um in die Container zu gelangen. Doch wir haben uns letztendlich dagegen entschieden, da der Container kein Zoo ist, in dem man eben mal Flüchtlinge besichtigt. Außerdem wollte ich mich mit Herrn Winhart als Privatmann treffen und nicht als offizieller Vertreter des Kreis Migration. Gerne hätte ich ihm unsere Arbeit und unseren Antrieb erklärt, aber eben nur privat und nicht in offizieller Funktion. Das war dann für ihn wohl nicht mehr so spannend.“ Bleibt die Frage im Raum stehen, wer sich denn nun wirklich vor diesem Treffen gedrückt hat …

 

 

 

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5 Gedanken zu „AfD: „Der Kreis Migration drückt sich!“

  1. Manfred Stöger

    Danke für die Klarstellung!
    Das ist genau die Masche, mit der unsere „Freunde“ von der AfD bundesweit „arbeiten“.
    Gut, dass es noch solche „Lügenpresse“ wie Euch von der aib-stimme gibt!
    Bitte macht so weiter!!!

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  2. Günter Schlierbach

    Ich frage mich, was den Herrn Winhart bewogen hat, kommentarlos nicht zum ersten vereinbarten Termin zu erscheinen. Hat er Bammel bekommen, mit jemand zu sprechen, der oder die nicht seine Weltsicht teilt? Vielleicht ein bisschen Angst vor der Erkenntnis, dass es Menschen gibt, die die Bedrängnis und Not anderer nicht kaltlässt? Und als Folge ein schlechtes Gewissen, wenigstens ein ganz kleines? Dass die Scheuklappen aus Selbstgerechtigkeit und Rechthaberei Löcher kriegen? Möglicherweise haben AfD-Leute vor so was eine große Scheu. Vielleicht klärt uns der Herr Winhart darüber ja mal auf. Der aib-stimme jedenfalls danke ich, dass sie da einiges gerade gerückt und uns Normalbürger davor bewahrt hat, linken Verdrehungen der Tatsachen aufzusitzen.

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  3. Manfred Stöger, Sie haben 100% Recht! Der Artikel fußt auf den Aussagen von Herrn Winhart und den Vermutungen von der Aib-Stimme. Journalistisch ist das nicht nur schlechter Stil sondern aus Ablehnung der AfD auch entsprechend hingerotzt – oder sind Spiegelstriche jetzt gerade modern? Wenn der MigrantenKreis sich drück ist nachzufragen warum er das tat und zwar bei der Vorstandschaft und nicht bei dem „vermittelnden“ Wichtigtuer, der jetzt beleidigt ist, weil sich Herr Winhart mit ihm privat nicht treffen wollte.

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    1. Amadeus Bachmayr

      Die Strategie der AfD/Rechtspopulisten:
      Halb- bzw. Unwahrheiten in die Welt setzen, auf die Reaktionen warten, fallen diese dann nicht wie gewünscht aus, werden die Kritiker verunglimpft und die Medien als Lügenpresse gescholten.
      Irgend etwas bleibt hängen und wenn es nur ein schaler Beigeschmack ist!

      Transparenz bei der AfD? Bei ihrem Parteitag ist die Presse nicht zugelassen!

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    2. Günter Schlierbach

      Sehr geehrte Brigitte,
      ich habe versucht, Ihrem Gedankengang zu folgen. Aber es ist mir ums Verrecken nicht gelungen. Wenn ich’s richtig verstanden habe: Herr Winhart ist nicht zum vereinbarten Termin gekommen, hat nicht abgesagt und dann öffentlich behauptet, der Kreis Migration habe sich vor dem Gespräch gedrückt. Wer hat sich denn hier gedrückt? Dass Sie der aib-stimme schlechten journalistischen Stil und Hinrotzen unterstellen, trägt schon karnevalistische Züge. Haben Sie’s nicht begriffen – oder ist das etwa postfaktische AfD-Logik? Im Gegensatz zu den anderen Leserbriefschreibern verraten Sie nicht Ihren vollen Namen. Warum? Ach ja, lassen Sie’s lieber, es könnte sonst peinlich werden.

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