Bad Feilnbach im Herzen – Hans Hofer

Serie in der AIB-Stimme: Die Bürgermeister der Region (4)

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Bad Feilnbach – Er ist in erster Linie Mensch und Bürger. Politiker ist er, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie. Und irgendeiner Partei angehören will er schon gar nicht. Vielleicht ist genau das der Grund, wieso Hans Hofer (61) so sicher im Bürgermeister-Sattel der Gemeinde Bad Feilnbach sitzt. Wir stellen den Rathaus-Chef des Kurortes vor.

Dieser Mann ist Feilnbacher durch und durch. Während andere Amtskollegen aus der Region durchaus schon mal mit dem Gedanken spielten, ihrer Heimatgemeinde privat und beruflich den Rücken zu kehren, war dies bei Hans Hofer noch nie der Fall. Geboren und aufgewachsen im Ortsteil Au auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb, hier zur Schule gegangen – schon immer war er auf diesen Ort fixiert. Und schon von klein auf wusste er, was in der Gemeinde läuft, was die Menschen hier bewegt.

„Kommunalpolitik hat mich schon immer interessiert“, erzählt er. „In jungen Jahren habe ich die Gemeindegebietsreform miterlebt, all das hat mich dann irgendwann einmal in den Gemeinderat gebracht.“ Seit dem 1. Mai 1996 lenkt er von dort aus die Geschicke des Ortes mit, seit dem 15. März 2006 als erster Bürgermeister. Hofer selbst gehört den Freien Wählern an, die in Bad Feilnbach eine lange Tradition haben. „Für mich war es immer wichtig, überparteilich zu sein. Ich bin kein Parteienmensch“ sagt er. Als er zum ersten Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidierte, wollte er den Menschen vor allem eine Alternative zu den bestehenden Parteien und ihren eher festen Strukturen und Programmen anbieten.

Sein Leitgedanke: Durch solide Arbeit den bodenständigen Bürger abholen. Und das ist bei Hans Hofer authentisch, denn er ist selber ein bodenständiger Bürger der Gemeinde. Ein Mann, der zuerst eine kaufmännische, danach eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht hat und 1980 einen eigenen Baggerbetrieb gründete. Vielleicht ein Grund dafür, dass er verantwortungsvoll mit Geld umgehen kann. „Ich war schon in jungen Jahren selbstständig und musste seitdem stets darauf achten, dass auch ein Geld reinkam.“

So spricht einer, der eher ein Mann der Tat ist, als einer, der gerne stundenlange in Akten stöbert. Er gesteht: „Als ich angefangen habe, war zum Beispiel die Haushaltsbewirtschaftung einer Gemeinde für mich ein Fremdwort.“ Eine Anekdote aus seinen Bürgermeister-Anfangsjahren: So hat er damals mal eben schnell für ein Bauvorhaben der Gemeinde den dafür nötigen Kies bestellt, weil man den eben gebraucht hat, bis ihm sein Kämmerer auf die Füße gestiegen ist und ihn fragte: „Und von was sollen wir jetzt den Kies bezahlen?“

Inzwischen hat er die Verwaltungsabläufe intus, auch wenn er zugibt, dass die Aufgaben am und hinterm Schreibtisch eher der Teil seines Amtes sind, der ihm weniger Spaß macht. Viel lieber hat er es, wenn er Menschen und Projekte zum Wohle der Gemeinde gewinnen kann. „Das ist etwas, das mir richtig Spaß macht: Wenn ich die richtigen Leute zusammenbringe, wenn ich da etwas bewegen kann“, sagt er. So ist er froh, dass für das Hotel Conti ein Investor gefunden wurde, der mit realistischer Einschätzung einiges in die Wege leiten will.

Das kann ein weiteres Mosaiksteinchen sein, das den Tourismus in Bad Feilnbach wieder ein Stückchen nach vorne bringen kann. Hier gilt für Hans Hofer vor allem die Devise: Geduld haben. „Das, was ich bei diesem Thema gelernt habe, ist, dass man Dinge aushalten – und viel Geld aufwenden muss.“ Bei allem Bestreben, den Kurort und die damit verbundene Wirtschaft zu vergrößern, will er die Balance zwischen Wachstum und Natur halten. „Der Umgang mit Grund und Boden muss verantwortungsvoll sein. Es ist wichtig, dass Bad Feilnbach wie jede andere Ortschaft seine Identität hat. Das ist auch ein Stück Lebensqualität.“

Dazu zählt für den Bürgermeister die aktive ehrenamtliche Arbeit der vielen ortsansässigen Vereine, dazu zählt für ihn aber auch die geplante Umgestaltung der Ortsmitte. Seine Meinung: „Ich empfinde es als sehr glücklichen Umstand, dass die Firma Prechtl hier einen neuen Vollsortiment-Markt baut. Wir hätten ansonsten die Klinik-Ruine gehabt, von der wir nicht gewusst hätten, was mit ihr passiert.“

So erneuert Bad Feilnbach im Zuge der Bauarbeiten für den kommenden Prechtl-Markt gleich die gesamte Ortsmitte, um auch in Zukunft ein attraktiver Ort für die Bürger und für die Gäste zu sein. Dass das Projekt zudem durch Städtebauförderungs-Gelder unterstützt wird, macht die Lage entspannter, obwohl Hofer sagt: „Das Vermögen der Gemeinde ist in Ordnung.“

Dass dies so ist, verdankt Bad Feilnbach auch den vielen starken Handwerksbetrieben, die dem Ort seit jeher die Treue gehalten haben. Hofer: „Firmen wie Killinger, Impler oder Pichler haben hier ganz klein angefangen und haben es zu beachtlicher Größe gebracht. Viele erweitern oder haben schon erweitert.“ Und das ist in Bad Feilnbach nicht gerade billig. Der Grund hat hier eine andere Beschaffenheit und ist für Gewerbe viel schwerer zu nutzen als zum Beispiel in Bad Aibling. Das macht ihn um einiges teurer. Auch dass die Firma Bacher ihr neues Firmengebäude im neuen Gewerbegebiet von Au baut, ist für Hofer trotz mehrere Proteste im Vorfeld die richtige Entscheidung für beide Seiten: „Eine ortsansässige Firma vergrößert sich hier und bietet dadurch Arbeitsplätze für die Menschen hier.“

Wie schafft sich Hans Hofer Ausgleich bei all den vielen Aufgaben, die das Tagesgeschäft des Amtes so mit sich bringt?  „Hobbys habe ich, außer ab und zu ein bisschen Skifahren, eigentlich nicht“, sagt er. Hobbys braucht er auch keine. Denn: „Die Landwirtschaft ist meine Leidenschaft.“ Wann immer der Vater von vier Kindern Zeit hat, arbeitet er auf dem Hof mit, der in erster Linie von seiner Frau bewirtschaftet wird. Die Beine hochlegen will er nicht in seiner Freizeit. „Ruhig daliegen, wenn ich weiß, dass es auf dem Hof was zu tun gibt, ist nicht meine Art.“ Das hat er schon als Kind so gelernt.

Und er macht es auch heute noch gerne. Das erdet ihn. „Ich empfinde Freude dabei, einen Baum zu sehen, ihn beim Wachsen zu beobachten.“ Das passiert allerdings selten. Hofer arbeitet täglich von 8 Uhr bis etwa 17 Uhr im Rathaus und hat dann meistens noch um die fünf Abendtermine in der Woche. Da ist es für ihn schon echte Entspannung und Abwechslung, dazwischen mal für eine oder zwei Stunden nach Hause zu können.

Da stellt sich die Frage: Wie wird sich Hans Hofer entscheiden, wenn 2018 die nächsten Wahlen anstehen? Landwirt oder Bürgermeister? Wird er sich das Amt nochmal antun? Er lächelt und sagt: „Ich weiß es noch nicht. Das werde ich aber rechtzeitig bekannt geben.“ So ein bisschen Politiker ist er in diesem Moment dann doch …

 

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