Der Weg vom Kinderarzt zum Facharzt

Wenn Jugendliche an einer chronischen Hormon- oder Stoffwechselstörung erkranken

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Rosenheim – Spezialisten unter sich: Oberarzt Dr. Roland Weber vom RoMed-Klinikum Rosenheim, Priv.-Doz. Dr. Nicole Reisch von der Medizinischen und Poliklinik IV der Universität München, Prof. Dr. Heinrich Schmidt vom Hauner´schen Kinderspital der LMU München und Rosenheims Leitender Oberarzt Dr. Christian Ockert trafen sich zu einem Qualitätszirkel, dem Endokrinologen-Workshop. Es ging um das Thema „Betreuung von Patienten mit Hormonstörungen in der Transitionsphase“, also dem Wechsel eines an einer chronischen Hormon- oder Stoffwechselstörung erkrankten Jugendlichen vom Kinder- und Jugendarzt zu einem entsprechend qualifizierten Haus- oder Facharzt …

Im gut besetzen Saal des Bildungszentrums St. Nikolaus in Rosenheim begrüßte Dr. Weber die Veranstaltungsteilnehmer. Als erster Referent stellte Prof. Dr. Schmidt als pädiatrischer Endokrinologe facettenreich die fachlichen und organisatorischen Gesichtspunkte dieser kritischen Phase dar. Neben den „normalen“ Problemen der Pubertät müssen diese Jugendlichen, die meist lebenslang mit Hormonen behandelt werden müssen, lernen, selbstverantwortlich mit ihrer Erkrankung umzugehen. Denn sollten die jungen Erwachsenen bei diesem Schritt nicht erfolgreich begleitet werden, besteht im Falle einer suboptimalen Hormoneinstellung langfristig die Gefahr schwerwiegender Folgen für die Gesundheit.
Prof. Dr. Schmidt verwies auf eine allgemeine Studie aus Deutschland die Transitionsphase betreffend, die zu dem Schluss kommt, dass betroffene Patienten zwischen 16 und 21 Jahren zunächst am liebsten vom langjährig zuständigen Pädiater betreut werden würden. Es sei gut nachvollziehbar, dass es in einem konstanten medizinischen Umfeld leichter falle, die durch physiologische und psychologische sowie sonstigen Veränderungen des Lebensalltags hervorgerufene instabilere Stoffwechsellage zu bewältigen.

Dennoch, so betonte Priv.-Doz. Dr. Reisch als internistische Endokrinologin in ihrem Vortrag, sei es aus verschiedenen Gründen wichtig, den Übergang der ärztlichen Betreuung von der Pädiatrie zur Erwachsenenmedizin bereits in dieser Phase zu vollziehen: In den meisten Fällen ende die Behandlungsmöglichkeit durch den Pädiater mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Auch sei der spezielle Blickwinkel des Erwachsenenmediziners unverzichtbar, unter anderem bezüglich einer eventuellen Familienplanung oder der Vereinbarkeit von Hormonstörungen mit dem Arbeitsleben.

Damit der Übergang vom endokrinologischen Kinder- und Jugendmediziner zum Facharzt Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie gelingen kann, wird an spezialisierten Zentren wie München und Rosenheim für die Patienten eine sogenannte „Übergangssprechstunde“ abgehalten, in der Spezialisten beider Fachgruppen anwesend sind (Rosenheim: Dr. Christian Ockert, endokrinologische Pädiatrie und Dr. Roland Weber, Facharzt für Innere Medizin – Endokrinologie), um ein Kennenlernen und einen direkten Austausch der Krankenvorgeschichte unter besonderer Berücksichtigung individueller Probleme zu gewährleisten.

Anhand ausgewählter praktischer Fallbeispiele aus dem Bereich der Hormonerkrankungen und Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes mellitus Typ 1, Adrenogenitales Syndrom, Geschlechtsidentitätsstörungen) zeigten die Referenten die unbedingte medizinische Notwendigkeit einer kontinuierlichen, spezialisierten endokrinologischen Betreuung durch die Transitionsphase hindurch auf.

Die abschließende, ausführliche Diskussionsrunde ermöglichte den Teilnehmern den fachlichen Austausch und Klärung ihrer Fragen aus dem Praxisalltag. Einig waren sich die Anwesenden, dass prinzipiell standardisierte Vorgehensweisen in der Transition erstrebenswert wären.
Bild: RoMed Kliniken

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