Kein Tag ohne Humor

Fritz Waldemer, langjähriger Schulleiter der privaten Schule Irschenberg, in den Ruhestand verabschiedet

image_pdfimage_print

Irschenberg – Fast 40 Jahre seines Arbeitslebens hat der fast 65-Jährige (2.v.l.) am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Irschenberg unterrichtet und als Konrektor und später als Rektor unzählige Kinder und Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf und der Region kommen und gehen sehen. Dass man hierfür aus einem besonderen Holz geschnitzt sein muss, das wurde bei den Feierlichkeiten im Caritas Kinderdorf deutlich.

Immer wieder wurde in Redebeiträgen auf die Tugenden des verheirateten Vaters von drei Kindern hingewiesen: Ruhe, Geduld, Gelassenheit, Bodenständigkeit und eine große Portion Humor. Diese Stärken sind offensichtlich hilfreich, wenn man den anspruchsvollen und anstrengenden Beruf des Lehrers bis zur Pensionierung ausüben kann und will.

Die Feier begann am Morgen mit allen Schülern in der Turnhalle. Bereits hier wurde deutlich, wie beliebt Friedrich, genannt Fritz, Waldemer bei den Kindern und Jugendlichen ist. Viele Gesten von großer Wertschätzung und Respekt gegenüber dem Rektor wurden dort zum Ausdruck gebracht. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass er das Konzept kindgemäßen und motivierenden Lernens stets weiterentwickelte und dabei immer den Kontakt mit den Schülern suchte. Bis zuletzt sah man ihn zusammen mit Mädchen und Buben arbeiten. Ob es darum ging, Mauern im Pausenhof zu bauen oder im Pausenraum das Essen herzurichten, der Schulleiter war immer für sie da und sich nie für etwas zu schade.

Im Anschluss fand im kleineren Kreis die offizielle Verabschiedung durch Vertreter des Schulwesens, des Trägers und der Gemeinde Irschenberg statt. Im Prälat-Müller-Saal des Caritas Kinderdorfs würdigte sein Nachfolger, der derzeitige Konrektor Thomas Wimmer, sein Schaffen, indem er die Meilensteine der letzten gemeinsamen 14 Jahre beleuchtete. Er berichtete darüber, wie der Schulleiter Innovationen förderte und gleichzeitig das Gesicht der Schule immer wieder veränderte. Auch das äußere Gesicht durch Bau- und Sanierungsarbeiten, wie durch die naturnahe Gestaltung des Pausenhofs, die sich zur größten Gemeinschaftsaktion der Schule entwickelte. Ein tatkräftiger Schulleiter, das imponierte allen, auch Konrektor Wimmer: „Es ist nicht selbstverständlich, einen Schulleiter zu finden, der die Hemdsärmel hochkrempelt und erst einmal selber mitanpackt. In seiner Bodenständigkeit war er ein Vorbild nicht nur für das Kollegium, sondern auch für die Schüler.“

Waldemer dankte in seiner Rede den Anwesenden für den wunderschönen Tag und betonte die Bedeutung des Förderzentrums: „Unsere Schule hat einen sehr guten Ruf im Landkreis und darüber hinaus. Eltern vertrauen uns gerne ihre Kinder an. Ich bin stolz auf unsere Schule, an der sich die Schüler und die Lehrer gleichermaßen wohlfühlen.“

Vertrauen in die Menschen und deren Redlichkeit war eine der Grundlagen, auf denen die Leitung von Fritz Waldemer basierte. Gerade bei ihm galt der Grundsatz „Vertrauen statt Kontrolle“ in besonderer Weise. Vielleicht machte ihn das so beliebt bei den Lehrern. „Kein Tag ohne Humor – es sei denn, Fritz war krank“, so hieß es im Förderzentrum. Für die Menschen um ihn herum war sein täglicher Humor eine Art Lebenselexier. „Man sollte die Dinge nicht immer allzu ernst nehmen, sonst geht man unter“, war ein Spruch, aber auch die Einstellung von Waldemer. Viele sind sich sicher, dadurch lebte er seinen Kollegen vor, wie man sich effektiv gegen Burn-Out schützt. Ein durchaus nachahmenswerter Ansatz.

Friedrich, genannt Fritz Waldemer

Wohnhaft in München, war seit 1978 ununterbrochen am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Irschenberg tätig mit einer kurzen Ausnahme, als er ein Jahr einen erkrankten Kollegen in der Haushamer Förderschule vertrat. 1979 wurde er Konrektor und übernahm 2003 die Leitung, die er bis zu seiner Pensionierung inne hatte.

 

Geburtsdatum:
15. April 1952

 
Schulbildung:
1958 – 1962      Grundschule St. Moritz Ingolstadt

1962 – 1971      Albert-Einstein-Gymnasium München mit Abitur

Studium:
1971 – 1974      Erziehungswissenschaften PH München

1976 – 1978      Lehramt an Sonderschulen (Zusatzstudium)

Schuldienst, Vorbereitung:
1974 – 1975      Grundschule Ramsau

1975 – 1976      Sonderschule Hausham

1978 – 1979      Sonderschule Irschenberg / 2. Lehramtsprüfung

Schuldienst:
1979 – 1983      Irschenberg

1983 – 1984      Hausham (Mobile Reserve)

1985 – 2003      Irschenberg (versch. Klassenführungen)

1997     Sonderschulkonrektor in Irschenberg

2003     Sonderschulrektor in Irschenberg

 
Persönliches:
verheiratet / 3 Kinder (1981 – 1984 – 1987)
Privates Sonderpädagogisches Förderzentrum Irschenberg
Im Förderzentrum Irschenberg unterrichten 34 Lehrkräfte rund 185 Kinder von der 1. bis zur 9. Klasse aus den Landkreisen Miesbach und Rosenheim, die in der allgemeinen Schule nicht angemessen gefördert werden können. Die Förderschwerpunkte liegen in den Bereichen Lernen, Sprache oder sozial-emotionale Entwicklung. Das vielfältige Förderangebot berücksichtigt die unterschiedliche Probleme, Bedürfnisse, aber auch Stärken der Schüler. Das SFZ Irschenberg betreibt eine Außenstelle im alten Schulgebäude in Neukirchen (Weyarn), die nach Aussage des zweiten Bürgermeisters Dr. Franz Demmelmeier „wieder Leben nach Neukirchen“ gebracht hat.

Neben dem Schulbetrieb gibt es eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE), die Kinder zwischen 4 und 6 Jahren mit Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung kostenlos besuchen können.

Der mobile Sonderpädagogischen Dienste (MSD) bestehend aus einem Team von Sonderschullehren hilft Eltern, Lehrern und Erziehern bei Problemen und zeigt kostenlos Lösungswege zur Förderung der Kinder auf.

Das private Förderzentrum Irschenberg bietet Eltern, die eine ganztägige Betreuung ihres Kindes wünschen, eine Ganztagesbetreuungsgruppe für Mädchen und Jungen ab dem 3. Schuljahr an. Nach der Schule essen die Kinder gemeinsam zu Mittag. Daran schließt sich die durch qualifizierte Fachkräfte durchgeführte Hausaufgaben- und Lernzeit in kleinen Gruppen an. Den Tag rundet ein vielseitiges Freizeitangebot ab.

Für Kinder von der 1. bis zur 7. Klasse mit besonderen Entwicklungsschwierigkeiten bietet die Heilpädagogische Tagesstätte im Caritas Kinderdorf Irschenberg eine intensive Förderung an. Hier finden sie eine qualifizierte Nachmittagsbetreuung in kleinen Gruppen durch sozial- und heilpädagogische Fachkräfte.

Caritas Kinderdorf Irschenberg
Derzeit beherbergt das Caritas Kinderdorf Irschenberg rund 100 Kinder und Jugendliche, die nicht in Ihren Herkunftsfamilien aufwachsen können, sogenannte „soziale Waisen“. Die Mädchen und Buben wurden dem Kinderdorf von den Jugendämtern anvertraut, da sich ihre Eltern nicht ausreichend um deren Wohl und Erziehung kümmern können. Das 1972 gegründete Kinderdorf mit seinem sozialpädagogischen Förderzentrum und seiner heilpädagogischen Tagesstätte stellt alle notwendigen Hilfen zur Förderung und Erziehung der betroffenen Kinder zur Verfügung. Neben den stationären Wohngruppen, die das Dorfgefüge mit mehreren Häusern bilden, bieten Fachkräfte des Caritas Kinderdorfs vielfältige, ambulante Hilfsprogramme für Kinder und Jugendliche und deren Familien in den Landkreisen Miesbach, Rosenheim und Bad Tölz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.