Vorhandenes verbinden

Behindertenbeauftragte und Bürgermeister trafen sich im Landratsamt - soziales Netzwerk Feldkirchen-Westerham beispielhaft

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Landkreis – Das Soziale Netzwerk Feldkirchen-Westerham und das Bürgernetzwerk Amerang stehen beispielhaft für die Entwicklung von Inklusion vor Ort. Auf Einladung der beiden Behindertenbeauftragten des Landkreises Rosenheim Irene Oberst und Christiane Grotz stellten sich die beiden Initiativen beim Treffen der Bürgermeister und der Behindertenbeauftragten der Gemeinden im Rosenheimer Landratsamt vor.

Landrat Wolfgang Berthaler, der sich bei den Behindertenbeauftragten für ihre gute Arbeit bedankte, ist sich sicher, dass im sozialen Bereich immer mehr Aufgaben auf die Gemeinden zukommen werden. Als Beispiele nannte er den sozialen Wohnungsbau sowie den behinderten- und seniorengerechten Wohnungsbau.

Im Rahmen des Dorferneuerungsprozesses in Feldkirchen-Westerham stellten die Beteiligten fest, dass es auch im sozialen Miteinander Veränderungen gibt. Viele Akteure engagieren sich im sozialen Bereich, aber niemand weiß vom anderen. Deshalb wurde ein Dialogprozess in Gang gesetzt, an dessen Ende 2012 die Gründung des Vereins „Soziales Netzwerk“ stand.

„Die soziale Infrastruktur in der Gemeinde soll überschaubar gemacht und weiterentwickelt werden“, sagte die erste Vorsitzende Ursula Borkenhagen. Herzstück des Vereins ist die Soziale Servicestelle im Kinder- und Jugendhaus KiWest. Die beiden hauptamtlichen Kräfte, eine davon auf 400 Euro-Basis, dienen als Universalanlaufstelle für alle Anliegen. Nach einer Erstberatung werden die Bürgerinnen und Bürger an die richtige Stelle weitervermittelt.

Ein vom „Sozialen Netzwerk“ gegründeter Helferkreis, der alltagsnahe Unterstützungsleistungen für ältere, pflegebedürftige oder kranke Mitbürger anbot, wurde vor einem Jahr an die Ökumenische Nachbarschaftshilfe abgegeben. Für Senioren, die sich engagieren wollen, aber nicht wissen wie, gibt es eine Freiwilligen Börse. Am Tag der Generationen, der heuer zum dritten Mal in Feldkirchen-Westerham stattfindet, beteiligen sich mehr als 30 Vereine. Dabei kommt es zu nicht alltäglichen Konstellationen, beispielsweise wenn der Veteranenverein zusammen mit Jugendlichen ein Kickerturnier organisiert.

Aktuelle Themen bzw. Projekte des „Sozialen Netzwerks“ sind die Neugestaltung des Pausenhofs der Grund- und Mittelschule unter Einbeziehung von Schülern und Lehrern, die Entwicklung von Feldkirchen-Westerham zur demenzfreundlichen Kommune und ganz neu, die Wohnberatung.

Auch in Amerang haben sich die örtlichen Vereine, soziale Einrichtungen, Bürgerinnen und Bürger sowie die Verantwortlichen in der Gemeinde an einen Tisch gesetzt um Amerang auf dem Weg zu einer inklusiven Gemeinde voranzubringen. Sonja Herbst, die Behinderten- und Seniorenbeauftragte stellte fest, dass es in Amerang bereits vielfältige inklusive Angebote gibt. Als Beispiele nannte sie Besuchsdienste sowie einen Bauträger, der grundsätzlich barrierefreien Wohnungsbau betreibt. Herbst verschwieg aber auch nicht den Handlungsbedarf. So kritisierte sie den Öffentlichen Nahverkehr als mangelhaft. Zudem fehlen barrierefreie Gaststätten und Begegnungsräume. Um den Inklusionsprozess in Amerang voranzubringen wurde eine Planungsgruppe gebildet. Sonja Herbst bedankte sich ausdrücklich bei Bürgermeister August Voit und der Gemeindeverwaltung für die Unterstützung in der Planungsgruppe.

Parallel dazu wurde das „Bürgernetzwerk Amerang“ gegründet, das vom ersten Vorstand Tilo Teply vorgestellt wurde. Mit Hilfe eines Faltblatts wurden die Bürgerinnen und Bürger gebeten, einerseits ihre Bedarfe und andererseits ihre Möglichkeiten der Unterstützung mitzuteilen. Dabei geht es um Alltäglichkeiten wie Hilfe im Haushalt, Garten- und Reparaturarbeiten oder mit dem Hund Gassi gehen. Der Verein ist zudem auf der Suche nach einem barrierefreien Treffpunkt. Vereinsvorstand Tilo Teply sagte: „Wir müssen lernen Hilfe anzunehmen und Hilfe zu geben. Unser Ziel ist es, das was da ist sichtbar zu machen und zu verbinden.“

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