Die Lust am Mitgehen

Markus Merz ist der neue Pfarrer der evangelischen Kirche in Bad Aibling

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Bad Aibling – Dieser Mann wurde sehnlichst erwartet. Von seiner Gemeinde – und von Pfarrer Andreas Strauß, der seit mehreren Monaten neben seiner Aufgabe als Seelsorger aus Bad Feilnbach auch in Bad Aibling Dienst machen musste. Jetzt ist Markus Merz da, und seit dem Weggang von Hanns-Martin Krahnert Ende Juli 2016 ist die Pfarrstelle der evangelischen Gemeinde in Bad Aibling wieder neu besetzt. Wir stellen Markus Merz vor, der am 1. April hier seine Arbeit aufnahm.

„Ich musste nicht groß überlegen“, sagt Markus Merz. „Bad Aibling hatte mich einfach angesprochen“ Obwohl der gebürtige Franke noch nie zuvor in Bad Aibling war, sagt er, dass sich die Bewerbung für die Pfarrstelle von Anfang an für ihn richtig angefühlt habe. So sehen es auch seine Frau Dorothea, die von Beruf Kunsttherapeutin ist, und die drei Töchter, von denen die Jüngste noch mitziehen wird. Es scheint tatsächlich auch für die Kirchengemeinde eine Liebesheirat zu sein, denn auch der Kirchenvorstand der Aiblinger Gemeinde sagte gerne „ja“ zum neuen Seelsorger.

Pfarrer Merz wurde am vergangenen Sonntag in sein neues Amt eingeführt und konnte da schon erste positive Erfahrungen mit der Stadt und ihren Bürgern machen. „Ich merke, wie sich in der Gemeinde die Menschen achtsam und wertschätzend begegnen“, erzählt er. „Es ist beeindruckend, wie so viele Menschen zum Ganzen beitragen, sich ehrenamtlich engagieren und für Andere da sind.“

Zuletzt lebte der 51-jährige Familienvater mit seiner Familie in Wien, arbeitete dort in der Geschäftsstelle der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) als theologischer Referent und war in der Seelsorge am Allgemeinden Krankenhaus in Wien AKH tätig, bevor es für ihn an der Zeit, wieder nach Bayern zu wechseln.

Im Gespräch mit ihm wird deutlich, dass offenbar die ganze Familie eine besondere Liebe zu Frankreich hat. Nach seinem Abitur lebte er damals dort knapp zwei Jahre in einer Gemeinschaft der Arche, einem Projekt für behinderte und nicht-behinderte Menschen in Compiègne und ist seither immer wieder in Frankreich im Urlaub oder zum Pilgern oder zuletzt als Pfarrer in einer Urlaubsvertretung in der protestantischen Gemeinde in La Rochelle. Wobei er, der Theologie in Heidelberg und auch in Jerusalem studierte, derzeit noch ein ganz anderes Ziel hat und dazu mit anderen unterwegs ist. „Seit acht Jahren befinde ich mich auf dem Pilgerweg nach Jerusalem“, sagt Merz. Jedes Jahr geht es mit einer kleinen, offenen Gruppe an Mitpilgern zu Fuß, mit Bus oder Autostop etwa je eine Woche eine Etappe weiter dem Ziel entgegen. Mittlerweile sind sie auf Station acht in Istanbul angelangt. Diese Momente auf dem Pilgerweg helfen ihm dabei, viele Dinge des Alltags neu und anders einzuordnen. Er sagt: „Das hilft auch, die eigene Lebenssituation nicht zum Maßstab aller Dinge zu machen. Es hält mich offen und neugierig und bewahrt mich vor schnellen Urteilen.“

Genau das ist es, was Markus Merz letztendlich dazu bewogen hat, Pfarrer zu werden. Ein offenes Ohr und Zeit für andere haben und sich selbst in der Gemeinschaft von Menschen einbringen. Er, der selbst aus einer Pfarrersfamilie stammt, sagt: „Irgendwie bin ich hineingewachsen und ich habe darin meine Berufung entdeckt. Ich sehe die unglaubliche Chance in meinem Beruf, mich auf Menschen und Orte einzulassen und gemeinsam mit anderen für Gottes Wirken offen zu werden.“ Er beschreibt es selbst auch als „Lust am Mitgehen von Wegen“ und sieht seinen besonderen Auftrag in der Seelsorge.

Markus Merz selbst fühlt sich ganz und gar beheimatet als evangelischer Christ und ist stolz darauf. Das ist für ihn die Basis dafür, anderen Menschen offen zu begegnen und voneinander zu lernen. „Denn niemand hat mehr recht als der andere oder weiß sich der Wahrheit näher. Was letztlich zählt, ist nicht das Denken in Schubladen. Es geht doch darum, welchen Beitrag wir als Christen für den Frieden in der Welt leisten und wir uns dafür gemeinsam einbringen.“

Den Umzug von der Millionenmetropole Wien in die Kleinstadt Bad Aibling betrachtet er keinesfalls als Kulturschock, sondern ganz klar als „Weitung“, wie er es ausdrückt, und er gesteht im selben Atemzug: „Ein paar Jahre Wien zu erleben ist schon eine echte Bereicherung. Der Name dieser Stadt ist nicht nur ein Wort, da schwingt eine ganz eigene Emotion mit. Man verbindet damit gleich eine Vielzahl von Bildern.“ Etwas, das er in seiner Wiener Zeit lieben gelernt hat, sind zum Beispiel Kaffeehäuser. „Ich genieße das: Sich hinsetzen, einen Verlängerten trinken und dazu gemütlich Zeitung zu lesen. Das hat eine ganz eigene Atmosphäre.“ Wird er das in Bad Aibling vermissen? Markus Merz lächelt. „Auch hier gibt es sicherlich schöne Cafés.“

Was genießt er noch? Den neuen Pfarrer von Bad Aibling trifft man sicherlich in der freien Natur an. „Ich bin sehr gerne draußen“, erzählt er über sich. „Ob mit dem Rad oder zu Fuß.“ In dieser Hinsicht – soweit lehnen wir uns mal aus dem Fenster – wird er in seinem neuen Umfeld durchaus die eine oder andere Möglichkeit mehr haben als in Wien. Herzlich willkommen in Bad Aibling! Text: Andreas Fallscheer

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