„Keine halben Sachen“

Ein Mann der Tat: Hans Schaberl, Feldkirchen-Westerhams neuer Bürgermeister

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Feldkirchen-Westerham – Bei ihm hat das gesprochene Wort Vorrang: Hans Schaberl, der neue Bürgermeister von Feldkirchen-Westerham, setzt vorwiegend auf die direkte Kommunikation. Motto: Lieber einmal persönlich miteinander reden, bevor fünf Emails hin und her geschickt werden. Wenn man dann noch zusätzlich eine Mail verschickt, damit ein Gedanke nicht verloren geht, ist das für ihn der richtige Weg. Was den Rathaus-Chef sonst noch so umtreibt, lesen Sie hier. Wir stellen Hans Schaberl vor …

Nein, so wirklich angekommen ist er noch nicht in seinem neuen Job. Obwohl sich Hans Schaberl nicht aus Jux als Bürgermeisterkandidat hat aufstellen lassen, war er doch davon überrascht, dass er am 12. März gleich auf Anhieb gewählt wurde. Jetzt arbeitet er sich Stück für Stück in seine neue Welt ein, lernt, mit dem Arbeitscomputer umzugehen, der doch ein anderer ist als der, den er selbst zu Hause hat. Und er arbeitet sich akribisch durch Protokolle, Beschlüsse, Anträge, Verordnungen. „Ich kann doch nicht meine Unterschrift unter was setzen, über das ich mich nicht selbst ausführlich informiert habe“, sagt er. Deshalb braucht manches zu Beginn seiner sechsjährigen Amtszeit eben erst mal Zeit.

Denn diesen Bürgermeisterposten geht der in Westerham geborene Landwirt genau so an, wie bisher alle Tätigkeiten in seinem Leben: Er macht es richtig. „Wenn ich zu einer Sache „Ja“ gesagt habe, dann mache ich das auch mit allem was dazu gehört und bringe es zu Ende. Halbe Sachen mache ich nicht“, erzählt er. Das war wohl auch mit ein Grund, wieso er sich dazu entschlossen hat, sich als Kandidat für das Amt zu bewerben. Den Ausschlag dazu gab sein Sohn Hans, der Vorstand der Freien Wählergemeinschaft ist. „Ich war früher im Gemeinderat, doch durch meinen Unfall im Jahr 2007 musste ich das Amt aufgeben“, erzählt der neue Bürgermeister. „Ich konnte damals etwas nicht zu Ende bringen.“ Auch seine Frau bestärkte ihn darin, zu kandidieren. Hans Schaberl lacht und verrät: „Darüber haben wir am 24. Dezember 2016 gesprochen. Ein wirklich geeigneter Termin dafür. Meine Frau sagte; ,wenn du es jetzt nicht machst, dann wirst du es nie fertig machen.'“ Und nur, weil Schaberl sen. sicher sein konnte, die Unterstützung seiner ganzen Familie zu haben, entschloss er sich dazu, das Kapitel Lokalpolitik weiter zu führen. An seinem Entschluss, in den Wahlkampf zu ziehen, waren auch viele Gemeindebürger schuld. Sie sagten zu Schaberl: „Du bist doch wieder gesund, warum machst Du denn nichts mehr?“ Er lacht: „Und ich dachte, das ist doch eher was für junge Leute.“ Und im Nachhinein hat ihm auch sein Vater, den Hans Schaberl als Weitdenker und Visionär beschreibt, eben diese Laufbahn prophezeit: „Mein Vater sagte mir, dass ich doch viel zu unruhig wäre, um „nur“ Landwirt zu sein.“ Jetzt also ist Hans Schaberl  Bürgermeister, und es fühlt sich für ihn richtig an. Er merkt dazu an: „Ich denke sowieso, dass jeder ein eigenes Lebensbuch hat. Das Besondere daran – man kann es nur rückwärts lesen.“

Schon immer in der Gemeinde engagiert

„Es gehört auch zu meinem Demokratieverständnis, mich ins Gemeindeleben mit einzubringen“, sagt er. „Ich war hier schon immer engagiert in vielen Vereinen, ich war Vorstand im Trachtenverein, ich bin mit dem Ort sehr verbunden.“ Genetisch, so sagt er, sei er ohnehin vorbelastet. Sein Vater war im Gemeinderat, sein Onkel im Landtag, und auch er habe seinerzeit die Tätigkeit im Gemeinderat sehr ernst genommen. Jetzt zum Wohle der Gemeinde zu wirken, sieht er als seine Pflicht an: „Man nicht nur Rechte, es gehören auch die Pflichten dazu.“

Die Pflichten, die er als erstes nun erledigt, sind die Projekte, die noch unter der Leitung von Vorgänger Bernhard Schweiger angefangen wurden. Ganz oben auf der Liste stehen das Vorantreiben des sozialen Wohnungsbaus, der Hochwasserschutz, der Bahnhaltepunkt Feldolling und das Einkaufszentrum Westerham. Schaberl gibt zu: „Das sind schwierige Gespräche, ich hätte das Einkaufszentrum anders gemacht, mehr in die Höhe gebaut und nicht einen so großen Flächenverbrauch bewilligt.“ Trotzdem trägt er die beschlossenen Projekte jetzt mit und sinniert schon über weitere Dinge, die er anpacken will. „Mir ist ein schlüssiges Straßenkonzept wichtig“, sagt er. „Am liebsten wäre mir natürlich, keine Straßen zu bauen, doch ich kann die Uhr nicht zurückdrehen und das Verkehrsaufkommen wird mehr.“

Feldkirchen-Westerham soll ein bisschen grüner werden

Zu den weiteren Punkten, die ihm wichtig sind, zählen, dass die Gemeinde wieder in mehr Flächenbesitz kommt, quasi als „Kronjuwelen“ für schlechtere Zeiten, wie er es nennt. Und den grünen Gedanken will er forcieren. „Ich hätte gerne, dass man später einmal über den Ort sagt: Feldkirchen-Westerham ist eine grüne Lunge vor den Toren Münchens. Ich will, dass die Menschen hier Naherholung finden und nicht am Wochenende gleich in Richtung Süden ziehen. Denn Feldkirchen-Westerham soll nicht nur aus lauter Supermärkten und Gewerbegebieten bestehen.“ Hans Schaberl ist es deshalb ein Anliegen, dass hier irgendwann einmal ein Naturschwimmbad entsteht. „Dazu braucht es nicht zwingend Parkplätze – man kann da auch mit dem Rad und zu Fuß hinkommen.“ Wenn der Bürgermeister über seinen Geburts- und Wohnort spricht, dann ist diese Heimatverbundenheit und die Liebe zur Gemeinde direkt greifbar. Seine Augen leuchten wenn er lächelnd sagt: „Wer von Aschbach herunterschaut auf den Ort, und wem da nicht sofort das Herz aufgeht – der soll am besten gleich weiterfahren.“

Gerade diese Beziehung zu Feldkirchen-Westerham und den Naturoasen im Gemeindegebiet versucht er, so oft es geht, auszunutzen. „Ich lebe im Wald und gehen so oft es geht in den Wald zum Kraft tanken“, erzählt er. Das macht er seit einiger Zeit auch oft gemeinsam mit seinem Sohn, denn beide haben zusammen den Jagdschein gemacht, was Schaberl als „eines seiner schönsten Erlebnisse“ beschreibt. „Wenn man mit dem Sohn etwas gemeinsam macht, dann ist das großartig.“ Und hier zeigt sich eine weitere Seite des neuen Rathauschefs: Er will Dinge gemeinsam voranbringen. Alleingänge will er nicht. Das war auch im Wahlkampf spürbar. „Mir war klar, dass dies nur als Wahlbündnis funktioniert und ich nicht der Kandidat einer einzelnen Partei bin.“ Dieses gemeinschaftliche Denken hat sich im Rathaus schon etabliert. „Meine Mitarbeiter wissen, dass sie alle jederzeit direkt zu mir kommen können. Und auch wenn es Probleme gibt oder Fehler passieren – man kann über alles reden. Mein Leitsatz ist: Die Würde des Menschen steht über allem. Das Einzige, was ich überhaupt nicht mag, ist, wenn ich wissentlich angelogen werden. Da hört es für mich auf.“

Bescheiden und weltoffen

Auch diese versöhnliche und kommunikative Einstellung hat er offensichtlich von seinem Vater geerbt. „Der war vier Jahre in Estland in Kriegsgefangenschaft und musste hart im Bergwerk arbeiten. Doch er hat nie ein böses Wort über die Menschen dort gesagt. Das hat sich auf uns übertragen. Bei uns in der Familie gab und gibt es das Wort „Hass“ nicht.“ Hans Schaberl lebt in seinem neuen Amt genau diese Werte weiter, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet haben. Er, der sich auch als sehr gläubigen Menschen beschreibt, sagt: „Ich kenne keinen Neid. Das ist mir völlig fremd. Außerdem finde ich, dass man sich Zeit seines Lebens eine gewisse Bescheidenheit bewahren sollte.“

Was macht den neuen Bürgermeister noch aus? „Mich interessiert die ganze Welt“, sagt er und erzählt davon, wie er zehn Jahre lang Ferienkinder aus Tschernobyl auf seinen Hof holte und wie auch das seine Sicht auf manche Dinge geprägt hat. „Wir kommen alle nackt auf die Welt. Egal, welche Rasse oder welches Geschlecht – niemand wird böse oder schlecht geboren.“ Dieses Über-den-Tellerrand-Schauen will er sich auch als Bürgermeister bewahren. Er sagt: „Man sollte seinen Blick stets weiten. Als guter Bundespolitiker muss man die Welt bereisen. Als guter Bürgermeister muss ich den Landkreis kennen.“ Wie er das sagt, da weiß man: Hans Schaberl nimmt seine neue Aufgabe sehr ernst. Und er wird so eine weitere Sache zu Ende bringen. Wieder mal.

Text: Andreas Fallscheer

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