„Die Arbeit in der Justiz ist immer spannend“

Helga Gold, die Direktorin des Amtsgerichts Rosenheim, feierte ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

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Rosenheim – Sie ist die erste Leiterin in der Geschichte des Amtsgericht und hat die Behörde entscheidend mitgeprägt: Helga Gold. Jetzt feierte sie ein beachtliches Dienstjubiläum. Vor 40 Jahren, am 1. März 1977, begann Helga Gold als Referendarin am Amtsgericht Rosenheim. Damals ahnte sie noch nicht, dass sie einmal die Leitung dieses Gerichts übernehmen würde. Gold war im Laufe ihrer Karriere an verschiedenen Stellen innerhalb der Justiz beschäftigt: als Richterin am Amts- und Landgericht in Traunstein, als Staatsanwältin und als Straf-, Jugend- und Familienrichterin am Amtsgericht Rosenheim.

1993 wurde sie zur Staatsanwältin als Gruppenleiterin befördert und wechselte wieder zur Zweigstelle Rosenheim der Staatsanwaltschaft Traunstein. Die Leitung der Zweigstelle übernahm sie 1997 als Oberstaatsanwältin. Am 01.05.2005 wurde Gold schließlich zur Direktorin des Amtsgerichts Rosenheim ernannt, das sie bis heute leitet.

Das Interessanteste in der Justiz sei stets das Zwischenmenschliche, erzählt Gold. Ihren Kolleginnen und Kollegen aber auch den Bürgern, die mit ihr in offizieller Funktion zu tun haben, begegnet sie stets mit Wertschätzung. „Ich habe nie den Menschen verurteilt“, resümiert sie. Ein Mensch habe so viele Facetten, denen könne man nicht auf einmal gerecht werden. Abgeurteilt werde daher stets nur die konkrete Straftat.

Schon früh bildete sie auch Referendare aus, arbeitete viele junge Kollegen ein. „Es freut mich immer zu sehen, welche Karrieren die Kolleginnen und Kollegen machen, die einmal bei mir angefangen haben“, sagt Gold.

Oft war Gold die erste Frau auf ihrem Posten. Bei der Staatsanwaltschaft in Rosenheim gab es vor ihr keine weiblichen Gruppenleiter. Unter den Oberstaatsanwälten der Staatsanwaltschaft Traunstein ist sie bis heute die einzige Frau und auch das Amtsgericht Rosenheim wurde vor ihrer Ernennung nur von Männern geleitet. Früher sei sie deshalb oft kritisch beobachtet worden, berichtet Gold.

Ihre Entscheidung, zur Justiz zu gehen, hat Gold nie bereut. „Die Arbeit ist wirklich immer spannend“, betont sie voller Überzeugung. Sie habe genug Freiraum gehabt, um ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Wichtig war ihr dabei vor allem, die Justiz mit anderen Stellen zu vernetzen. Gerade im Bereich der Gewalt im sozialen Nahbereich und der sexuellen Gewalt gegen Frauen hat sich Gold in ihrer Zeit bei der Staatsanwaltschaft in Rosenheim sehr engagiert. Die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und sozialen Einrichtungen hat sie begründet. Seitdem nimmt die Justiz an entsprechenden Arbeitskreisen und einem runden Tisch zum Thema „häusliche Gewalt“ teil.

Gold ist froh, dass sich in diesem Bereich viel geändert hat. Früher habe sie noch erleben müssen, dass Frauen immer wieder Mitverantwortung für sexuelle Übergriffe zugeschrieben wurde.

Seit 2005 trägt Gold als Direktorin die Gesamtverantwortung für das Amtsgericht Rosenheim und bearbeitet Nachlass-, Adoptions- und Jugendstrafsachen.

Als größten Erfolg ihrer Zeit als Direktorin sieht sie die Planung des Rosenheimer Justizzentrums an der Kufsteiner Straße. Sie freut sich sehr über die aktuellen Fortschritte, auch wenn der Bau nicht mehr vor ihrem Ruhestand fertiggestellt werden wird.
Foto oben: Vor dem Gelände an der Kufsteiner Straße, wo das Justizzentrum entstehen soll: stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Kuchenbaur, Helga Gold, Ministerialdirektor Prof. Dr. Arloth und Geschäftsleiter des Amtsgerichts Dirnberger (v.l.)

Foto: Personalbogen von 1977, angelegt zum Dienstbeginn von Helga Gold

Foto: Helga Gold am 18.06.1999, damals Leiterin der Zweigstelle Rosenheim der Staatsanwaltschaft Traunstein, mit dem damaligen Leitenden Oberstaatsanwalt Weber

 

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