Rosenheimer Grüne gegen Xavier

Song „Marionetten" erhitzt die Gemüter - erneut Ausschluss vom Sommerfestival gefordert

image_pdfimage_print

Rosenheim – Wenn man mal ein Feindbild hat: Die „Grüne Jugend“ Rosenheim hat sich mal wieder auf Xavier Naidoo eingeschossen. Weil er mit den Söhnen Mannheims das Lied „Marionetten“ veröffentlicht hat und weil da im Text mit den Politikern nicht zimperlich umgegangen wird. Deshalb fordern die jungen Grünen jetzt erneut, dass das Konzert der Söhne Mannheims auf dem Rosenheimer Sommerfestival nicht stattfinden darf. Die Erklärung der Grünen dazu im Wortlaut:

GRÜNE JUGEND Rosenheim fordert erneut Ausschluss und Distanzierung von Xavier Naidoo
„Am Freitag, den 21. April 2017 wurde das neue Album „MannHeim“ von den Söhnen Mannheims veröffentlicht. Anlässlich der Veröffentlichung des Songs „Marionetten“, der Teil des Albums ist, fordert die GRÜNE JUGEND Rosenheim die Verantwortlichen für das Rosenheimer Sommerfestival erneut auf, Konsequenzen zu ziehen und Xavier Naidoo vom Sommerfestival auszuschließen.
„Ein Auftreten des Sängers Xavier Naidoo wäre in einer Zeit, in der wir europaweit eine zunehmende Salonfähigkeit offen antielitärer und demokratiefeindlicher Stimmung wahrnehmen, umso unverantwortlicher. In dem Song „Marionetten“ wird all das zum Ausdruck gebracht und indirekt zu Gewalt gegen Politiker*innen und Rundfunkanstalten aufgerufen. Das kann die Stadt Rosenheim nicht hinnehmen. Das Mindeste ist, dass sie sich als Veranstalterin deutlich von den neuen verstörenden Inhalten des Sängers distanziert, wie es auch die Stadt Mannheim und dort der CDU-Bundestagsabgeordnete getan haben“, erläutert Alexandra Gierlinger, Sprecherin der Grünen Jugend Rosenheim.
Jan Parizek, Sprecher der Grünen Jugend Rosenheim fügt hinzu: „Wir befürchten, dass Xavier Naidoo auf dem Rosenheimer Sommerfestival wie ein Magnet auf Antidemokrat*innen und Verschwörungstheroretiker*innen aller Couleur wirken könnte. Ein Sänger, dessen Song „Marionetten“ im Netz auch von der NPD und Reichsbürgern wie Dominik M. geteilt wird und der positive Resonanz für das neue Album fast ausschließlich vom äußersten rechten Lager wie Compact Online (1) bekommt, das seine „Pegida-Rhetorik“ lobt, darf auf einer öffentlichen Stadtbühne keinen Platz bekommen. Er darf nicht die Möglichkeit erhalten, seine demokratiefeindlichen (2), verschwörungstheoretischen (3) und antisemitischen Anspielungen (4) auf einer öffentlichen Bühne zu verbreiten.“
Unterstützung erfährt die Grüne Jugend dabei vom Grünen Bundestagskandidaten Korbinian Gall: „Das Vokabular, das Naidoo in diesem Song benutzt ist für mich politisch wirr. Klar ist, der Steigbügelhalter (5) für die Rechten im Land ist er da schon selbst. Ich möchte Naidoo nicht auf einer Rosenheimer Bühne sehen.“
1) Reichsbürger Dominik Müller, NPD Rhein-Neckar (Facebook, Twitter), Compact Online
2) Tatjana Festerling sagte am 11. Januar 2016 auf einer Legida Demonstration vor einer aufgebrachten Menge: „Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.“ Sie wurde wegen Volksverhetzung angezeigt. Nun heißt es in „Marionetten“: „Der wütende Bauer mit der Forke“ solle dafür sorgen „dass ihr [Politiker*innen] einsichtig seid.“
Der Vorwurf der Lügenpresse, die „die Tatsachen schon wieder verdreht“ wird ebenso angedeutet. „Mit dem Zweiten sieht man besch… Wir steigen Euch aufs Dach und verändern Radiowellen wenn ihr die Tür nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnhinweisfenster“.
3) „Und etwas Namens Pizzagate gibts ja doch noch auf der Rechnung. Bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen.“ Im US-Wahlkampf wurde behauptet, Hillary Clinton stünde im Zentrum eines Kinderpornorings. Auch Barack Obama und Lady Gaga seien verwickelt gewesen. „Pizzagate“ erwies sich als Falschmeldung. Der Reichsbürger Dominik M. teilte die deutsche Übersetzung der Falschmeldung, die auf der Homepage spotttoelpel.wixsite.com am 16. November erschien. Einen Tag zuvor erschien auf der Internetseite auch die Verschwörungstheorie: „Deutsche Spitzenpolitiker vergewaltigen und foltern Kinder – Zeugen werden beseitigt“, die er ebenfalls geteilt hat. Außerdem heißt es in diesem Zusammenhang: „Wenn ich so einen [Politiker*in] in die Finger krieg, dann reiß ich ihn in Fetzen. Da gibt‘s auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen.“
4) „Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheater. Denn Ihr wandelt an den Fäden wie Marionetten, bis wir Euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen.“ Der Vorwurf von Marionetten, die von einer unbekannten Macht gesteuert werden, orientiert sich an einer klar antisemitischen Bildsprache. Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung sieht in der Stadt Babylon „eine antikapitalistisch formulierte Protesthaltung mit deutlich antisemitischen Untertönen“.
„Ihr seid blind für Nylonfäden an Euren Gliedmaßen Und hat man Euch im im Bundestags-WC, twittert ihr eure Gliedmaßen.“ Im November 2014 folgte ein Antizi-onist Gregor Gysi bis auf die Bundestagstoilette. Dies war eine Reaktion auf die Ausladung Max Blumenthals und David Sheens – sie mussten sich Antisemitis-mus-Vorwürfen stellen. Sie seien bekannt dafür, an Jahrestagen wie dem der Reichsprogromnacht über Kriegsverbrechen Israels zu sprechen.
5) In dem Song werden Politiker*innen unter anderem bezeichnet als: „Marionetten“, „Steigbügelhalter“, „Sachverwalter“, „Volks-in-die-Fresse-Treter“, indirekt „Hoch- beziehungsweise Volksverräter“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu „Rosenheimer Grüne gegen Xavier

  1. Die Grünen sollten sich mal fragen, wie sie sich als Demokraten vorbildhaft verhalten könnten. Wie passt das zusammen, Künstler, die ihre Meinung auf ihre Art präsentieren und ausdrücken, auszugrenzen und mundtot zu machen? In einer Demokratie ist es üblich, dass jeder seine Meinung äußern darf, solange diese nicht beleidigend oder hetzerisch ist. „Kein Mensch ist illegal“ wird ständig von den Gleichgesinnten der Grünen, Linken und Sozialdemokraten skandiert. Wollen die Kids der Grünen nun also dem Xavier Naidoo das Menschsein absprechen? Ein viel besserer Beitrag zur Förderung der Demokratie wäre es, wenn die Grünen mit ihren Perversionen des Genderwahnsinns und der frühkindlichen Sexualisierung aufhören würden. Ja, auch dies kann eine Meinung sein und muss ausgesprochen werden dürfen. Doch aber nicht mit Steuergeldern finanziert! Pädophilie, Heterophobie, Familienphobie…. Was noch? Kein Wunder, wenn sich die Grünen bundesweit selbst marginalisieren. Konzentriert euch lieber auf die Kernthemen der Grünen. Geht in den Wald und zählt Bäume. Aber mischt euch nicht in Dinge ein, von denen ihr keinerlei Ahnung habt. Hört auf mit der ideologischen Perversion!

    Antworten