Erster Lawinentoter im September

Sohn einer holländischen Urlauberfamilie wird am Königssee in die Tiefe gerissen

image_pdfimage_print

Schönau/Königssee – Ein tragischer Lawinenunfall ereignete sich am Donnerstagnachmittag in den Berchtesgadener Alpen. Eine vierköpfige niederländische Familie, die sich zurzeit im Urlaub im Chiemgau befindet, machte sich am Morgen zu einer Wanderung in Richtung Gotzenalm/Wasseralm auf. Am Nachmittag gegen 15.00 Uhr gingen sie von der Gotzenalm über die Regenalm in das Landtal. Sie querten unterhalb der Laafeldwände (ca.1650 M) auf einem Steig in das Landtal hinein.

Gegen 16.15 Uhr erfasste in einer Rinne ein Schneerutsch den als letzten gehenden 24-jährigen Sohn und riss ihn mit. Der junge Mann stürzte daraufhin über etwa 60 bis 80 Höhenmeter in felsigem Gelände ab und war sofort tot, da er sich schwerste Kopfverletzungen bei dem Absturz zugezogen hatte.

Die Familie stieg aufwendig zu dem Abgestürzten ab, konnte aber nichts mehr für den Sohn tun. Sie stiegen weiter über das Landtal in Richtung Obersee ab, bis endlich kurz vor 18.00 Uhr telefonisch ein Notruf abgesetzt werden konnte. Daraufhin flog ein Bergretter der Bergwacht Berchtesgaden zur Unfallstelle. Weitere Einsatzkräfte der Bergwacht sowie die Lawinenhundestaffel standen für einen größeren Einsatz parat. Es konnte allerdings sehr schnell Entwarnung gegeben werden.

Die leicht unterkühlten und geschockten Angehörigen wurden mit dem Bergwachtmann und durch den österreichischen Rettungshubschrauber C6 aus Salzburg ausgeflogen. Um sie kümmerte sich anschließend das KIT der Bergwacht.

Zusammen mit einem Polizeibergführer wurden zwei Bergwachtmänner der Berchtesgadener Bergwacht durch den Rettungshubschrauber Christoph 14 zur Unfallstelle geflogen. Dort wurde der Unfall aufgenommen und die Bergung des Leichnams vorbereitet. Der Polizeihubschrauber nahm anschließend die Bergung vor. Die restlichen Einsatzkräfte am Einsatzort wurden in den Abendstunden durch einen Hubschrauber der Bundespolizei ausgeflogen.

Im Bereich der Unfallstelle lagen etwa 20 – 30 cm feuchter Schnee.

Durch die nachmittägliche Erwärmung kam es im gesamten Bereich ab der Gotzenalm zu vielen Nasschneerutschen auf dem grasigen steilen Untergrund. Dieser nasse Schnee entwickelt in seiner Masse eine unbändige Kraft, die Personen locker mitreißen kann, was in diesem Fall zu dem tragischen Unfall geführt hat.

Die Familie hatte sich zuvor in der Gotzenalm noch über die Verhältnisse informiert. Nachdem bereits im Laufe des Tages ein Bergführer eine Spur gelegt hatte, ging die Familie davon aus, dass es keine Probleme geben sollte.

An dem Einsatz waren neben den vier Hubschraubern noch 14 Mann der Bergwacht Berchtesgaden und vier Hundeführer der Lawinenhundestaffel beteiligt.

Es ist in den nächsten Tagen davon auszugehen, dass bei weiterer Erwärmung noch weitere und intensivere Schneerutsche auch aus höheren Lagen abgehen werden. Die Schneehöhe nimmt innerhlab der Berchtesgadener Berge massiv zu, so dass Wanderungen bei der angesagter Wetterbesserung mit Bedacht und Vorsicht angegangen werden sollten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.