Zugspitze „by fair means“

Alpinprojekt des Caritas Kinderdorfes Irschenberg - auf die Zugspitze per Rad und zu Fuß

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Irschenberg – Vertrauen in sich und andere haben, Durchhaltevermögen beweisen und das eigene Selbstbewusstsein stärken: Darum ging es beim Alpinprojekt für Jugendliche aus dem Caritas Kinderdorf in Irschenberg. Neun Jugendliche und drei Betreuer aus dem Caritas Kinderdorf Irschenberg haben deshalb etwas Außergewöhnliches gewagt. Ihr Ziel waren die Zugspitze im Wetterstein, der höchste Gipfel Deutschlands und ihre kleine Schwester, die Alpspitze.

Aber die zwölf Abenteurer wollten sich dieser Herausforderung nicht auf gewöhnliche Weise stellen und so wie der Großteil der Gäste zu diesem außergewöhnlichen Berg mit dem Auto anreisen. Nein, das gesteckte Ziel war ein wenig extremer. Der Gipfel sollte vom Kinderdorf in Irschenberg aus, wo der Großteil der teilnehmenden Jugendlichen ihr Zuhause gefunden hat, aus eigener Kraft, also „by fair means“ erreicht werden. Damit aber noch nicht genug, ein ehrliches Projekt will auch ehrlich abgeschlossen werden. Also ging es nach der anstrengenden Besteigung der beiden Gipfel auch wieder aus eigener Kraft mit dem Rad 100 km zurück nach Irschenberg.

Die ersten neun Tage der Sommerferien 2017 hatten  sie sich für dieses herausragende Abenteuer eingeplant. Während der Großteil der Besucher zu dem höchsten Gipfel Deutschland mit dem Auto anreist, um dann in vielen Fällen auch noch mit der Bahn Richtung Gipfel zum Münchner Haus hinaufzufahren, dauerte die von den Irschenbergern gewählte Variante etwas mehr als eine Woche.

Dabei fuhren sie in zwei Tagen von Irschenberg mit dem Rad über den Fockenstein und die Jachenau nach Garmisch-Partenkirchen. Übernachtet haben sie unterwegs in Zelten. In Garmisch angekommen, waren alle erst einmal froh, die Sättel unter den Gesäßen wieder los zu sein und für die nächsten Tage gehen zu dürfen. Spätestens nach dem diese erste Herausforderung gemeistert wurde, war für alle klar: „Wir schaffen das, jetzt kann uns nichts mehr aufhalten“. So motiviert und durch Euphorie gestärkt ging es dann am dritten Tag los in das wunderschöne Wettersteingebirge. In diesem Teil am Berg wurde die Gruppe von drei Bergführern unterstützt.

Während der erste Tag am Berg mit nur 800 Hm bis zum Kreuzeckhaus eher dem Einlaufen gewidmet war, ging es am zweiten Tag mit der Überschreitung der Alpspitze und einem 900 Hm Aufstieg und dem 1.450 Hm weiten Abstieg über das Mathaisenkar zur Höllentalanger Hütte schon recht ordentlich zur Sache. Insbesondere da ihnen beim Abstieg die Windstille und Sonneneinstrahlung im Mathaisenkar doch sehr zu schaffen machten. Aber auch diese Hürde wurde von den Jugendlichen mit vereinten Kräften toll gemeistert. Ab hier waren auch die allerletzten Zweifel beseitigt, ob die Sache für alle zu schaffen sein wird.

Am folgenden Tag war dann nach dem Start der „Point of no return“ erreicht. Die Teilnehmer starteten in zwei Gruppen aufgeteilt nach Leistungsniveau der Jugendlichen, um die Zugspitze zu bezwingen. Für den Nachmittag waren Gewitter als wahrscheinlich angesagt und so musste die Gruppe, die etwas gemütlicher unterwegs war, schon um 6 Uhr aufbrechen, während der Rest noch bis 7:30 Uhr sein Frühstück genießen konnte. Ziel war es, beim Einstieg zum Gletscher wieder zusammenzutreffen, um den alpinistisch anspruchsvolleren zweiten Teil dann gemeinsam zu bewältigen.

Es waren alle schwer motiviert und somit stand der bevorstehenden Herausforderung nichts mehr im Wege. Wie geplant trafen die beiden Gruppen ein kurzes Stück unterhalb des Gletschers wieder aufeinander und konntem somit den Endspurt zum Gipfel gemeinsam angehen. Ganz so einfach wollte es ihnen der Berg aber dann auch nicht machen. Leider erwischte sie im Klettersteig der Rand einer Gewitterzelle mit starkem Regen und etwas Hagel. Dank der guten Ausrüstung konnten ihnen die widrigen Bedingungen mit dem folgenden Temperatursturz aber nichts anhaben und so kamen alle wohl behalten und mit großem Stolz ob der tollen Leistung am frühen Nachmittag am Gipfel an.

Trotz der unzähligen, mit der Bahn angereisten Besucher war die Euphorie der Jugendlichen regelrecht spürbar und die ließen sich auch von den heraufdrängenden Massen nicht das verdiente Gipfelglück nehmen und genossen es ausgiebig. Mit dem 1.600 Hm weiten Aufstieg durch das Höllental war der Tag aber noch nicht beendet. Die Abenteurer mussten ab hier noch einmal 900 Hm zur geplanten Übernachtung auf der Knorrhütte absteigen. Was aber euphorisiert und gut gestärkt nun kein größeres Problem für die Teilnehmer mehr darstellte. Am Abend auf der Knorrhütte gab es dann jede Menge Gesprächsbedarf bei den Jugendlichen und es wurde sehr schnell deutlich,  welche große Bedeutung diese Unternehmung für die Teilnehmer bekommen hat und wie viel pädagogisches Potential darin steckt.

Der dritte und letzte Tag am Berg war aus sportlicher Sicht nicht mehr weiter anspruchsvoll, aus der pädagogischen Perspektive jedoch sehr wertvoll. Die weite, aber einfache Strecke durch das Reintal bis nach Garmisch-Partenkirchen bot viele Gelegenheiten mit den Jugendlichen in aller Ruhe ins Gespräch zu kommen. Wem nicht nach Reden war, konnte gleichfalls die wunderschöne Landschaft auf sich wirken lassen und seine Gedanken ohne Ablenkung treiben lassen. Die Gruppe erreichte an diesem Tag schon am frühen Nachmittag ihre Unterkunft in Garmisch und hatte nach der Verabschiedung der Bergführer noch viel Zeit, um das sonnige Wetter ausgiebig zu genießen, die Seele baumeln zu lassen und die Erlebnisse der vergangen Tage wirken zu lassen.

Am kommenden Tag wurde es hingegen wieder spannend. Wenn auch nicht auf Grund der Strecke, aber in jedem Fall bezogen auf die Gruppendynamik. Zu jedem guten Projekt gehört ein guter und runder Abschluss. In diesem Fall war das die über 100 km lange Fahrt mit dem Rad von Garmisch zurück nach Irschenberg mit denselben Stationen wie auf dem Hinweg.

Es war klar, dass es nicht einfach werden wird, nach diesen aufregenden Tagen in einer beeindruckenden Bergwelt die Motivation für eine doch eher unaufgeregte Fahrt mit dem Rad nach Hause hoch zu halten. Letztendlich haben aber alle Teilnehmer auch diesen zähen Abschnitt konsequent gemeinsam gemeistert und so fuhren sie am Samstag, den 5. August, nachmittags erschöpft, aber zufrieden ins Kinderdorf ein. Hier wurden sie sehr herzlich von den Kindern und Pädagogen aus den Gruppen empfangen.

Die Pädagogen sind überzeugt davon, dass diese Unternehmung bei den teilnehmenden Jugendlichen noch lange nachwirken wird und sie auf eine besondere Art und Weise für die Zukunft prägt. Von der Intensität einer solchen Unternehmung bleibt keiner unberührt, weder die Jugendlichen noch die Pädagogen. Diese Herausforderung gemeinsam bewältigt zu haben, schweißt zusammen und stärkt jeden einzelnen für die noch kommenden Herausforderungen des Lebens und hilft dabei, sich auch diesen gewachsen zu fühlen. Ein Abenteuer wie dieses schafft Vertrauen – Vertrauen zu sich selbst, aber auch zu dem sozialen System, in dem ich mich bewege, sowohl von den Jugendlichen zu den Bezugspersonen, die sie begleitet haben, als auch der Pädagogen in die Fähigkeiten der Jugendlichen, Herausforderungen zu bewältigen.

Die Organisatoren wollen sich an dieser Stelle auch ganz besonders bei den vielen großen und kleinen Unterstützern des Projektes bedanken, ohne deren finanzielle und materielle Hilfe es nicht möglich gewesen wäre, dieses großartige Abenteuer den Jugendlichen zu ermöglichen.

Hierfür ein HERZLICHES VERGELTS GOTT!

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