Vergeht zu viel Zeit bis zur Rettung?

Zweckverband: Drei Bereiche im Landkreis kritisch - Einrichtung eines Schlaganfall-Netzwerkes

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Die Zwölf-Minuten-Frist unter Beobachtung: Trotz Nachbesserungen sei die rettungsdienstliche Versorgung in Teilen des Landkreises Rosenheim nicht optimal! Das ist das Fazit der am heutigen Mittwochvormittag stattfindenden Versammlung des Zweckverbands für Rettungsdienst- und Feuerwehr-Alarmierung in Rosenheim. Vor allem in den Bereichen Bad Aibling, Bad Endorf und Flintsbach bestehe weiter Handlungsbedarf, hieß es. 

In der Sitzung unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden, Landrat Wolfgang Berthaler, wurde zudem der Haushalt 2018 mit einem Gesamtumfang von gut 1,2 Millionen Euro einstimmig verabschiedet.

Nach der Struktur- und Bedarfsanalyse „Trust III“ wurden die Bereitschaftsstunden in der Notfallrettung deutlich erweitert und zudem die Rettungswache in Achenmühle neu geschaffen.

Die jüngsten Auswertungen zeigen allerdings, dass es in den Versorgungsbereichen Bad Aibling, Bad Endorf und Flintsbach nicht gelingt, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Die besagen nämlich, dass in mindestens 80 Prozent aller Notfälle die eingesetzten Retter spätestens nach zwölf Minuten am Ereignisort eingetroffen sein sollten/müssen.

Stefan Forstmeier, der Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, vermutet hier als Ursache die steigenden Einsatzzahlen.

Im Zeitraum der Erstellung des Gutachtens „Trust III“ in den Jahren 2014 und 2015 wurden 33.800 Notfall-Ereignisse registriert. Die bisher vorliegenden Zahlen für das Jahr 2017 deuten darauf hin, dass es erstmals mehr als 36.000 Notfälle geben könnte. Forstmeier kündigte an, die Entwicklung noch zwei Quartale beobachten zu wollen. „Wenn sich der Trend bestätigt, werden wir tätig werden müssen.“

Forstmeier gab zudem bekannt, dass im Zweckverband – er umfasst die Landkreise Rosenheim und Miesbach sowie die kreisfreie Stadt Rosenheim – bei rund einem Viertel aller Krankentransporte Rettungswagen zum Einsatz kommen. Im bayernweiten Vergleich sei dies eine positive Entwicklung, denn im Freistaat werden etwa 35 Prozent der Krankentransporte mit Rettungswagen durchgeführt.

Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst Dr. Michael Städtler kündigte zum 1. Januar 2018 die Einrichtung eines Schlaganfall-Netzwerkes an. Daran beteiligt werden die RoMed-Klinik Wasserburg, das Klinikum Rosenheim, die Neurologische Klinik Bad Aibling und die Klinik Agatharied. Wesentliches Ziel des Netzwerkes sei, die Kommunikation zwischen den Rettungskräften vor Ort und der jeweiligen Klinik so zu verbessern, dass sämtliche Maßnahmen in der Klinik vorbereitet seien,, bevor der Patient eintreffe..

Im ersten Halbjahr 2018 will Dr. Städtler zudem den Notfallsanitäter öffentlich bekannt machen. Dieses Berufsbild ist neu, denn erstmals dürfen entsprechend ausgebildete Sanitäter ohne Anwesenheit eines Notarztes heilkundliche Maßnahmen durchführen. Neu ist auch eine mechanische Reanimationshilfe mit der inzwischen jedes Rettungsfahrzeug ausgestattet ist. Diese Reanimationshilfe sei bereits erfolgreich eingesetzt worden, sagte Dr. Städtler.

Abschließend wies Geschäftsführer Forstmeier noch auf ein mögliches Problem in der Zukunft hin. Das Bayerische Innenministerium hatte in einer Sitzung in München überraschend kundgetan, dass es die staatliche Beteiligung an der Finanzierung der Integrierten Leitstellen zurückfahren möchte. Stattdessen soll diese Aufgabe den beteiligten Kommunen sowie den Zweckverbänden für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung übertragen werden. Etliche Spitzenverbände sind damit nicht einverstanden und übten bereits Kritik.

 

 

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