Voll im Tritt

Unternehmertreffen: Mitglieder des Gewerbeverbands Kolbermoor zu Besuch bei Corratec in Raubling

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Kolbermoor/Raubling – In diesem Unternehmen geht es in jeder Beziehung nach oben. Sei es beim Umsatz, bei der Angebotspalette oder was die Fähigkeit der produzierten Bikes anbetrifft, nahezu jede Steigung zu meistern – die Raublinger Fahrradschmiede Corratec hat sich über die Jahre einen exzellenten Ruf in der Branche erarbeitet und zählt mittlerweile zu den führenden Fahrradherstellern in ganz Europa. Davon konnten sich die Mitglieder des Gewerbeverbandes Kolbermoor (GVK) beim Unternehmertreffen im Firmengebäude in Raubling selbst überzeugen.

Die Firmenchefs Cielo und Konrad Irlbacher gaben der Kolbermoorer Delegation vor Ort einen Einblick in die Produktionsweise und die Firmengeschichte von Corratec. Und wie so oft: Ganz am Anfang seiner Karriere hatte Konrad Irlbacher alles andere vor, als Fahrräder selbst herzustellen. Er, der 1978 im Rosenheimer Sportartikelgeschäfte seines Vaters eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begann, wollte nach dem Ende seiner Lehre eigentlich nur ein Radlgeschäft starten, in dem er Fahrräder, Rahmen und Ersatzteile verkaufen konnte.

Doch alleine schon das war mit großen Hürden verbunden. „Ich hatte damals zum Start schon alle Teile beim damals größten Fahrrad-Großhändler bestellt“, erzählte Irlbacher den Gästen. „Und als ich kurz vor der Eröffnung noch immer keine Ware erhalten hatte, erkundigte ich mich was denn los sei. Da bekam ich zur Antwort, dass sie entschieden hätten, mich doch nicht zu beliefern, da ich für sie kein Fachhandel sei.“ Also machte sich Irlbacher auf nach Italien, um dort hochwertige Rahmen einzukaufen und diese in Deutschland zu vertreiben. Das war dann so erfolgreich, dass der Fahrradhandel permanent wuchs und Konrad Irlbacher sich 1988 dazu entschloss, selbst unter die Radlbauer zu gehen.

Die ersten eigenen Produkte erschienen noch unter dem einstigen Firmennamen „Corrado“ – italienisch für Konrad. Irlbacher: „Als ich den dann schützen lassen wollte, erfuhr ich von meinem Notar, dass VW sich die Namensrechte drei Monate zuvor für ein neues Modell sichern ließ.“ Also reifte dann irgendwann der Name „Corratec“, unter dem dann 1990 die ersten Bikes verkauft wurden.

Im hart umkämpften Fahrradmarkt merkte der findige Unternehmer schnell, dass er sich nur gegen die Mitbewerber behaupten konnte, wenn er anders war. „Wir als relativ kleiner Betrieb hätten die großen Hersteller preislich nie unterbieten können.“ Also mussten Ideen her. Eine der herausragendsten ist bis heute  der einzigartige „Bow“, der geschwungene Rahmen in Bogenform. Unverkennbar und mit besten Steifigkeitswerten. Hier konnte Konrad Irlbacher, der selbst begeisterter Radler ist, seine Leidenschaft und sein Know How in Sachen Fahrrädern kreativ umsetzen, eine Gabe, die sich bis heute wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte zieht: Corratec hat immer die eine Idee mehr, die anspruchsvollen Biker im Gelände und der Straße echte Erleichterung und Vorteile bringt.

In der Produktionshalle im ersten Stock gab Konrad Irlbacher den Gästen aus Kolbermoor dann einen kleinen Überblick über die Vielfalt des Sortiments. Vom ultraleichten Rennrad über Mountainbikes mit innovativem Federungssystem sowie natürlich über eine breite Palette an E-Bikes für jeden Bedarf reicht die Produktionspalette. Gut für den Betrieb: Gerade im boomenden E-Bike-Bereich hat Corratec in vielen Belangen die Nase vorn. Auch hier sind es gerade die Entwicklungen abseits der gängigen Massenware, die das Besondere von Corratec ausmachen. Nicht ohne Stolz erzählte der Firmenchef, dass sie die bei vielen Mitbewerbern so unsicheren und wackeligen E-Bike-Rahmen durch eine eigene Entwicklung zu einer bombensicheren Sache machen konnten. Auch Bikes für besonders schwergewichtige Menschen sind im Sortiment.

Eine der verrücktesten Corratec-Neuentwicklungen mit hoher Vorbestellungsquote ist das trendige „Life S“-E-Bike. Dabei war es ursprünglich für ganz andere Zwecke geplant. Irlbacher: „Wir wollten ein E-Bike entwickeln, bei dem vor allem ältere und unsichere Menschen im Stadtverkehr beim Anhalten die Füße schnell auf den Boden kommen und nicht deswegen absteigen müssen.“ Heraus kam dann ein Modell, das an frühere Bonanza-Räder erinnert und Chopper-Flair verbreitet. Also wurde die angestrebte Zielgruppe schnell geändert – Werbung und Marketing haben mit dem „Life S“ jetzt vor allem junge unangepasste Menschen im Visier, die mit einem coolen, trendigen Gefährt problemlos und entspannt von A nach B kommen wollen.

Wie fast alle anderen Hersteller lässt Corratec die meisten Einzelteile im Ausland produzieren. Im Raublinger Firmengebäude werden die Komponenten dann zusammengebaut. Wichtig ist dennoch: Am Ende wird das Rad von einem einzigen Mitarbeiter zusammenmontiert. Irlbacher: „Woanders machen die Arbeiter meist nur ein oder zwei Handgriffe am Fließband, bei uns soll das Rad ganz bewusst von einer Person zusammengebaut werden.“ Im Schnitt fertigt ein Monteur rund 30 Räder am Tag, Corratec liefert 80.000 Bikes pro Jahr in die ganze Welt.

Damit die Anforderungen und die Bike-Trends der einzelnen Länder genau getroffen werden können, arbeitet im zweiten Stock des Hauses die Kreativabteilung stets an neuen Entwicklungen. Ganz wichtig dabei in diesem Team: Mauro Sannino, ein in der Branche hochgeachteter Rahmenbauer aus Turin. Mit ihm arbeitet der Corratec-Boss schon seit Anfang an zusammen, mittlerweile lebt und arbeitet Sannino hier in Raubling. Der Italiener mit den goldenen Händen für den optimalen Rahmen ist auch Ansprechpartner für Biker, die sich bei Corratec ihr eigenes Bike maßgeschneidert anfertigen lassen wollen. „Bei uns ist in dieser Beziehung so gut wie alles möglich“, sagt Irlbacher mit einem Lächeln.

Am Ende des Firmenrundgangs war das Unternehmertreffen allerdings noch nicht vorbei. Bei einer kleinen Brotzeit nutzten die Gewerbeverbands-Mitglieder die Gelegenheit, den erfolgreichen Firmengründer noch mit allerhand Fragen zu löchern. Nach anregenden Gesprächen, viel neu dazugewonnenem Fach- und Unternehmenswissen überreichte GVK-Vorstand Manuela Mack der Gastgeberfamilie kleine Präsente und dankte im Namen aller Anwesenden für den bereichernden Abend.

Sichtlich von diesem Firmenbesuch beeindruckt war auch Christian Klotz, Geschäftsführer vom Bund der Selbstständigen (BDS) im Bezirk Oberbayern-Ost. Der eingefleischte Mountainbiker, der bisher auf eine andere Bike-Marke schwört, will wiederkommen – für eine Probefahrt auf einem Corratec-Fahrrad.

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