Reizthema Ludwigsbad-Areal

Zahme Bürgerversammlung in Bad Aibling - nur ein geplanter „Wolkenkratzer" polarisiert

image_pdfimage_print

Bad Aibling – „Früher war mehr Zündstoff“ – hätte Loriot wahrscheinlich gesagt. In der Tat erlebte die Stadt Bad Aibling am Dienstagabend eine eher ruhige Bürgerversammlung, in der die Reibungspunkte spärlich waren. Am heftigsten in der Diskussion: Die geplante Bebauung des Ludwigsbad-Areals vor den Toren der Innenstadt und des Kurparks. Ansonsten gab’s den Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters, die Vergabe des Fassadenpreises und die Ehrung der besten Stadtradler.

Bad Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller griff in seinem Rechenschaftsbericht das heißeste Eisen der Stadt gleich zu Beginn auf: Die geplante Sanierung der St. Georg Grund- und Mittelschule. Da fliegen der Verwaltung die Kosten derzeit um die Ohren. Waren es ursprünglich mal 8,5 Millionen Euro, die für die Maßnahme veranschlagt waren, geht man mittlerweile von einer Summe zwischen 25 und 30 Millionen aus – das Drei- oder gar Vierfache!  „Deshalb wird der Stadtrat Alternativen prüfen“, kündigte Schwaller an. Denn bei diesem Geld wäre es zu überlegen, ob ein Neubau nicht doch besser wäre. Entweder am bisherigen Standort oder gleich an anderer Stelle. Bedarf ist auf jeden Fall da, die Klassenanzahl wird eher wachsen.

Auch das nächste Sorgenkind stand auf der Tagesordnung: Die neue Fußgänger-Bahnunterführung, die am 10. November endlich eingeweiht wird. Schwaller gestand: „Es gab eine Zeit, da wollte ich gar nicht mehr, dass diese Einweihung kommt. So viel Ärger gab’s damit.“ Das Problem daran: Die Bahn bestimmt, die Stadt muss zahlen. Dass die ausführende Firma dabei nicht die glücklichste Figur macht, muss die Verwaltung schlucken. Auch die Kosten sind stattlich: Nach Abzug aller Fördergelder bleiben für Bad Aibling noch 1,89 Millionen Euro. Da jedoch die Unterführung an einer anderen Stelle gebaut wurde, damit der Maximiliansplatz entstehen konnte, wird es noch um einiges teurer werden.

Weiterer Punkt im Bericht des Bürgermeisters: Der neue Parkplatz an der Lindenstraße. Schwaller: „Hier haben wir die Pläne für ein Parkdeck erst einmal nach hinten gestellt, Das kommt dann vielleicht im Jahr 2015 oder 2030.“ Auch die Sanierung der Sporthalle 306 und der Fliegerhalle auf dem Sportgelände waren Leistungen der Stadt im vergangenen Haushaltsjahr. Hier mussten nach Abzug aller Fördergelder 650.000 Euro für die Sporthalle und 700.000 Euro für die Fliegerhalle, für die es kein Geld vom Freistaat gab, locker gemacht werden.

Ein anderes Thema, das die Bürger in diesem Jahr beschäftigte, war der Wegfall der Geburtsstation in der RoMed-Klinik. „Wir haben hier viel versucht“, sagte der Bürgermeister. Doch am Ende musste man erkennen: Es ist momentan nicht möglich, Gynäkologen zu finden, die auch Geburtshilfe leisten. Bei lediglich 238 Euro pro Geburt und über 40.000 Euro zusätzlichen Versicherungskosten im Jahr für den jeweiligen Arzt sei das nur verständlich, merkte Schwaller an. Dennoch sei der Verbleib der RoMed-Klinik in Bad Aibling gesichert: „Für den Ausbau bis 2028 sind 45 Millionen Euro veranschlagt.“

Dies wiederum hängt auch mit daran, dass Bad Aibling ein Ärztehaus plant. Felix Schwaller: „Die AIB-Kur wird ein Ärztehaus anmieten, in dem dann junge und neue Ärzte unterkommen. Dies war eine klare Aussage der RoMed-Klinik zur Zukunft: Ohne ein bestehendes Ärztehaus hat eine Klinik in einer Stadt auf Dauer keine Chance.“

Eine nahezu 100prozentige Chance hatte dagegen Andreas Stechl (Foto o., 2.v.r.). Der junge Aiblinger war nämlich der einzige Kandidat für den Fassadenpreis der Stadt in diesem Jahr. Stadtbaumeister Andreas Krämer vergab den Preis für die Neugestaltung eines Anwesens, das einst ein klassischer 50er-Jahre-Bau war. „Ohne Tradition, ohne Geschichte“, wie er anmerkte. Und doch gelang hier eine Fassade, die in jeder Beziehung ansprechend ist.

Umweltreferentin und Stadträtin Katharina Dietel von den Grünen konnte dann die besten Teams und Einzelradler des diesjährigen Stadtradelns auszeichnen. „Bad Aibling hat in diesem Jahr die Welt eineinhalbmal umrundet. Im nächsten Jahr wollen wir das zweimal schaffen“, sagte sie und kürte die Gewinner: Jan Westermann vom Team „Voll-IT-ioten r3l04d3d“ in der Einzelwertung und die St.-Georg-Schule, die mit insgesamt 12.784 gefahrenen Gesamtkilometern den ersten Platz belegte. Das Schul-Team erhielt ebenso wie die zweitplatzierten Team-Radler der Rheumaklinik einen Scheck von 250 Euro. Gespendet von der Volksbank-Raiffeisenbank und der Sparkasse.

Der für die Bürger wohl spannendste Teil war dann die Präsentation von Architekt Stefan Behnisch, der sein Konzept zur Bebauung des Ludwigsbad-Areals vorstellte. Das, was er unter Einbeziehung aller baurechtlichen und städteplanerischen Vorgaben präsentierte, rief erwartungsgemäß unterschiedliche Reaktionen hervor. Knackpunkt dabei: die 34 Meter Höhe des geplanten elfstöckigen Wohnhauses und die Architektur der Gebäude, die einigen Aiblingern dann doch zu modern ist.

„Das passt nicht in unsere Voralpenlandschaft, die Häuser könnten überall in Deutschland stehen“, war ein Bürgereinwand. Ebenso wie Bedenken wegen des Brandschutzes und der Sicherheit für die Nachbargebäude, die durch die Baugrube dann absacken könnten. Auch der Vorwurf, dass der „Wolkenkratzer“ höher als der höchste Aiblinger Kirchturm sei, stand im Raum.

Doch es gab auch Zustimmung für das Konzept, das – wie Behnisch betonte – noch kein Plan ist. Theaterregisseur Richard Lindl, der zuerst klar stellte, dass der Aiblinger Stadtkirchen-Turm 42 Meter hoch und damit höher als das geplante Wohnhaus ist: „Wenn ich mir die Entwürfe so anschaue, dann sind die doch gut und bringen Pep in das Stadtbild. Wollen wir zurück ins 19. Jahrhundert oder vorwärts ins 21. Jahrhundert? Hätten wir immer nur so gebaut wie früher, würden wir heute noch in Höhlen leben. Es muss doch Platz für Neues geben!“

Viel mehr Anmerkungen zu den Planungen gab es nicht, ebensowenig wie Debatten über andere Stadtthemen. Was Felix Schwaller sichtlich erleichtert zum Abschluss so kommentierte: „Es ist ja erfreulich und überraschend, dass es dazu keine weiteren Fragen und Meldungen gibt – was ja sehr positiv ist.“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.