„Stühle statt Stillstand“

Ausstellung: RefuChairs-Projekt in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus Bad Aibling

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Bad Aibling – In einem fantastischen, farbenfrohen Projekt des Kreis Migration zeigt sich, wozu Kunst in der Lage sein kann. Vom 10. bis zum 19. November stellt sich das das Projekt „RefuChairs“ unter der Leitung von Beate Hitzler in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus vor. Zu sehen sein wird, neben den entstandenen Stühlen, auch eine Dokumentation über das gelunge Projekt.

„Wir setzen auf Stühle statt auf Stillstand“ heißt der Slogan des Projekts RefuChairs vom Kreis Migration Bad Aibling e.V.!

Flüchtlinge in Bad Aibling reparieren und bemalen dabei alte Stühle, werden aktiv und kreativ und schaffen sehens- bis sitzenswerte Werke. Die Stühle, dazu eine Dokumentation des Projekts und berührende Fotografien, sind ab 10. November im Feuerwehrhaus ausgestellt.

„Ich werde verrückt, wenn ich den ganzen Tag im Container bleibe. Wirklich, ich dreh’ durch. Ich möchte gerne arbeiten.“ (Zola K., Container Bad Aibling)

Zola K. ist aus dem Kongo geflohen, lebt seit fast drei Jahren in Bad Aibling und spricht diesen Hilferuf stellvertretend für hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland aus. Nur sehr wenige unter ihnen konnten auf ihrer Flucht einen Pass mitbringen, wurden anerkannt und dürfen vorerst bleiben. Den meisten geht es wie Zola. Verbringen Tage-, Wochen, Jahre mit warten. Ohne Arbeit, ohne die Erlaubnis, etwas tun zu dürfen. Sie warten auf die erste Anhörung, die zweite, dann auf einen Brief des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), der über Anerkennung oder – in den allermeisten Fällen – über Ablehnung entscheidet. Innerhalb von einer Woche muss das Land verlassen werden – heißt es darin. Ein Einspruch folgt, dann … wieder warten, bis zur Verhandlung. Danach wird auf das Ergebnis gewartet. Dann auf die Abschiebung…. Und dann?

Während der 38jährige Armand Diagne aus dem Senegal ein Rezept gegen die lähmende Untätigkeit für sich gefunden hat, das Malen, sieht es für viele im Container nicht ganz so gut aus. Armand malt das was er vor seinem inneren Auge sieht: Szenen, Bilder aus seiner Heimat, Menschen, Natur, Tiere. Und seit Sommer auch Stühle. Diese gehören zu einem recht speziellen Projekt des Kreis Migration Bad Aibling e.V., das sich gegen das zermürbende Warten richtet. RefuChairs heißt es, läuft seit Juli 2017 und gibt all denjenigen Flüchtlingen aus dem Senegal, dem Kongo, aus Mali, Sirrea Leone, Eritrea, Nigeria, aus Syrien bis Afghanistan einen kleinen Anlass zum Aktivwerden, die von Gesetzes wegen nicht arbeiten dürfen. 240 alte Stühle aus der ehemaligen Fachklinik Alpenland werden dabei renoviert, einige kunstvoll bemalt. Die Geflüchteten unterschiedlicher Herkunftsländer, beruflicher Vorbildung und Altersgruppen, können sich durch das Restaurieren (und Gestalten) von Stühlen handwerklich und kreativ betätigen, geben alten Möbelstücken ein „zweites Leben“. Ressourcen werden dank Upcycling gespart, mit positivem ökologischem Nebeneffekt. Der Wertschöpfungsprozess gibt neues Selbstbewusstsein, die handwerklichen Tätigkeiten tragen zudem einen Teil zur Bewältigung traumatischer Erlebnisse bei, lassen die Alltagssorgen für kurze Zeit vergessen. Und noch etwas: Die Arbeit in der Gesellschaft schafft die Möglichkeit einer erleichterten Integration und hilft, neuen Lebensmut zu schöpfen.

Ab 10. November werden für zwei Wochen über den Kunstverein Bad Aibling sowohl die Werke von Flüchtlingen, Mitgliedern des Kreis Migration als auch Bad Aiblinger Bürger ausgestellt, die beim Projekt beteiligt sind. Zu sehen sind neben vielen Stühlen – die nach der Ausstellung auch verschenkt werden können – eindrucksvolle Fotografien und eine Dokumentation dieser Aktion. Sie lockte bereits Medien und auch das Fernsehen nach Aibling, lokale bis deutschlandweit agierende Politiker zu „Stuhlkreisen“ heraus.

Gleichzeitig sind neue eindrucksvolle, farbenfrohe Bilder des Künstlers Armand zu bewundern, der noch nie einen Mal-, Zeichen- oder Kunstkurs belegt hat und bereits mehrere Ausstellungen hatte.

Vernissage: Freitag, 10. November, Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus um 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 10. bis 19. November
Veranstalter: Kunstverein Bad Aibling e.V. und Kreis Migration Bad Aibling e.V.

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