Schwere Zeiten, viele Erfolge

Rosenheimer Ortsvorstand der Gewerkschaft ver.di ehrt seine Jubilare

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Rosenheim – Der Ortsvorstand Rosenheim lud dieses Jahr wieder seine langjährigen Mitglieder zur Jubilarehrung ein. „In diesem Jahr dürfen wir Kolleginnen, und Kollegen für 25, 40, 50, 60 und sogar für 70-jährige Mitgliedschaft zur Gewerkschaft danken“, führte die Ortsvorsitzende Christine Gottelt in den Abend ein.  Die Laudatio für die verdienten Jubilare sprach der ehem. Landesfachbereichsleiter des Fachbereichs Gesundheitswesen, Dominik Schirmer, der eingangs den Jubilaren Dank und Anerkennung für eine so lange, treue Mitgliedschaft aussprach.

In seiner Rede streifte er die Wirkungszeit der Jubilare, die nicht selten sehr aktiv an ihrer Arbeitsstätte für die Gewerkschaft warben.

Die Zeit nach dem Krieg stand unter dem Motto Aufbruch und das galt auch für die Gewerkschaften. Es galt die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten tarifvertraglich neu zu regeln. Vieles davon regelt heute noch das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und nicht weniges wird mittlerweile als selbstverständlich angesehen. Dies gilt z.B. für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die nach dem großen Streik der IG-Metall Anfang des Jahres 1957 dann auch in anderen Tarifverträgen Einzug gehalten hatte. Oder die Arbeitszeit, die Anfang des 20. Jahrhundert noch nicht einmal gesetzlich geregelt war und ebenfalls 1957 in verschiedenen Tarifverträge von ver.di auf 45 Stunden je Woche begrenzt wurde und im Tarifbereich Metall/ Holz dann 1967 auf 40 Stunden.

Das aktuelle Thema Rente war immer ein Thema der Gewerkschaften und ist es bis zum heutigen Tage geblieben. So beschloss am 21. Januar 1957 der deutsche Bundestag die Dynamisierung der Renten, die damit an die durchschnittlichen Lohnabschlüsse in Deutschland gekoppelt ist. Das Bundesarbeitsgericht urteilt auch in diesem Jahr die Lohngleichheit zwischen Männer und Frauen.  Das Jahr 1967 stand gesellschaftspolitisch ganz in der Protestbewegung der 68er Bewegung, wie sie später dann genannt wurde.

Im Umfeld einer Demonstration in Berlin wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen, nicht aus Notwehr wie später bekannt wurde. Und ebenfalls in diesem  Jahr wurde Anklage erhoben gegen den Hersteller des Beruhigungsmittels  „Contergan“ , von dem  man heute weiss, dass  die Auswirkungen auf die Kinder billigend in Kauf genommen wurden.

Das Jahr 1977 wird von dem Begriff des „deutschen Herbst“ geprägt und steht im Zeichen des Terrors der RAF, die mit Morden und Entführungen, den deutschen Alltag beherrschte. Gesellschaftlich ist die 1. Ausgabe der Zeitschrift EMMA, eine Zeitschrift nur für Frauen, der Tod von Elvis Presley und Charlie Chaplin zu vermelden.

Nach 3 Jahren deutsche Einheit tritt 1992 das Stasi-Unterlagengesetz in Kraft und regelt den Anspruch persönliche Unterlagen der Staatssicherheit der ehem. DDR einsehen zu dürfen. Gewerkschaftlich ist in diesem Jahr der zwölftägige Streik des öffentlichen Dienstes zu erwähnen, weil es seit langer Zeit der erste Erzwingungsstreik im öffentlichen Dienst war. Und im Oktober stirbt ein großer und allseits geschätzter Politiker: Willy Brandt.

Schirmer schloss seine Ausführungen mit der Frage nach der heutigen Stellung der Gewerkschaften und ihre Aufgabenstellung. Eine große Herausforderung werden die Veränderungen in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung für die Gewerkschaften sein. Hier spielt das Thema Bildung und Qualifizierung eine große Rolle, denn auf der einen Seite wird der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften noch weiter steigen, auf der anderen Seite aber geringqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen. Schirmer: „Weiter beherrschen werden uns auch die sozialpolitischen Themen. Wie ist eine auskömmliche Rente für die zukünftigen Jahrgänge gewährleistet? Wie regeln wir die Fragen dringend benötigten Wohnraums. Welche Anforderungen stellt uns eine immer globaler werdende Arbeitsgesellschaft. Tarifvertraglich muss es uns Gewerkschaften gelingen, einen Beitrag zur Stärkung der Familien zu leisten. Befristete Arbeitsverträge in dieser Dimension darf es ebenso nicht mehr geben, wie die zu starren Regelungen bei Teilzeit. Das Rückkehrrecht aus der Teilzeit in die Vollzeit muss ein Rechtsanspruch werden.“

Dafür, so Schirmer brauche es weiterhin Gewerkschaften die sich für ihre Mitglieder einsetzen und dafür brauche es auch weiterhin viele ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen in Betriebs- und Personalräten und in gewerkschaftlichen Gremien und Funktionen. Dafür brauche es aber auch viele Menschen, die sich gewerkschaftlich organisieren und diese Herausforderungen der Zukunft anpacken.

Foto: sitzend: Wilhelm Posch, stehend: Anton Hafeneder, Josef Schneider, Theodor Eberharter, August Schubert, Johann Breit, Josef Paukert, Franz Hasl, Johann Bichler, Eugen Schlachter, Dominik Schirmer, Alfred Schreckenberger, Christine Gottelt, Nikolaus Quintus, Hans Laabs, Rudolf Huber, Robert Metzger (v.l.)

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