Viel Verkehr, sonst (fast) nichts …

Bürgerversammlung Feldkirchen-Westerham hat vor allem Verkehrsproblematik zum Inhalt

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Feldkirchen-Westerham/Vagen – Es sind friedliche Zeiten in der Gemeinde. Die Themen „Flüchtlinge im Müllerland“ oder „Funkmasten“ sind weitgehend durch. Auch die Finanzen befinden sich nicht in einer besorgniserregenden Schieflage. Und so konnte Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Hans Schaberl (Foto) die erste Bürgerversammlung seiner Amtszeit ganz entspannt angehen. Viele der 95 Zuschauer in der neu renovierten Vagener Faganahalle waren wohl vor allem darauf gespannt, wie sich das neue Gemeindeoberhaupt hier präsentiert.

Eins vorweg: Genauso, wie die Einwohner Hans Schaberl in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit kennen gelernt haben – souverän, authentisch und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Unter seiner Führung scheint die Gemeinde tatsächlich wieder ein Stück zusammengerückt zu sein. Es geht nicht mehr nur um die Belange der einzelnen Ortsteile, Schaberl ist auf dem Weg dazu, Feldkirchen-Westerham zu einer harmonischen Einheit mitzuformen. Bezeichnend dafür gab es am Donnerstagabend nur eine Bürgerversammlung für alle Einwohner in diesem Jahr und nicht wie so oft in der Vergangenheit mehrere Versammlungen in den einzelnen Ortsteilen.

Auch dass dieses Treffen in der Vagener Faganahalle stattfand, soll keine Gewohnheit werden. Schaberl: „Wir wollen das jedes Jahr woanders machen.“ In seinem Bericht verwies er dann auf einige Leistungen, die in den vergangenen Monaten erbracht wurden oder gerade am Werden sind, wie etwa die Sanierung des Kiga West II, die Spielplätze in Kleinhöhenrain und in der Vagener Au oder den Bau der Mensa für die Schule. Eines der größten Projekte, die die Gemeinde im kommenden Jahr vor der Brust hat, wird der Neubau des Bauhofs sein. Ob da dann das sogenannte Nahversorgungszentrum in Westerham schon steht, sei noch ungewiss, erläuterte der Bürgermeister auf Nachfrage. Zwar wären jetzt die Belange des Kiebitzes berücksichtigt, doch noch immer würde hier seiner Meinung nach zu viel Fläche geplant. „Ich hoffe darauf, dass der Gemeinderat hier meiner Meinung ist“, sagte Schaberl, der die geplanten  Parkplätze am liebsten in Tiefgargenform hätte.

Zudem stellte der Rathauschef noch Pläne für neue Wohngebäude vor, die er bewusst nicht „sozialen Wohnungsbau“ nennen wollte. „Ich sage dazu lieber ,bezahlbares‘ Wohnen“, erklärte er.

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich dann schnell, welches Thema die anwesenden Besucher am meisten beschäftigt: der Straßenverkehr in all seinen Schattierungen. Seien es die Parkplätze am Pfarrer-Huber-Ring, die laut Anwohnern fast ausnahmslos von Mainzl-Mitarbeitern genutzt würden, seien es gewünschte 30er-Zonen in allen Wohngebieten oder die Zufahrtsstraßen-Planung zu einem kommenden Neubaugebiet in der Vagener Au: Offensichtlich scheint kein anderer Einwohner des Mangfalltals unter dem Verkehr so zu leiden wie der Feldkirchener.

Auch Schaberl gab unumwunden zu, dass er generell für Geschwindigkeitsbeschränkungen ist, wo immer möglich und fügte mit einem Lächeln hinzu: „Außer auf der Staatsstraße, doch da wären die Autofahrer froh, wenn sie manchmal 30 fahren könnten …“

Der immerwährenden und erneut vorgebrachten Forderung nach einer Umgehungsstraße konnte er allerdings wenig Hoffnung geben. „Dazu müssten wir erst einmal Fläche kaufen“, sagte Schaberl. „Das ist zur Zeit schwer bis unmöglich. Und nur wer Grund hat, kann darauf bauen.“ Außerdem dauere eine derartige Planung 25 bis 30 Jahre. „Das wird dann nimmer in meiner Amtszeit passieren.“

Wofür er allerdings selber wenig Verständnis hat, ist die Tatsache, dass es so schwer ist, eine Fußgängerampel in Vagen zu installieren. Die war kurzzeitig dort während der Sperrung der Staatsstraße aufgebaut und wurde von allen Verkehrsteilnehmern positiv bewertet. Der Antrag läge auch längst dem Landratsamt vor, das darüber zu entscheiden hat, weil dies eine Kreisstraße sei. Aber das dauert wohl noch einige Zeit. „Wir sind ja schon nicht die Schnellsten, doch die im Landratsamt sind noch langsamer“, sagte Schaberl unter dem Gelächter der Anwesenden, um gleich seine Verwaltung wieder in Schutz zu nehmen. „Ich meine natürlich, dass so viele Verwaltungsschritte dafür notwendig sind, was die Sache verlangsamt.“

Es war der Mix aus Schaberls Sachlichkeit, Lockerheit und Humor, die den Abend zu einer kurzweiligen Veranstaltung machte. Dabei antwortete er auf Fragen, zu denen er wirklich etwas sagen konnte und verwies in anderen Bereichen auf seine Bereichsleiter wie zum Beispiel Hermann Weber vom Bauamt oder Kämmerer Dieter Kannengießer (Foto), der Fragen zum Breitbandausbau beantworten konnte.

Am Ende entließ Hans Schaberl die Bürger trotz vieler Wünsche nach mehr Platz für den Straßenverkehr mit einer Vision: „Der Fortschritt, der sein muss, in allen Ehren. Aber ich möchte auch in einigen Jahren noch mit dem Radl von Kleinhöhenrain nach Vagen fahren können, ohne eine Straße benutzen zu müssen.“

 

 

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