Kolbermoor: Die alte Stadt

Bürgerversammlung zeigt, dass die demografische Entwicklung voran schreitet

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Kolbermoor – Bürgermeister Peter Kloo ist das Oberhaupt einer Boomtown: Regelmäßig gibt es seit vielen Jahren mehr Zuzüge als Wegzüge in Kolbermoor. Eigentlich ein Grund zur Freude. Aber es bleibt ein schaler Beigeschmack – hat die Bürgerversammlung am Montagabend doch gezeigt, dass der Stadt langsam aber sicher der Nachwuchs ausgeht. Die Bevölkerung in Kolbermoor wird immer älter.

Es waren vor allem zwei Grafiken, die aufhorchen ließen. Peter Kloo zeigte in seiner Präsentation im Mareissaal, dass den 1151 Wegzügen im Jahre 2016 1323 Zuzüge entgegen stehen. Und er zeigte auch die Entwicklung der Schülerzahlen: Besuchten im Jahr 2010 noch 1412 Kinder die Grund- und Hauptschulen der Stadt, sind es heuer nur noch 939 Schüler. Das ist ein Rückgang von 33,5 Prozent. „Und das ist nicht durch die Schulreformen bedingt“, gab Kloo den rund 250 Zuhörern mit auf den Weg.

Dass sich die Gesellschaft und ihre Bedürfnisse verändern, beweist auch die stark steigende Nachfrage nach den Ganztagesangeboten in Schulen und Kitas. Das wiederum geht ins Geld. Im Vergleich zu 2010 stiegen die Kosten pro Kind um 54 Prozent. Kloo: „Das ist derzeit wegen der guten Finanzlage noch leistbar, doch wenn die Konjunktur einmal schwächer wird, kann das zum Problem werden.“

Aber noch läuft der Laden. Kolbermoor kann auch 2017 und 2018 auf steigende Steuerkraft setzen, dazu kommt eine positive Gewerbesteuerentwicklung. Was den Bürgermeister hier freut: „Wir haben in Kolbermoor einen guten Mittelstand und sind nicht abhängig von einer Monostruktur.“ Auch die Schulden der Stadt sieht er als nicht dramatisch an. Denn erstens wurde die für 2017 eingerechnete Kreditaufnahme von 3,5 Millionen Euro nicht abgerufen, da einige Bauvorhaben hinter der Planung zurückgeblieben sind und zweitens blickt Kloo beruhigt auf die Art der Schulden, die die Stadt belasten. „Das meiste der 16,5 Millionen Schulden sind Investitionsschulden und keine Konsumschulden.“ 58 Prozent der aufgenommenen Darlehen stecken in Wohnungen für die ja schließlich auch Miete bezahlt würde. „Die finanzielle Lage der Stadt ist sehr gesujnd. Allerdings ist auch nicht alles finanzierbar, was wünschenswert ist.“

Dann richtete Peter Kloo den Blick nach vorne und erläuterte kommende Baumaßnahmen wie die Sanierung des Bahnhofs, den Neubau der Tonwerksunterführung, die Generalsanierung der Feuerwehrhäuser, die Sanierung der Werksiedlung oder den Neubau des Fußgängersteges über die Mangfall am Schwimmbad.

Weiteres heißes Thema: Der immer stärker werdende Verkehr in der Innenstadt und die damit verbundenen Staus. Abhilfe sollen hier zwei Kreisel an der Aral-Tankstelle und vor dem Rathaus schaffen, die 2020 fertig sein sollen. „Wir müssen aber darauf warten, bis die Westtangente, die B15, fertig ist, damit der Schwerlastverkehr darüber umgeleitet werden kann und nicht mehr durch die Stadt rollen muss“, sagte Kloo.

Damit das Verkehrsaufkommen dennoch nicht allzusehr aus den Fugen gerät, plädierte der Bürgermeister dafür, doch öfters auf den öffentlichen Nahverkehr oder aufs Rad uzmzusteigen. „Wobei es nicht sein kann, dass man in diesem Ballungsraum Manfalltal/Rosenheim/Inntal gefühlte 34 verschiedene Karten und Tarife für die unterschiedlichen Beförderungsunternehmen braucht“, sagte er. Aber man sei im Landkreis für eine einheitlichere Regelung schon offener als noch vor 15 Jahren.

Ein Signal für den Schritt in die richtige Richtung sei auch die erstmalige Teilnahme am Stadtradeln gewesen. Hier bekamen die Teams und Einzelfahrer mit den meisten geradelten Kilometern am Abend Preise und Urkunden als Anerkennung (Foto) . Kloo: „Es ist keine Siegerehrung – denn der Gewinner ist die Umwelt.“ Wie ernst es Kolbermoor mit dem Thema Radeln nimmt, zeigt auch, dass die Stadt jetzt in die vom bayerischen Innenministerium unterstützte Aktionsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Kommune“ aufgenommen wurde.

Die anschließende Frage- und Diskussionsrunde, bei der die Bürger das Wort hatten, fiel dann sehr zahm aus. Scharfe Kritik an vergangenen oder geplanten Bauvorhaben blieb hier im Mareissaal aus. Vielmehr beschäftigte die Anwesenden vor allem das Thema Verkehr, wobei die geplanten Kreisel von allen Fragestellern positiv aufgenommen wurden. Aus den Reihen des Gewerbeverbands kam dann die Forderung nach einem vierspurigen Ausbau der Staatsstraße, um den Verkehr noch effektiver und schneller an der Stadt vorbei zu lenken. Kloo dazu: „Wir brauchen  andere Antworten, als nur neue Straßen zu bauen.“ Dann verwies er wieder auf das Fahrrad: „Eine Studie für einen Fahrradschnellweg zwischen Bad Aibling, Kolbermoor und Rosenheim läuft.“ Wir vermuten mal: Angesichts des steigenden Alters in der Stadt wird das wohl eine E-Bike-Autobahn werden …

 

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