Brücken, Bettler und Bürger

Viel Diskussionsstoff auf der Bürgerversammlung Bruckmühl

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Bruckmühl – Harte Stühle für die Bürger, harte Diskussionen für den Bürgermeister. Bei der Bürgerversammlung in Bruckmühl musste sich Richard Richter (Foto) einigen Fragen und Einwänden stellen, die ihm viel Disziplin und Geduld abverlangten. Dennoch eine gute Nachricht an das erkältete Gemeindeoberhaupt an dieser Stelle: Da er sich am Ende der knapp vierstündigen Veranstaltung auf einen „schönen Artikel in der Zeitung“ freute, bietet ihm das die AIB-Stimme hier schon einen Tag früher 😉

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Bürgermeister auf den einmal im Jahr stattfindenden Bürgerversammlungen zum Ende der Saison noch einmal das Geleistete beleuchten. In Bruckmühl war das – weit vor allen anderen Projekten – die Eröffnung der zweiten Mangfallbrücke, die seit wenigen Wochen für den Verkehr freigegeben ist. Trotz viel Widerstand, der im Vorfeld gegen das Bauwerk aus der Bevölkerung kam, freute sich Richard Richter darüber, dass die Brücke mittlerweile von fast allen Bürgern positiv angenommen werde. Tatsächlich mussten selbst Kritiker an diesem Dienstagabend in der Realschul-Aula eingestehen, dass es für sie mittlerweile einfacher und schneller ist, den Weg nach Bad Aibling über die Brücke zu nehmen als zum Beispiel durch die oft durch parkende Autos schlecht passierbare Sudetenstraße zu fahren.

„Ich möchte hier auch meinem Vorgänger Franz Xaver Heinritzi danken, der in seiner ganzen Amtszeit beharrlich an dieses Bauwerk geglaubt und sich dafür eingesetzt hat“, sagte Richter. An Heinritzis Beitrag zum Gelingen erinnert eine Tafel an der Brücke selbst.

Auch die Einweihung der erweiterten und sanierten Realschule nannte der Bürgermeister ein Highlight. Für Richter eine Investition in die Zukunft, da der steigende Bedarf an Kindergarten und Kita-Plätzen ein Beleg dafür ist, dass in Bruckmühl die Jugend auf dem Vormarsch ist. Mit einem Augenzwinkern sagte er in Richtung der anwesenden Erzieherinnen: „Ihr Job ist für die nächsten Jahre sicher.“

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Marktgemeinde war und ist der Ausbau und Neubau von bezahlbaren Wohnungen in Bruckmühl. „Wir wollen da führend sein in der Region“, sagte Richter und nannte den sozialgeförderten Wohnungsbau an der Adlfurter Straße in Weihenlinden und das soziale Wohnbauland auf dem ehemaligen Tennisgelände als Beispiele dafür, dass hier aktiv neuer und erschwinglicher Wohnraum geschaffen werde.

Wie immer ein Thema in Bruckmühl: Die Bettlerbanden am Höglinger Weiher, die den Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern ein Dorn im Auge sind. Um das Campieren und Lagern am Weiher zu unterbinden habe die Gemeinde eine neue Ordnungssatzung auf den Weg gebracht. Die Umsetzung erweise sich allerdings schwierig, ständig muss das Gelände kontrolliert werden und Richter zollte den Gemeindemitarbeitern höchsten Respekt, die dort Gegenstände und Hinterlassenschaften wegräumen müssten, „die bei mir einen Würgreiz auslösen.“

Der Blick in die Zukunft zeigte den anwesenden rund 120 Zuhörern, dass weitere Baumaßnahmen das Jahr 2018 beherrschen werden. So wird im Zuge der Erschließung des neuen Gewerbegebiets Ost die Wernher-von-Braun-Straße im kommenden Jahr ausgebaut, hier kommt ob des dann erhöhten Verkehrsaufkommens beim Edeka ein Kreisel dazu – während der Bauarbeiten wird eine provisorische Umgehungsstraße den Verkehrsteilnehmern zur Verfügung stehen.

Weitere Projekte sind der Neubau der Triftbachbrücke und das Bürgerhaus im Gebäude der ehemaligen Bahnhofsgaststätte, das hierzu von Grund auf umgestaltet werden wird.

Alte Mangfallbrücke sorgt für Verkehrsbehinderungen

Ein echtes Ärgernis sowohl für die Gemeinde als auch für die Bürger ist die komplette Renovierung der Mangfallbrücke. Denn nachdem die Bauarbeiten für das kommende  Jahr vorgesehen waren, meldete sich kurzfristig die Telekom, die darauf hinwies, dass hier Kabel integriert sind, die man zuvor dann anders verlegen müsse, denn sonst wäre der Bruckmühler Teil südlich der Bahngleise ohne Telefon und Internet. Also wird voraussichtlich bis Januar gebohrt – die Kabel werden unter der Mangfall verlegt. Die Brücke ist deshalb, wie bereits berichtet, derzeit bis Januar zeitweise nur einseitig befahrbar. Teilweise ist auch deine Vollsperrung nötig. Für die Verwaltung umso ärgerlicher, weil sie ebenso wie der Landkreis von dieser Baumaßnahme erst in letzter Minute erfahren hat. Doch hier hat Bruckmühl auch keinen Einfluss, denn die betroffene Straße ist eine Kreisstraße, die dem Landkreis unterliegt.

Bei der anschließenden Runde mit Anfragen der Bürger musste Richard Richter dann auch immer wieder darauf verweisen, dass viele Straßen gar nicht unter Gemeindehoheit stehen, sondern als Kreisstraßen dem Landkreis gehören. Denn wie bei jeder Bürgerversammlung in der Region drehten sich die meisten Fragen, Wünsche und Anregungen um den Verkehr. Zu schnelle Fahrer, zu viele Falschparker, zu hohes Verkehrsaufkommen erhitzten die Gemüter. Vor allem, dass vom Gymnasium in Richtung Bäckerei Huber keine 30er-Zone eingerichtet ist, verärgert viele Bürger. Dem Bürgermeister und seinen Leuten sind hier jedoch – Thema Kreisstraße – die Hände gebunden.

Empfehlungen an den Marktgemeinderat beschlossen

Auf Antrag von Gemeindebürger Werner Fuchs wurden dann zwei Empfehlungen beschlossen, die innerhalb der nächsten drei Monate dem Marktgemeinderat vorgelegt werden müssen. Hier werden Halte- und Parkverbote sowie Tempo-30-Zonen zum Beispiel in der Sudetenstraße, Gottlob-Weiler-Straße, Sonnenwiechser Straße, Heufelder Straße oder Adalbert-Stifter-Straße gefordert. Zudem wird dem Gemeinderat empfohlen, sich um die geeigneten Maßnahmen zu kümmern, die dann eine Durchsetzung der verkehrsrechtlichen Anordnungen möglich machen.

Eine weitere Anfrage beschäftigte sich mit dem Ausbau von Radwegen an der Kompostieranlage Noderwiechs, was sich laut Bürgermeister Richter als schwierig und vor allem sehr teuer erweisen würde, da hier eine Grundwassermessstelle verlegt werden müsse. „Aber prinzipiell rennen Sie hier offene Türen ein“, sagte er zum Fragesteller. „Wir arbeiten da an einer Kompromisslösung, die östlich an der Anlage vorbei führen würde.“

Not amused war Richter über die Anfrage von Karl-Heinz-Hauser, der aufgrund von 44 im Ort gefundenen Mängeln während der Bürgerwerkstatt im Oktober nachfragte, wie denn das vom Bürgermeister angekündigte „Kopf hinhalten“ der Marktgemeinderäte nun konkret aussehen würde. Richter stellte sich hier vor seinen Gemeinderat und rückte die Dinge in das seiner Meinung nach rechte Licht: „Die Bürgerwerkstatt war der erstmalige Versuch, neue Ideen und Anregungen für das Bruckmühl der nächsten 40 Jahre zu finden“, sagte er. „Dass bei so einer Veranstaltung mehr Kritikpunkte als Lob kommen, ist normal und auch erwünscht. Dabei heben sich einige Punkte aber auch auf. Denn der eine will in einem Parkhaus parken, der andere draußen. Dann soll ein Hallenschwimmbad her, andere wollen dafür lieber einen Turm.“

Und das mit dem Kopf hinhalten habe er nur in dem Kontext gesagt, dass die Marktgemeinderäte das ganze Jahr über stets für die von ihnen getroffenen Entscheidungen einstehen würden. Ehrenamtlich und auch oft unter verbalen Angriffen aus der Bevölkerung.

„Bebauungspläne ändern und entwickeln sich“

Auch als ein Bürger sich über die Erschließung von Bauland in seiner Nachbarschaft echauffierte und die Gelegenheit zum Rundumschlag gegen einige Gemeinderatsmitglieder nutzte, nahm der Bürgermeister seine Leute in Schutz. „Ich werde hier nicht für die Gemeinderäte sprechen. Die können Sie anrufen oder per Mail kontaktieren“, sagte Richter. „Wenn Sie eine Frage an mich habe, dann können Sie mir die bitte gerne stellen.“ Gleichzeitig verwehrte er sich dagegen, dass seine Hobbys Bäume abholzen lassen und Grund bebauen wären. „Bebauungspläne ändern und entwickeln sich im Laufe der Jahre“, merkte er an und verwies auf zwei aufgehängte Poster, mit Luftaufnahmen von Bruckmühl sowohl im Jahre 1977 als auch in 2017 zeigten.

Am Ende der Bürgerversammlung zeigte er sich noch ein bisschen verwundert darüber, dass zu den anfangs des Jahres heiß diskutierten Nitratwerten im Wasser keine Fragen gestellt wurden. Wieso auch? Nachdem die Wörndl-Quelle vom Netz genommen wurde, liegen die Wert wieder im grünen Bereich, unter dem Richtwert – weit entfernt vom Grenzwert.

 

 

 

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