Der Kandidat

In Bad Feilnbach steht am kommenden Sonntag nur Anton Wallner als Bürgermeister zur Wahl

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Bad Feilnbach – In der Gemeinde Bad Feilnbach wird am Sonntag der neue Bürgermeister gewählt. Und ohne groß Prophet spielen zu wollen – Anton Wallner von der CSU wird wohl das Rennen machen. Wieso? Sind seine Gegenkandidaten so schwach? Nein, es ist wie schon vor sechs Jahren, als damals der noch amtierende Bürgermeister Hans Hofer wiedergewählt wurde: es gibt einfach keine. Wir haben den Rathaus-Chef in spe vor der Wahl besucht und mit ihm gesprochen.

Es gab schon spannendere Wahlkämpfe. Dennoch hat sich Anton Wallner im Vorfeld der Wahl in mehrere Veranstaltungen den Bürgern gestellt und mit ihnen über die Anliegen in der Gemeinde gesprochen. An sieben Abenden in den diversen Gasthöfen in den Bad Feilnbacher Ortsteilen hat er vor allem um eines geworben: Um eine hohe Wahlbeteiligung. Denn das ist seine wichtigste Botschaft – „die Gemeinde braucht einen starken Bürgermeister“, sagt Anton Wallner. „Wer für mich ist, sollte auch zur Wahl gehen und nicht sagen: ,der wird’s ja sowieso‘.“

Denn obwohl seiner Wahl zum Bürgermeister so gut wie nichts im Weg steht, will der 51-Jährige nicht mit einer Quote von 20 Prozent Wählern sein Amt antreten. Ohnehin sei es die erste Bürgerpflicht, wählen zu gehen, sagt er. „In anderen Ländern kämpfen die Menschen um dieses Recht.“

Dass es in Bad Feilnbach keinen echten Wahlkampf gibt, ist für den Kandidaten beruhigend. Nicht, weil er sich keiner Diskussion stellen will, sondern weil er früher hier schon erbitterte Kämpfe miterleben musste. „Da gingen zum Teil Risse durch ganze Familien“, erzählt er. „So etwas wollte ich mir ersparen.“

Warum Wallner sich dazu bereit erklärt hat, für das Amt zu kandidieren, beschreibt er mit dem Reiz, nach über 50 Lebensjahren noch einmal etwas total anderes zu machen. Wobei er zugibt: „Es war eine ganz schwere Entscheidung.“  Denn Anton Wallner ist als angesehener und überall respektierter Leiter der Sparkassen in Bad Feilnbach und Au eigentlich in seinem Traumjob angekommen. Er schwärmt: „Hier in der Gemeinde, in der ich schon so lange lebe, die beiden Geschäftsstellen zu leiten, ist etwas, das mir sehr viel Spaß macht.“ Dazu kommt: Wenn er seinen Job aufgibt, wird es kein Zurück auf diesen Posten geben. Und trotzdem war am Ende der Reiz des Neuen stärker. Die Herausforderung, neues Terrain zu betreten, will er nach reiflicher Überlegung annehmen. Das hat er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth entschieden. „Wir sind auf die Fraueninsel quasi in Klausur gegangen und haben da über alles gesprochen. Wenn sie Zweifel angemeldet hätte, dann hätte ich es nicht gemacht.“

Was den Sparkassen-Leiter beruhigt: Er ist parteiübergreifend ein gern gesehener Kandidat. Obwohl derzeit nicht aktiv in der Kommunalpolitik tätig, wurde das CSU-Mitglied, schnell von vielen Parteien als Wunschkandidat genannt, nachdem Noch-Bürgermeister Hans Hofer seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit erklärte. Auch der parteilose Hofer trug den Gedanken an ihn heran. Wallner lächelt und sagt: „Ich habe dann wohl bei der Frage nach einem neuen Kandidaten etwas mehr als andere den kleinen Finger gehoben.“

Eine Änderung des kommunalpolitischen Kurses schwebt ihm nicht vor. Denn seine Meinung ist: „Hans Hofer hat das gut gemacht und auch sehr viel auf den Weg gebracht.“ Diesen Pfad will er in vielen Punkten weiterverfolgen. „Mit großen Visionen halte ich mich derzeit ohnehin zurück“, gesteht er. „Denn der Gemeindehaushalt ist derzeit sehr belastet.“ Da ist Anton Wallner Banker genug, um zu wissen, dass man hier in den kommenden Jahren sehr vernünftig wirtschaften muss. Eine Herzensangelegenheit hat er dennoch. Er sagt: „Den sozialen Wohnungsbau möchte ich noch mehr voranbringen. Bezahlbare Wohnungen sind eines der großen Themen der Zukunft.“ Auch die kürzlich von der Gemeinde erworbene Fläche in der Eulenau möchte er beleben. Ob es Gewerbe- oder Freizeitflächen werden, steht zwar noch in den Sternen, doch hier soll sich in den kommenden Jahren was rühren.

Bei aller Vorfreude auf die neue Aufgabe – Anton Wallner will sich von dem Job nicht auffressen lassen. „Ich weiß, dass hier sehr viel Arbeit auf mich zukommt und die freien Wochenenden meistens ausfallen werden. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, später auch mal nein zu sagen.“ Familie und Beruf – für den kommenden Bürgermeister muss es möglich sein, beides miteinander zu vereinbaren. Die Balance muss stimmen. Wenn Anton Wallner frei hat, dann nutzt er die Landschaft vor der Haustür, um abzuschalten. „Mit dem Mountainbike kurz in die Berge, sich ins Gras legen und den Kühen auf der Weide zuschauen – das macht den Kopf wieder frei“ sagt er. Oder gemeinsam mit seiner Frau in mehreren Tagen an den Gardasee radeln,  „mit wenig Gepäck, alles ganz einfach“.

Einfach will er es auch im Gemeinderat halten. Dass man in einer Gemeinde wie Bad Feilnbach noch fern der großen Politik auch fraktionsübergreifend gemeinsame Entscheidungen treffen kann, das ist ein Punkt, der ihn freut. Und das soll auch so bleiben. Sein Wunsch: „Sachthemen offen und fair diskutieren und dann ohne parteipolitische Zwänge entscheiden.“

Damit Anton Wallner, sollte die Wahl so ausgehen wie überall erwartet, einen guten Start hinlegen kann, wird er auch schon vor seinem Amtsantritt am 15. März in Haushaltsberatungen mit einbezogen. Weitere Informationen gibt’s dann vom Noch-Bürgermeister Hans Hofer. Eigentlich hat das was von der Geschäftsübernahme in einem Familienbetrieb. Und eigentlich ist es schön zu sehen, dass Politik in einem Ort wie Bad Feilnbach noch menschlich und frei von parteiinternem Druck sein kann.

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