Bad Aibling: Einstimmig fürs Ärztehaus

Stadtratsitzung am Donnerstagabend - Räume über der VR Bank sollen umgebaut und genutzt werden

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Bad Aibling – Ausführliche Erklärungen, viele Wortbeiträge und ein Ergebnis: „Der Stadtrat Bad Aibling und die Gesellschafterversammlung nehmen die Ausführungen zur Kenntnis und beschließen, die AIB Kur GmbH & Co. KG mit den weiteren Verhandlungen zur Gründung eines Ärztehauses zu beauftragen.“ In der öffentlichen Sondersitzung des Aiblinger Stadtrates ging es am Donnerstagabend – wie berichtet – nur um dieses eine Thema: Bekommt Bad Aibling ein Ärztehaus?

Hierzu „Ja“ zu sagen, fiel allen Beteiligten nicht schwer. Denn erstens gehen die Stadt und die AIB Kur hier kein finanzielles Risiko ein, und zweitens ist Bad Aibling dringend auf eine gute medizinische Versorgung der Bürger und Kurgäste angewiesen. Schließlich gibt man sich ja selbst das Prädikat „Gesundheitsstadt“. Deshalb ist das geplante Ärztehaus im Gebäude der VR Bank an der Münchner Straße/Am Bichl ein von allen Seiten gutgeheißenes Projekt. Bürgermeister Felix Schwaller: „Alles schreit nach einem Ärztehaus. Wir springen hier auf einen fahrenden Zug auf.“

Das angedachte und von der Stadt gewünschte Modell sieht wie folgt aus: Die VR Bank ist der Vermieter, und die AIB Kur GmbH & Co. KG übernimmt als städtische Gesellschaft die Rolle des Vermittlers zwischen Vermieter und den Ärzten. Felix Schwaller drückte es so aus: „Wir brauchen jemand, der sich um alles kümmert. Kurdirektor Thomas Jahn von der AIB Kur ist unser Kümmerer.“

Thomas Jahn führte dann zu Beginn der Sitzung die Gründe für die Notwendigkeit eines solchen Hauses an. Zwar wäre der medizinische Versorgungsstand am 31. Oktober 2017 noch bei 110 Prozent gelegen. „Doch zum Jahresende haben Praxen in der Stadt geschlossen“, sagte Jahn. Außerdem sei ein Altersschnitt von 57 Jahren bei den Aiblinger Medizinern ein klares Indiz dafür, dass in naher Zukunft noch weitere Schließungen kommen werden.

Deshalb braucht es neue und junge Ärzte in der Stadt. Die aber, erklärte Jahn, würden den Schritt in die Selbstständigkeit oft scheuen. Zu hoher Verwaltungsaufwand, immense Investitionskosten bei einem Praxisstart und die fehlende Work-Life-Balance sind die hauptsächlichen Hürden. Jahn: „Der überwiegende Teil der neuen Ärzte sind Frauen. Die Medizin ist weiblich.“ Ein Ärztehaus, in dem viele Synergien genutzt werden könnten, in dem auch kleinere Praxisflächen möglich wären und vielleicht auch ein organisatorischer Zusammenschluss einiges erleichtern würde, könnte so den Start in die eigene Praxis für viele Jung-Mediziner dann doch attraktiv machen. „Es wird auf jeden Fall ein Ärztehaus werden und kein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)“, stellte Thomas Jahn klar. „Denn ein MVZ würde bedeuten, dass wir hier Ärzte anstellen würden. Es soll aber ein Haus sein, in dem selbstständige Praxen entstehen.“

Mit diesem Konzept liegt Bad Aibling wohl richtig. Denn Jahn verriet: „Schon bei den ersten Gesprächen gab es sofort großes Interesse, sowohl bei jungen Ärzten als auch bei bestehenden Praxen.“ Damit die Bedingungen im Ärztehaus für die Bedürfnisse der Mieter passen, soll hier in der zweiten und dritten Etage von Grund auf saniert werden. Barrierefreie Zugänge, Fahrstühle, die auch für Liegendkranke ausgelegt sind und neue Wände und Böden sind geplant. Der erwünschte Starttermin: Ende 2018.

Mit dem Projekt will die Stadt auch dem Ärztenotstand im ländlichen Raum entgegenwirken. Dass hier etwas getan werden muss, hat auch die Landesregierung erkannt, und so haben die neuen Mieter im Ärztehaus die Aussicht auf lukrative Fördermittel vom Staat. Und so freut sich Jahn bereits jetzt über eine feste Zusage und mehrere weitere feste Absichtserklärungen, hier einzuziehen, sollte das Haus an den Start gehen. Die Aufgabe des Kurdirektors ist es nun, die richtige Mischung für das Ärztehaus zu finden. Rund 900 Quadratmeter Fläche gilt es zu nutzen. Mit vorwiegend Allgemeinmedizinern und den passenden Fachärzten. Thomas Jahn: „Bis jetzt sind vier bis sechs Praxen im Haus angedacht. Doch nicht nur fachlich muss es passen. Da wir wollen, dass hier gemeinsam etwas auf den Weg gebracht wird, müssen die Ärzte auch persönlich zueinander passen.“ Dies zu moderieren und zu organisieren, ist ebenfalls sein Job. Da ist eines jetzt schon sicher: Bad Aiblings Kurdirektor wird es auch 2018 nicht langweilig werden.

 

 

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