Bad Aibling: Streit ums Ludwigsbad

Auch die zweite Variante gefällt dem Stadtrat nicht - Diskussion um Nutzungskonzept

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Bad Aibling – Das Ludwigsbad geht erst einmal wieder baden – auch die Präsentation einer zweiten Planungsvariante fiel im Stadtrat am Donnerstagabend durch. Das Architekturbüro Behnisch, das mit der Planung des Areals beauftragt ist, konnte auch mit einer Version eines zurückgenommenen und verkleinerten „Hochpunktes“ und einem zusätzlichen Bauträger bei den Stadträten nicht punkten. Dabei stellte sich nicht nur einer die Frage: Wollten sie es überhaupt?

Denn so leidenschaftlich und engagiert der Chef selbst noch im vergangenen Juni für die erste Variante, die ein 34-Meter-hohes Wohngebäude beinhaltet (siehe Illustration), stritt, so pflichtgemäß und routiniert stellte jetzt ein Mitarbeiter die zweite Version vor. Hier wurden vom ungeliebten Hochhaus einfach mal vier Stockwerke weggenommen und die dadurch fehlenden 1600 Quadratmeter Fläche in einem zusätzlichen Haus im Süden des Geländes untergebracht. Selbst die Verwaltung lehnte sich in ihrer Beschlussvorlage aus dem Fenster und behauptete sinngemäß, das abgespeckte Hochhaus sehe aus wie ein „abgebrochener Stumpf“. Keine gute Basis, um objektiv über zwei Entwürfe abzustimmen.

Doch die Diskussion drehte sich irgendwann längst nicht mehr um schön oder nicht schön. Es ging vielmehr darum, wie denn die vorhandene Fläche zu nutzen sei. Rudi Gebhart von der ÜWG-Fraktion merkte in einem Antrag an, dass „der rechtsgültige Bebauungsplan ein Sondergebiet Kur vorsieht, mit einem kleinen Anteil an Wohnnutzung im Randbereich.“

Da das Nutzungskonzept aktuell überwiegend Wohnnutzung vorsehe – 8.000 m² von 13.400 m² – müsse der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplanes zurück stellen. Denn, so Gebhart: „Bei einer derart einschneidenden Umnutzung müssen auch Belange der Stadt entsprechend diskutiert werden und in die Planungen miteinfließen, wie beispielsweise Nachfolgekosten, Infrastruktur und die Möglichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Die Anregung der ÜWG: Mit dem Investor reden und dann noch einmal im Stadtrat beraten.

Und hier erhielt er Zuspruch aus vielen Fraktionen. Richard Lechner von der SPD: „Das war einst 2002 anders geplant. Doch die Zeiten ändern sich, aber wenn schon vorwiegend Wohnraum entstehen soll, dann muss nochmal über die Nutzung geredet werden.“ Er forderte, über diese zweite Planungsvariante erst gar nicht abzustimmen, sondern sich zuerst einmal über ein Nutzungskonzept im Klaren zu werden.

Dass die Alternativ-Version lieblos vorgestellt wurde, sah auch Lechners Parteikollegin Petra Keitz-Dimpflmeier so. „Dass da nichts dabei raus kommt, wenn man ein Hochhaus köpft und daneben einfach einen neuen Baukörper stellt, um die Fläche irgendwie unterzukriegen, ist ja logisch“, sagte sie. Auch sie forderte, dass man einen Entwurf zu sehen bekommt, der ein anderes Gesamtbild vermittelt.

Die SPD schlug dann Folgendes vor:

Bauleitplanung Ludwigsbadgrundstück

 

  1. Der Stadtrat empfiehlt die Ausarbeitung einer weiteren Planungsvariante, mit der die angestrebte Bruttogeschossfläche von 13.400 qm bei Reduzierung des „Hochpunkts“ auf 7 Geschosse unter folgenden Maßgaben realisiert werden kann:
  • weitestmögliche Erhaltung der noch vorhandenen Grünflächen im Süden des Grundstücks
  • behutsame Verteilung der Reduzierungsfläche auf andere Baukörper des Planungsgebiets oder Einplanung eines weiteren Baukörpers südöstlich des „Hochpunkts“
  • Einhaltung des Rücksichtnahmegebots auf die im Osten und Westen angrenzende bzw. planungsrechtlich zulässige Bebauung bei Wandhöhen und Geschosszahlen
  • Einhaltung der Stellplatzsatzung, notfalls durch Anlegung einer entsprechend großen Tiefgarage
  1. Der künftige Bebauungsplan „Ludwigsbad neu“ ist als vorhabenbezogener Bebauungsplan mit Mischgebietsnutzung auszugestalten. Eine überwiegende Wohnnutzung ist möglich.

Stefan Glas von der CSU fühlte sich durch die perspektivischen Skizzen der neuen Variante, in denen die umgestalteten Gebäuden in nicht realen Proportionen dargestellt würden, auf den Arm genommen. „Das stimmt so nicht und wird verzerrt wiedergegeben.“ Markus Stigloher, ebenfalls CSU, verstand allerdings die ganze Diskussion nicht. „Mir gefällt nach wie vor die erste Variante sehr gut“, sagte er. „Die ganzen Einwände, die da hier vorgebacht werden, sind doch kindisch!“

Diese Meinung hatte er unter denen, die sich zu Wort meldeten, allerdings exklusiv, und so beschloss der Stadtrat am Ende, nichts zu beschließen. Zuerst, so die einhellige Meinung, soll zuerst ein Nutzungskonzept erarbeitet werden, danach soll neu geplant werden. Sicherlich nicht alles komplett neu, denn vieles an dem Behnisch-Entwurf fand auch schon im vergangenen Jahr Gefallen. Doch eines ist so gut wie sicher: Ein 34 Meter hohes Haus wird es in Bad Aibling so schnell nicht geben, zumindest nicht auf dem Ludwigsbad-Gelände.

 

 

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