Bad Aibling: Emotionale Achterbahnfahrt

Michael Stacheders Lesung aus Max Mannheimers spätem Tagebuch ging unter die Haut

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Bad Aibling – Vollbesetzte Stuhlreihen, eindringliche Worte und viele Emotionen: Mit einer ergreifenden Lesung aus dem Tagebuch Max Mannheimers gingen die ersten Max-Mannheimer-Tage am Mittwochabend in der Stadtbücherei Bad Aibling zu Ende. Schauspieler und Regisseur Michael Stacheder (Foto) las die Texte des 2016 verstorbenen ehemaligen KZ-Häftlings und nahm die Zuhörer dabei mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt.

Es ist mucksmäuschenstill in den Räumen der Stadtbücherei. Michael Stacheder schildert Momente eines Lebens, die fassungslos machen. Angefangen von noch scheinbar harmlosen Situationen, in denen Max Mannheimer den Judenhass in der NS-Zeit zum ersten Mal miterlebte bis hin zu einem unsäglichen Dasein in Arbeits- und Konzentrationslagern. Dazu liefert Martin Schlumberger am Akkordeon Dissonanzen und atonale Klangbilder, die das Grauen, dem Mannheimer ausgesetzt war, fast greifbar machen.

Die Kombination verfehlt ihre Wirkung nicht. Angesichts der Schilderungen von diesen unerträglichen Situationen ist in so einigen Gesichtern der Besucher neben Betroffenheit auch das eine oder andere feuchte Auge zu erkennen. Die Aufzeichnungen Mannheimers sind sprachlich klar, schnörkellos und angesichts der Qualen nahezu ohne Pathos – und gerade deswegen wohl so eindringlich.

Stacheder gelingt es von der ersten bis zur letzten Sekunde, die Anwesenden zu fesseln. Oft lauscht man atemlos den Worten, die einen mitleiden lassen und wütend machen. Max Mannheimer hat sein „Spätes Tagebuch“ tatsächlich erst im hohen Alter geschrieben, in einem Moment, in dem er sich dem Tode nahe fühlte.

Er schrieb es, um zu mahnen, um stets daran zu erinnern, wie grausam das menschenverachtende Regime der Nazis wütete. Als Stacheder seine Lesung mit der Befreiung von Max Mannheimer und seinem Bruder beendet hat, sagt Bad Aiblings Kulturreferentin Elisabeth Geßner (Foto l.) an die Zuhörer gerichtet: „Ich wünsche Ihnen noch viele anregende Diskussionen und Gespräche.“ Die wird es mit Sicherheit gegeben haben.

Übrigens: So ganz sind die Max-Mannheimer-Tage noch nicht vorbei, denn Mannheimers Gemälde sind noch am Samstag und Sonntag in der Galerie im alten Feuerwehrhaus zu sehen. Die Ausstellung ist an beiden Tagen von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet – Fasching hin oder her … 

 

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