Kolbermoor: „Sicherheit und Wirtschaft“

Münchens Polizeipräsident als Gastredner beim Frühjahrsempfang des Bundes der Selbständigen

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Kolbermoor – Da dachten sich der Bund der Selbständigen in Bayern (BDS) und die Ortsverbände im Mangfalltal, dass angesichts der vielen Neujahrsempfänge der Städte und Gemeinden ein Frühjahrsempfang doch ein angenehmer Kontrast wäre, und dann das: Als sich die Mitglieder der Wirtschafts- und Gewerbeverbände der Region am Mittwochabend im Rathaus Kolbermoor trafen, war es winterlicher als im Dezember und Januar zusammen genommen. Trotzdem taute hier im Sitzungssaal schnell das Eis, denn Gastredner Hubertus Andrä, der Polizeipräsident von München, referierte über das Thema „Sicherheit und Wirtschaft“.

Nach den kurzen Begrüßungsreden von Christian Demmel (Kolbermoor), Anton Heindl (Rosenheim), Martin Oswald, Franz Bergmüller (beide Feldkirchen-Westerham) und BDS-Geschäftsführer Christian Klotz legte der Polizeipräsident dann auch gleich los. Andrä sprach eingangs über die objektive und die subjektive Sicherheit. „Dabei hat sich die objektive Sicherheit, also was die reinen Zahlen und Fakten angeht, um  einiges verbessert. Die subjektive, die gefühlte Sicherheit ist jedoch entscheidend, und die hat sich allerdings verschlechtert“, sagte er

Dafür machte er hauptsächlich die Medien verantwortlich, die allzu schnell und zu reißerisch oft ungeprüft über Straftaten berichten würden, die sich bei genauerer Betrachtung dann als ganz anders herausstellen würden.

In der Entwicklung der Straftaten verwies der Herr über 7000 Mitarbeiter auf die sinkende Tendenz seit vielen Jahren. „1997 verzeichneten wir noch 125.000 Straftaten, 2016 waren es nur noch 110.000 – 2017 wird das noch unterbieten.“

Stolz verwies der Polizeipräsident auch auf die Zahlen Münchens im bundesweiten Vergleich. Hier gilt die Landeshauptstadt mit Abstand als sicherste Stadt. Andrä: „Wir haben hier 6.696 Delikte auf 100.000 Einwohner. In Berlin sind es 13.124, Frankfurt 13.234, und in Hamburg sogar 15.700.“ Einen Grund dafür sieht er in den Finanzen. Während in anderen Städten gespart werde und überdurchschnittlich Stellen gestrichen würden, können sich die Münchener noch auf die Unterstützung der Regierung verlassen. Hier können Beamte auf modernste Gerätschaften zurückgreifen und auch der Personalstand ist besser als in anderen Metropolen. Wobei: „Würde ich behaupten, wir hätten eine zufriedenstellende Personalsituation, wäre ich ein schlechter Polizeipräsident“, sagte Hubertus Andrä mit einem Augenzwinkern.

Foto: Am Ende gab’s Präsente vom BDS für den Polizeipräsidenten – Franz Bergmüller, Christian Klotz und Hubertus Andrä (v.l.)

Das Thema, das dann für die anwesenden Unternehmer am spannendsten war, lautete: „Angriff auf Wirtschaftsunternehmen durch das Internet“. Hier pochte Andrä auch auf die Eigenverantwortlichkeit der Selbständigen. „Darf man bei Ihnen im Betrieb das private Handy benutzen? Darf man Fotos machen? Den Firmenlaptop mit nach Hause nehmen?“ Das alles wären Angriffspunkte, die Hackern das Leben leicht machen würden. Zudem meinte er: „Braucht’s wirklich für alles die moderne Technik und das Internet?“ Als Beispiel nannte er Internet-Anschluss im Kühlschrank. „Der Hacker-Angriff auf die Telekom-Router geschah durch Internet-Kühlschränke.“ Bei der Polizei habe in Sachen Verbrechens-Bekämpfung im Internet ein Umdenken stattgefunden. „Früher haben wir Polizisten zu Internet-Spezialisten ausgebildet“, sagt er. „Heute machen wir es umgekehrt: Wir holen uns IT-Spezialisten und geben ihnen noch eine Polizeischulung.“ Die haben dann eine Software entwickelt, mit der dei Polizei berechnen kann, in welchen Bereichen es demnächst wohl zu Einbrüchen kommen kann. „Dadurch konnten wir seit der Einführung der Software schon 30 Einbrecher auf frischer Tat ertappen“, verkündete er stolz.

Auch, dass es in München den „Enkeltrick“ durch Telefonbetrüger nicht mehr gebe, sieht er als Erfolg seines Präsidiums an. Da die Anrufe von einem Callcenter in Polen gesteuert kamen, arbeiteten die Münchener eng mit den polnischen Kollegen zusammen. Was anfangs von anderen deutschen Experten belächelt wurde, entpuppte sich als Volltreffer: Das Callcenter wurde geschlossen, die entsprechenden Personen festgenommen.

Als Hubertus Andrä seine gut einstündige Rede beendet hatte, war für die Anwesenden noch lange nicht Schluss: Im Rathaus-Foyer fanden noch lebhafte Diskussionen mit dem Polizeipräsidenten statt. Denn dieses Thema ließ niemanden kalt. Mit Sicherheit.

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