„Raststätten für die Seele“

Vier Theatervereine aus Bayern und Tirol ausgezeichnet

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Inntal/Tirol – Vier Theatervereine aus Bayern und Tirol sind gestern im Gasthof „Alte Post“ in Fischbach mit dem „Euregio Inntal Preis 2018“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung erhielten die Passionsspiele Thiersee, S´Theater Niederndorf, die Ritterspiele Kiefersfelden und das Volkstheater Flintsbach.

Foto: Euregio Präsident Walter J. Mayr,  Euregio Vizepräsident Hubert Wildgruber,  Euregio GF Esther Jennings, Bezirkshauptmann Kufstein Christoph Platzgummer, Bürgermeister Stefan Lederwascher, Landrat Wolfgang Berthaler, Landtagsabgeordnete Barbara Schwaighofer, Bezirkshauptmann Kitzbühel Michael Berger (v.l.) © Johann Osterauer

Wie Euregio-Präsident Professor Walter J. Mayr bei der Begrüßung sagte, seien alle vier Amateurtheater nicht nur in der Region angenommen. „Fans aus ganz Europa reisen an, um sich Ihre Kunst anzuschauen“. „Die Theater sind Zufluchtsorte, um die Sorgen des Alltages zu vergessen und Raststätten für die Seele“, so Mayr und zitierte weiter Hugo von Hofmannsthal, der Festspiele mit Wallfahrtsorten verglich.

Die Laudationes für die bayrischen Preisträger wurden von Horst Rankl, dem Präsidenten des Verbandes Bayerischer Amateurtheater und 1. Vorsitzenden des Theaters Rosenheim gehalten. Für die Preisträger auf österreichischer Seite übernahm dies Hildegard Reitberger, Obfrau des Stadttheaters Kufstein.

Die Passionsspiele Thiersee können auf eine über 200-jährige Tradition zurückblicken. Aller sechs Jahre wird die Passion aufgeführt und alle 250 Theatermitglieder sind dabei. „Das schweißt zusammen, das schafft ein Gemeinschaftsgefühl, das auch auf die Besucher ausstahlt. Man fühlt sich mit den Darstellern verbunden“, sagte Reitberger bei ihrer Laudatio. „Gerade in der heutigen Zeit, wo Menschen sich einigeln und Kontakte übers Internet suchen, ist es wichtig so große Produktionen zu veranstalten, wo ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Dazugehören, ein Miteinander gestalten im Vordergrund steht“, so Reitberger. Außerdem lobte sie die Kreativität der Passionsspiele. Obwohl man die Geschichte kennt und wisse, wie sie ausgehe, gelänge es dem Verein immer wieder eine neue und überraschende Aufführung auf die Bühne zu bringen. “Etwas aus Passion machen, heißt es mit Begeisterung und starker leidenschaftlicher Hingabe machen. Beides trifft hier zu“, so Reitberger. Die nächsten Passionsspiele in Thiersee gibt es 2022.

Auf eine deutlich kürzere Tradition konnte der zweite Preisträger auf österreichischer Seite zurückblicken. S´ Theater Niederndorf gibt es seit 28 Jahren. Dennoch habe es der Verein verstanden, das Theater über die Grenzen hinaus bekannt zu machen. „S´ Theater Niederndorf ist inzwischen eine Marke. Es gibt kaum einen vergleichbaren Theaterverein, der so viele Zuschauer vor allem auch aus dem bayerischen Raum begrüßen kann“, sagte Reitberger. „Jeder Darsteller ist ein besonderer Typ, ein Original, jede noch so kleine Rolle ist bis ins Detail ausgefeilt“, das unterscheide den Verein von anderen Theatervereinen. Immer wieder gelingt es, die Zuschauer mit einem enormen technischen Aufwand zu überraschen. So steht bei einer Aufführung ein Elektromast, samt Leitungen mitten im Publikum. In einer anderen Aufführung fliegt ein Engel quer über die Bühne. „Gerade das macht den Unterschied aus“, so Reitberger.

Foto: Euregio Präsident Walter J. Mayr,  Obmann Passionsspiele Thiersee, Johann Kröll, Vorstand Volkstheater Flintsbach Anton Obermair, Vorstand Ritterspiele Kiefersfelden Philipp Kurz, Obmann s`Theata Niederndorf Reinhard Exenberger, Euregio Vizepräsident Hubert Wildgruber (v.l.) © Johann Osterauer

Doch auch die bayrischen Preisträger haben einiges zu bieten. Die Kiefersfeldenen Ritterspiele feiern in diesem Jahr 400-jähriges Bestehen. Damit ist es das älteste Theater in Bayern. Als „Urtheater voller Dynamik“ bezeichnete Horst Rankl die Theatergesellschaft in seiner Laudatio. „Das Volkstheater Kiefersfelden ist berühmt geworden mit den Ritterschauspielen, hat viele tausend Freunde gefunden, weil man hier noch so Theater spielt wie vor hundert oder zweihundert Jahren. Diese Tradition ist ein lebendiges Zeitdokument“, so Rankl. Auch das Bühnenhaus ist eine Besonderheit. Alles wird per Hand bedient, nichts mechanisch. Da gilt für die Kulisse, die Zwischenvorhänge bis hin zur historischen Windmaschine. Dennoch ist das Volkstheater Kiefersfelden auch offen für die Moderne, betonte Rankl. „Die Ritterschauspiele werden laufend weiterentwickelt, liebevoll entstaubt und gestrafft.“

Auf fast 350 Jahre Theatertradition kann der zweite bayrische Preisträger zurückblicken: das Volkstheater Flintsbach. Es ist damit das zweitälteste Theater in Bayern. Pro Saison werden bis zu 30 Vorstellungen aufgeführt, die von rund 10.000 Zuschauern besucht. „Das ist eine imposante Zahl, die die Bedeutung der Spielgruppe beweise“, so Rankl. Aktuell zählt der Verein rund 150 Mitglieder. „Doch eigentlich ist es das ganze Dorf, das mit der Spielerschar auf irgendeine Weise verbunden ist. Der Zusammenhalt in der Gruppe und die Verbindung zu den anderen Vereinen in Flintsbach sind bemerkenswert und zeigen die Lust und Freude am Theaterspiel.“ Als der Verein 1675 gegründet wurde, sei der Theatervirus umgegangen. „Eine Spielleidenschaft kommt selten über Nacht, sie braucht Zeit, Gelegenheit und einen fruchtbaren Boden, um sich zu entwickeln“, so Rankl.

Über 60 Gäste waren zu der Preisverleihung in die „Alte Post“ nach Fischbach gekommen. Darunter Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler, die Bezirkshauptmänner von Kufstein und Kitzbühel, Dr. Christoph Platzgummer und Dr. Michael Berger sowie zahlreiche Bürgermeister von beiden Seiten der Grenze und ehemalige PreisträgerInnen.Weiters konnte EuregoPräsident Walter J.Mayr die Landtagsabgeordnete Barbara Schwaighofer  und von der Hochschule Rosenheim, Präs. i. R. Prof. Dr. Alfred Leidig und Prof. Dr. Roland Feindor, von der Hochschule Kufstein,  GF Prof. Dr. Thomas Madritsch begrüßen.

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