Bad Aibling: „Den Unmut dokumentieren“

Max Regensburger sammelt Unterschriften gegen den geplanten Neubau des ehemaligen Lichtspielhauses

image_pdfimage_print

Bad Aibling – Es ist keine Überraschung: Die Pläne für den Neubau des ehemaligen Lichtspielhauses am Marienplatz finden in der Stadt wenig Beifall. Viele Bürger sehen sich mit den Plänen, die überdimensionierte und meist sehr moderne Gebäudekomplexe vorsehen, überfordert. Tenor: Das passt alles nicht zu Bad Aibling. Einer der ebenso denkt und sofort aktiv geworden ist, nachdem er die Entwürfe gesehen hat, ist Max Regensburger. Der Besitzer des schräg gegenüberliegenden Juweliergeschäfts in der Kirchzeile hat eine Unterschriftenliste ausliegen.

Dort kann und soll sich jeder eintragen, der mit dem geplanten Neubau nicht einverstanden ist. Mittlerweile sind es bereits 80 Unterschriften, die er gesammelt hat. Doch Regensburger ist erst am Anfang. „Einige Leute haben schon Listen mitgenommen, die sie dann bei sich auslegen und damit auch Unterschriften sammeln wollen.“ Das passiert vor allem in den benachbarten Geschäften.

Was den Juwelier und Ex-Stadtrat an dem Projekt vor allem stört, ist die Tatsache, dass hier während der Planungsphase mit den Anliegern nicht gesprochen wurde. „Wenn irgendwo etwas gebaut werden soll, dann wird wegen jedem Stein und jedem Baum mit den Anwohnern diskutiert“, sagt er. „Hier ist trotz einer ehemaligen Zusage, man werde miteinander reden, nichts dergleichen geschehen.“ Sicher – die Stadt musste im Vorfeld nicht mit den betroffenen Menschen reden. Doch für Regensburger wäre es eine Geste des Respekts gewesen.

Beim Anblick der Entwürfe stellt er klar, dass es für ihn nicht um die Frage geht, ob sich Bad Aibling eher Richtung Stadt oder Richtung Dorf entwickelt. „Man muss aber überlegen, ob die Architektur hier reinpasst.“ Für seinen Geschmack tut sie das nicht. „Wir sind doch ein Tourismusort und wollen Leute anziehen. Bad Aibling will doch attraktiv für seine Besucher sein.“ Und das tue es keinesfalls mit modernen Gebäuden, die viel zu hoch angelegt sind.

Max Regensburger stößt in erster Linie die anvisierte Höhe sauer auf. Er findet, das geplante Bauwerk, vor allem der Siegerentwurf, sei viel zu hoch. „Über Fassaden kann man streiten“, sagt er. „Doch die Höhe ist ein Fakt. Ich hätte das Gebäude auf jeden Fall dem Rathaus untergeordnet.“ Als Ewiggestriger will er da nicht angesehen werden, denn Regensburger betont, dass er „keine Vorschriften und nichts Historisierendes“ wolle. Allerdings etwas mehr Fingerspitzengefühl für die Belange einer Kurstadt wie Bad Aibling. Und das spricht er der Jury, die vorwiegend aus Architekten aus München oder Dachau bestanden habe ab. Seine Kritik: „Die bewerten nach anderen Kriterien, haben kein Gespür für diesen Ort und fahren hinterher wieder nach Hause.“

Was der streitbare Geschäftsmann am Ende des Tages mit den gesammelten Unterschriften bewirken kann, weiß er momentan noch nicht. Doch er kündigt an: „Ich werde jetzt prüfen, welche Möglichkeiten des Widerspruchs ausgeschöpft werden können.“ Sollten ihm da die Hände gebunden sein, wird er weiter sammeln. Damit er gegenüber der Stadtverwaltung den Unmut der Bürger dokumentieren kann. Regensburger: „Entgegen der Meinung der Stadt gibt es hier sehr viele Leute, die sagen, dass hier ein Stein nach dem anderen fällt und Bad Aibling innerhalb ein paar Jahren zu Tode gebaut wird.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

5 Gedanken zu „Bad Aibling: „Den Unmut dokumentieren“

  1. Verfolge die Entwicklung Bad Aiblings seit 35 Jahren und teile die Meinung von Max Regensburger und kann die Unterschriften-Aktion nur unterstützen. Vielleicht wird das geplante Konzept nochmal überdacht.

    Antworten
  2. Wilhelm Bothar

    Kann Max Regensburger nur zustimmen und unterstützen. Hoffe er sammelt viele Unterschriften und der Stadtrat kippt das ganze noch.

    Antworten
  3. Klaus Rosellen

    Herrn Regensburger‘ Unterschriftsammlung ist nur zu unterstützen und meine Unterstützung haben Sie, Herr Regensburger…Bad Aibling braucht keine Glonnphilharmonie. Eher wäre eine Geschäftszeile/Passage sinnvoll, um den Sterben der kleinen Geschäfte in Bad Aibling entgegenzuwirken

    Antworten
  4. Willee Regensburger

    Großstadtentwürfe für die zubetonierten Benidormschalfstädte und die Unwirtlichkeit der unbewohnbaren Städte wird in Bad Ailbing weiter zementiert. Dubai ist überall. Gigantomanie und Maximierungsstrategien.

    Antworten
  5. Franz Schlosser

    Das Ganze ist zu wuchtig zu mächtig!
    Eine Etage niedriger und gefälligere Arkadengestaltung, dann kann eine Lösung mit dem Vorschlag 1. Preis gelingen.
    Der zweite Preis ist unmöglich. Diese Widersprüche in der Fassade!!!

    Antworten