Bad Aibling: Von Satteldächern, Neu- und Altbauten

Stadtrat beschäftigte sich in seiner Sitzung mit gleich vier Bauvorhaben in der Stadt

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Bad Aibling – Wie sich ein Gang zum Zahnarzt für manche Menschen anfühlt, so mag es für Architekten sein, die ihre Pläne und Entwürfe den Mitgliedern des Aiblinger Stadtrates vorlegen müssen. Das war auch am Donnerstagabend nicht anders, als in einer vierstündigen Mammut-Sitzung gleich vier Bauvorhaben durchdiskutiert wurden. Dabei ging es eigentlich noch ganz entspannt los, denn der Entwurf für das Kreativ- und Bewegungshaus des Familiennetzwerks Fokus fand schnell allgemeine Zustimmung.

Die Fragen beim geplanten Anbau an die „Villa Familia“ Am Klafferer waren lediglich: Soll das Haus aus Holz sein oder mit Ziegeln gebaut werden? Soll Holz sichtbar sein oder soll es verputzt werden, und – in Bad Aibling immer ein Hit im Stadtrat – soll es ein Satteldach bekommen? Letztendlich entschieden sich die Stadträte fast einstimmig für einen Anbau aus Holz, das dann auch sichtbar sein soll – und natürlich für ein Satteldach. Geplante Kosten für das Gebäude, das Platz für zwei große Räume bietet: 170.000 Euro.

Um einiges komplizierter erwies sich dann die Debatte um den geplanten Realisierungswettbewerb im Bereich der Karl-Wagner-Straße (Foto oben). Dort stehen sieben Mehrfamilienhäuser, an denen der Zahn der Zeit schon ordentlich genagt hat. Diese 1953 errichteten Gebäude müssen teilweise saniert oder gleich ganz neu gebaut werden. Und so erhitzten sich bereits vor dem ausgelobten Wettbewerb die Stadtrats-Gemüter an Dingen wie: Welche Häuser sollen neu gebaut und welche saniert werden? Wie setzt sich dann die Jury der Sachpreisrichter zusammen? Welche Architekten werden beauftragt, an dem Wettbewerb teilzunehmen?

Städteplanerin und Architektin Sandra Urbaniak, die für die Auslobung des Wettbewerbs zuständig ist, versuchte die Räte dafür zu begeistern, den Architekten erstmal so wenig wie möglich Vorgaben zu machen, was nicht überall auf Gegenliebe stieß. So wäre es Richard Lechner (SPD) am liebsten, wenn vorab angegeben wäre, welches Haus denn nun abgerissen werden muss und welches erhaltenswert sei. Wilhelm Bothar (ÖDP) monierte, dass bei den Sachpreisrichtern nicht alle Fraktionen des Stadtrats vertreten wären, Florian Weber (Bayernpartei) erkannte bei den ersten Grob-Entwürfen, die von Urbaniak als Anhaltspunkt vorgelegt wurden, mal wieder ein Flachdach und forderte – ein Satteldach. Unterstützung bekam er von der dritten Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG), für die Satteldächer die regionale Bauweise widerspiegeln und deshalb zu bevorzugen sind. Und noch lange bevor der erste Entwurf auf dem Tisch liegt, ging es im Weiteren dann darum, ob im Falle X noch genügend Park- und Stellplätze zur Verfügung stehen würden oder ob im Fall Y die Karl-Wagner-Straße nur noch einseitig zu befahren wäre. Sandra Urbaniak beantwortete derartige Anmerkungen und Fragen mit bewundernswerter Geduld, und am Ende der ausufernden Diskussion merkte Bürgermeister Felix Schwaller an: „So, jetzt haben wir alles ausdiskutiert. Darüber entscheiden wird ohnehin mal ein anderer Stadtrat.“ Geplant ist die Baumaßnahme nämlich erst für die Jahre 2025  bis 2030.

Die nächste Kandidatin, die ihre Pläne den Stadtratsmitgliedern zu präsentieren hatte, war Claudia Petzenhammer-Hörmann, Architektin aus Bad Aibling. Sie stellte einen Entwurf auf dem Gelände der Schön-Klinik Harthausen vor. Hier soll nach dem Abriss des Gebäudes ein Wohngebiet entstehen, das im westlichen Teil auch so etwas wie einen neuen Ortskern mit Büro- und Geschäftsgebäuden sowie einen Kindergarten vorsieht. Hier waren die meisten Stadträte mit dem Gezeigten prinzipiell einverstanden, da eine sehr lichte Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern geplant ist, die viel Platz für Grün und somit Lebensqualität vorsieht. Dennoch gab es auch hier einige Störfaktoren. So monierten viele Anwesenden, dass die Bebauung im Osten über den bestehenden Flächennutzungsplan hinaus geht und dass hier im Verhältnis zu wenig bezahlbarer Wohnraum entstehen würde. Richard Lechner rechnete die von der Architektin anfangs mit 37 Prozent angegebene Fläche bezahlbarer Wohnraum schonungslos herunter und kam dann selbst auf nur noch zwischen 5 und 6,5 Prozent. Im Anschluss entwickelte sich die Diskussion auch dahingehend, dass man diese Wohnungen nicht mit Sozialwohnungen verwechseln dürfe. Tenor: Bei uns leben viele junge Familien, die nicht schlecht verdienen, sich aber dennoch viele Wohnangebote nicht leisten können. Am Ende beschloss der Stadtrat, dass in diesem Sinne weiter geplant werden kann, allerdings innerhalb der Grenzen des Flächennutzungsplans.

Schließlich war der Wasserburger Architekt Eik Kammerl dran, der sein Projekt Hofmühle vorstellte. Und dieses Mal gab es strahlende Gesichter im Rund. Seine Idee, das Kerngebäude zu erhalten, daneben behutsam zwei neue Mehrfamilienhäuser an die Hofmühlstraße zu setzen und an den Mühlbach zwei Doppelhaushälften und ein Einfamilienhaus, fand einhellige Zustimmung. Fast: Denn Florian Weber fand auch hier ein Härchen in der Suppe. Die Häuser am Mühlbach waren im Erstentwurf ohne Satteldach …

 

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