Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute: Liebst Du, was Du tust?

image_pdfimage_print

Immer wieder mal geht mir ein Gespräch mit einem Freund durch den Kopf. Mit dem war ich vor gut einem Jahr mal wandern und wir haben uns über Job und Perspektiven und so weiter unterhalten. Der ist nicht viel älter als ich – also noch saujung 😉 – und hat mir erzählt, dass er sich schon jetzt total auf seinen Ruhestand freut und dass er womöglich sogar noch etwas früher in Rente gehen kann. Hmm.

Sicher, der ist wirtschaftlich wahrscheinlich gut aufgestellt, denn der ist seit Schulende bei der Sparkasse und ist dort die Treppe meistens hinaufgefallen. Doch mit was für einer Einstellung?! Ich kann mich noch gut an all die Unterhaltungen in den vergangenen Jahren mit ihm erinnern. Das war nur ein einziges Gejammer über den Job. Zu viel, zu überfordert, zu unterfordert, zu doofe Vorgesetzte, und so weiter. Einer, der schon am Sonntagnachmittag Schnappatmung kriegt, wenn er sich den kommenden Montagmorgen vor Augen führt.

Jetzt bin ich noch weit davon entfernt, mich auch nur irgendwie mit einem „Ruhestand“, den es bei mir sowieso nicht geben wird, zu beschäftigen. Und es kann durchaus sein, dass dieser Freund, wenn es so weit sein sollte, regelrecht aufblühen wird. Vielleicht werden dann auch seine gesundheitlichen Beschwerden, die er jetzt schon hat, etwas weniger. Aber mal unter uns Pfarrerskindern: Es kann doch nicht sein, dass ich das, was ich beruflich mache, mit so wenig Freude tue. Sicher – in jedem Beruf gibt’s bessere und schlechtere Tage. ‚S Läba isch koin Schlotzer, wie der Schwabe sagt. Und doch: Man lebt doch im Hier und Jetzt, will doch das tun, was einem Spaß macht, selbst wenn es auch der Beruf ist. Dann denke ich daran, wie viele Menschen wohl unter uns leben, denen es wie meinem Freund geht? Die sich tagtäglich ein eine Arbeit schleppen, die ihnen keinen Spaß macht. Die ihnen am Ende vielleicht sogar so wenig einbringt, dass sie monatlich damit kaum über die Runden kommen.

Wieso sind eigentlich so viele Leute dazu bereit, so etwas zu ertragen? Haben sie Angst vor Veränderung? Vor der eigenen Courage? Sind sie Masochisten? Ich denke, das Leben ist zu kurz, um nur aufs Wochenende und den Urlaub hin zu leben. Mir hat mal jemand vorgerechnet, dass man in einem gesamten „normalen“ Arbeitsleben insgesamt nur maximal vier Jahre Urlaub hat. Da MUSS man doch etwas tun, das einem auch während der anderen Nicht-Urlaubsjahre Freude bringt, etwas, das man liebt und das man mit Lust und Leidenschaft macht. Oder man schafft sich wenigstens eine Alternative, die einen aus diesem Hamsterrad rausbringt. Sonst wird man doch blöd im Kopf. Oder depressiv. Oder man hechelt dem (Vor-)Ruhestand entgegen. Wenn dann mal nur kein Unfall dazwischen kommt …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.