Lichtspielhaus: Bad Aibling hat entschieden

Nach langer und schwieriger Diskussion erhält der Siegerentwurf die Mehrheit im Stadtrat

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Bad Aibling – Das war zu erwarten: Nachdem die Arbeiten des Realisierungswettbewerbs für das Lichtspielhaus-Gebäude schon kontrovers diskutiert wurden und auch die beiden Siegerentwürfe teils auf heftigen Widerstand in Bad Aibling gestoßen sind, war diese Stadtratssitzung am Donnerstagabend kein Kindergeburtstag. Um es vorweg zu nehmen: Am Ende entschieden sich die Mitglieder des Stadtrates ähnlich knapp wie die Leser der AIB-Stimme bei unserem Voting im März (wir berichteten) – sie gaben mit 13:9 Stimmen dem Siegerentwurf des Architekturbüros abp (Siehe Abbildung) den Zuschlag.

Doch dieser Entscheidung ging eine langwierige Diskussion voran, bei der die Emotionen aller Beteiligten nicht immer leicht im Zaum zu halten waren. Nachdem zu Beginn der Sitzung Architekt Edgar Burian von abp dem Stadtrat nochmal seinen Entwurf erläuterte, der von der Wettbewerbs-Jury favorisiert wurde, bekam auch Philipp Auer von Auer/Weber die Gelegenheit, die Arbeit seines Büros erneut vorzustellen – diese landete im Wettbewerb auf dem zweiten Platz. Obwohl Bernhard Peck, der Vorsitzende des Preisgerichts, beide Arbeiten für „sehr gut“ empfindet, machte er aus seinem Favoriten keinen Hehl. Er empfahl dem Stadtrat, sich für den Siegerentwurf zu entscheiden: „Dieser wird identitätsstiftend für Bad Aibling sein.“

Doch sich klar zu entscheiden ist in Bad Aibling leichter gesagt als getan. Denn Richard Lechner von der SPD bemängelte an beiden Entwürfen die Höhe. „Uns stellt sich die Frage, ob diese Entwürfe sinnstiftend sind“, sagte er und stellte sogleich den Antrag, die ursprünglich auf vier Stockwerke geplanten Gebäude auf drei plus Dachgeschoss zu reduzieren. „Mir fehlt hier der Bezug zu den anderen Gebäuden in der Kirchzeile. Da gibt keines einen Anhaltspunkt für diesen Entwurf. Architektonisch ist das nicht unbedingt geglückt.

Für den CSU-Fraktionsvorsitzenden Stephan Schlier waren Lechners Einwände nicht nachvollziehbar. „Wie stellen Sie sich das vor?“, fragte er das SPD-Urgestein. „Das sind zwei Schritte vor und einer zurück. Das wurde doch alles schon vorab in anderen Sitzungen diskutiert.“

Rudi Gebhart von der ÜWG schloss sich jedoch Richard Lechner an. Er sagte: „Das Ergebnis des Wettbewerbs, bei dem es keinen einstimmigen Sieger gab, hat gezeigt, dass insbesondere die Gebäudehöhe an dieser Stelle für großes Unbehagen sorgt.“ Auch die ÜWG will an dieser Stelle, für Gebhart „die gute Stube Bad Aiblings“, nur ein dreistöckiges Gebäude plus Dachgeschoss sehen. Diesem Wunsch schickte Rudi Gebhart noch eine Drohung hinterher: „Sollte hierbei keine Einigung erzielt werden können, beantragen wir eine Veränderungssperre für die Kirchzeile West zu erlassen, verbunden mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes.“

Das ließ Florian Eisner von der Bauherren-Firma Werndl & Partner GmbH den Kopf schütteln. „Wenn wir jetzt Stockwerke wegmachen würden, wäre das in etwa so, als ob BMW einen Kleinwagen bauen wollte und dafür beim 5er einfach den Kofferraum abschneiden würde“ sagte er. Was ihn vor allem stört: „In allen Protokollen der vergangenen Sitzungen war bisher nie von der Höhe die Rede. Dieser Wettbewerb war für uns ein Risiko, das wir nicht hätten eingehen müssen. Wir waren hier bewusst Beifahrer, der Wettbewerb wurde unter Mitwirkung des Stadtrates durchgeführt, die Entscheidung wurde gefällt, die ist zu akzeptieren. Deshalb machen wir bei einer Reduzierung um ein Stockwerk nicht mit.“

Beistand bekam Eisner von Seiten der Grünen. Katharina Dietel: „Eine Entscheidung zurückzunehmen, das geht gar nicht. Nach längerer Überlegung bin ich auch für den Siegerentwurf, da ich denke dass die Nordseite besser zur Kirchzeile passt.“

Florian Weber von der Bayernpartei wollte eine Entscheidung an diesem Abend noch nicht haben. Er versuchte, mäßigend auf die Anwesenden einzuwirken. „Dieser Platz in Bad Aibling ist sehr sensibel, für viele Bürger ist das Heimat“, sagte er. „Deshalb dürfen wir nicht den Fehler machen, jetzt auf Biegen und Brechen etwas durchzusetzen und jetzt etwas aus der Emotion heraus zu entscheiden.“

Auch Thomas Höllmüller und Stefan Glas von der CSU bemühten sich darum, dass die Entscheidung vertagt wird. Dieter Bräunlich (ÜWG) erinnerte an die Unterschriftensammlung von Max Regensburger in seinem Juweliergeschäft: „700 Bürger haben sich hier ohne große Werbung gegen die Entwürfe eingetragen. Entscheiden Sie nicht gegen den Willen der Bürger und geben Sie eine gute Visitenkarte für Bad Aibling ab!“

Bauherr Maximilian Werndl wunderte sich angesichts all dieser Einwände. „Ich hätte mir diese Diskussion gewünscht für eine Situation, in der wir dem Stadtrat einen Entwurf vorlegen, doch jetzt nach einem Wettbewerb diskutieren wir über Ergebnisse.“ Noch einmal erinnerte er daran, dass seine Firma diesen Wettbewerb bezahlt hat. „Jetzt noch einmal etwas auseinander reißen, das geht nicht. Wir hätten uns diese 150.000 Euro sparen können. Das wäre ein schöner Urlaub für mehrere Personen gewesen. Mich stimmt das ein bisschen traurig.“  Werndls Geschäftspartner Florian Eisner konnte seinen Ärger ebenfalls kaum verbergen: „Ich finde die Vorgehensweise höchst fragwürdig. Ich bin zwar kein Jurist, doch ich denke, dass eine Änderungssperre zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr möglich wäre. Wir haben uns einem Wettbewerb unterworfen. Was hätten wir gemacht, wenn uns der Siegerentwurf nicht gefallen hätte? Außerdem war es von Anfang an transparent, was die Höhe anbetrifft. Ich bitte Sie, und mehr zu vertrauen.“

Zum Ende gab es auch noch Rückenwind von Bürgermeister Felix Schwaller, der dieses Thema zu einem Ende bringen wollte. „Ich muss nochmal sagen: Werndl & Partner haben eine gutes Renommee, kommen aus der Region. Maximilian Werndl ist ein Aiblinger. Mir ist so ein solventer verlässlicher Investor lieber, als irgendeine Firma von außerhalb.“

Nachdem dann die SPD- und ÜWG-Anträge für ein dreistöckiges Gebäude mit 10:12 Stimmen abgelehnt wurden, besann sich der Stadtrat dann doch darauf, auch mal was zu beschließen und nicht immer wieder zu vertagen und gab dem vom Preisgericht bevorzugten Siegerentwurf den Zuschlag. Bedeutet: An der Ecke Marienplatz/Kirchzeile wird es in Zukunft außer einer großen Baustelle auch jede Menge Diskussionen geben.

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Ein Gedanke zu „Lichtspielhaus: Bad Aibling hat entschieden

  1. Geht es hier um viel mehr als nur das Lichtspielhaus? Wenn Gebhart die Veränderungssperre ins Spiel bringt, um einen Bezugsfall zu verhindern, dann stehen hier offensichtlich einige in der Kirchzeile West in den Startlöchern, um nachzuziehen. Marode Substanz ist ja hinreichend vorhanden. Wer könnte von der Lichtspielhaus-Entscheidung noch profitieren? Ein Schuft, wer Böses dabei denkt? Man wird sehen, aber dann ist es womöglich zu spät, weil der Bezugsfall den Bebauungsplan überflüssig gemacht hat. Mehr Transparenz wäre geboten (gewesen).

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