Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um Kindererziehung

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Es ist ja an und für sich schon ein schreckliches Wort: „Kindererziehung“. Das hat was von zwanghaftem Ziehen, von in eine bestimmte Schablone pressen oder so was Ähnliches. Und deshalb geht mir heute auch gar nicht durch den Kopf, wie man die eigenen Sprösslinge am besten in die Spur kriegt, sondern welche Lehren man selber erhält, wenn man dem Nachwuchs etwas mitgeben und ihn unterstützen will. Mir ist das nämlich vor einigen Tagen mal wieder ganz deutlich vor …

… Augen geführt worden. Und das geht mir seitdem nicht mehr aus der Birne. Vielleicht habt Ihr ja auch schon was in dieser Art erlebt: Da kommt erst einmal die ältere Tochter an und will sich in einem Betrieb nach einer Praktikumsmöglichkeit erkundigen. Nicht irgendein Praktikum, sondern ein erstes Hineinschnuppern in ihren Traumberuf. Nun gibt’s bei uns in der Gegend genau eine Stelle, an der das gemacht wird, was sie mal werden will, nämlich Bühnenbildplastikerin. Bedeutet: Dieser Anruf ist wichtig und den darf sie nicht in den Sand setzen. „Papa, was sag ich denn da?“, war ihre logische Frage. Und ich habe darauf natürlich gleich einige Antworten gehabt: „Frag nicht gleich, ob ein Praktikum möglich ist, sondern stelle offen Fragen. Erkundige Dich nach Möglichkeiten, wie Du da erste Eindrücke von dem Beruf bekommen kannst. Lass Dich nicht abwimmeln. Wenn sie sagen, dass es bei ihnen schlecht ist, frage sie, was du tun musst, um da mal irgendwelche Erfahrungen sammeln zu können. Oder im schlimmsten Fall, frag nach weiteren Möglichkeiten in der Region oder in Deutschland, diesen Beruf kennenzulernen. Frag auf jeden Fall immer weiter.“ Viele Infos und noch den Rat dazu: „Schreib Dir Stichpunkte als Gedankenstützen auf. Dann hast Du am Telefon auch mehr Sicherheit. Lies aber nicht ab.“

Gut, meine Tochter hat dann den Hörer in die Hand genommen, ist in ihr Zimmer verschwunden und kam nach knapp zehn Minuten strahlend zurück. War ein sehr positives Gespräch und ein Praktikum wird wohl möglich sein. Super.

Meine andere Tochter will unbedingt in ihrer Freizeit einen Nebenjob machen und sich so ihr Taschengeld aufbessern. Sie hat vor einigen Tagen deshalb auch eine Bewerbung abgeschickt und noch nichts von der Firma gehört. Ihre Frage: „Was soll ich machen? Soll ich da mal anrufen und fragen, ob ich in der engeren Wahl bin?“ Ich sagte: „Ja klar. Ruf an. Setz nach.“ Sie hat’s gemacht und ihr wurde versprochen, dass sie zurückgerufen wird. Wer selber mal beruflich telefoniert hat, weiß diese Aussage einzuschätzen 😉

Drei Tage später. „Papa, die haben sich immer noch nicht gemeldet! Ich ruf nochmal an, ich brauch schließlich Klarheit. Oder was soll ich tun?“ Ich: „Vielleicht ein bisschen aufdringlich. Aber warum eigentlich nicht?! Ruf an.“ Sie hat wieder angerufen und bekam zu hören: „Gut, dass Sie sich nochmal melden. Wir haben Ihre Unterlagen irgendwie nicht mehr gefunden. Können Sie morgen zum Vorstellungsgespräch vorbeikommen?“ Jetzt hat sie den Job.

Warum ich das so in epischer Breite erzähle? Weil ich damit sagen will, was für geniale Töchter ich habe? Nein, das weiß ja eh jeder. Aber Spaß beiseite. Ich habe irgendwann einmal in den Spiegel geschaut und den Kopf geschüttelt. Der Meister Fallscheer hat sich nämlich als Schlaumeier mit klugen Ratschlägen ausgegeben, und seine Mädels haben dann nicht lange gefackelt und sind aktiv geworden.

Und selber? Da habe ich nämlich einige Telefonate, die ich vor mir her schiebe seit ich weiß nicht wann. Weil mir warum auch immer die Düse geht und weil ich plötzlich bei mir selber nicht mehr weiß, was ich genau sagen soll. Wie bescheuert kann man denn  noch sein? Die eigenen Kinder machen’s einem doch vor: Ran an den Hörer und los. Entweder ja oder nein oder eine Weiterempfehlung. Auf jeden Fall Klarheit. Und was ich an meinen Mädels auch bemerkt habe – sie haben dadurch ein weiteres Stück  Selbstbewusstsein gewonnen, sind fröhlicher und wirken locker und befreit. Mit Sicherheit ist das nächste Telefonat von ihnen eine ganz leichte Übung.

Na ja, das habe ich ja jetzt vor Augen und habe es auch vorgelebt bekommen. Zum Glück bin ich auch lernfähig. Ich hab mir gesagt: was die können, kann ich auch! Das wäre doch gelacht. Und ich hab’s getan, die ausstehenden Telefonate nacheinander gemacht. Mit positiven Ergebnissen. Ich bin jetzt fröhlicher und lockerer. Gut, dass man von seinen eigenen Kindern immer wieder lernen kann und dass sie einen auch zur Disziplin und Selbstreflektion erziehen. Man muss es nur zulassen. Ich hoffe, Euch geht’s in manchen Situationen genauso …

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