Heimatverbunden und weltoffen

„Grüner Heimatabend“ mit Schulze, Dürr und Knobel beim Vornberger in Altenbeuern

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Rosenheim – Am Mittwoch startete Martin Knobel, grüner Landtagskandidat für den Stimmkreis Rosenheim-West, beim „Grünen Heimatabend“ im Wirtshaus Vornberger in Altenbeuern offiziell in den Wahlkampf. Prominente Unterstützung bekam er dabei von Katharina Schulze, Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion und Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, und vom kulturpolitischen Sprecher der Landtagsgrünen Sepp Dürr. Für musikalische Untermalung sorgte die „Knopfhoiz Tanzlmusi“.

Foto: Leonhard Hinterholzer (Landtagskandidat Rosenheim-Ost), Sepp Dürr (MdL), Hubert Lingweiler (Kreisvorsitzender B90/Grüne Rosenheim), Katharina Schulze (MdL), Martin Knobel (Landtagskandidat Rosenheim-West) (v.l.)

Heimatverbunden und weltoffen

Als erster Redner machte Martin Knobel direkt deutlich, dass sein Verständnis von Heimat ein anderes ist als das der CSU, die Heimat darüber definiere, wer alles nicht dazu gehört. „Heimat ist kein exklusiver Ort für ein gesegnetes Häuflein Auserwählter, sondern der Ort, der mir am Herzen liegt, der mir Geborgenheit gibt, um den ich mich kümmere und den ich bewahren möchte. Und zwar unabhängig meiner Herkunft oder Religion“ so Knobel. Für ihn mahnt der erneute Wahlerfolg von Viktor Orbán in Ungarn dazu, das Thema Heimat nicht den Hetzern, Populisten und reaktionären Hardlinern zu überlassen. Er möchte stattdessen zeigen, „dass man heimatverbunden und weltoffen sein kann.“

Der Staatsregierung warf der Direktkandidat für den Rosenheimer Westen vor, dass sie sich lieber am Griff nach den Sternen versuche, anstatt den ländlichen Raum angemessen zu fördern. Der vernachlässigte Ausbau von Breitband-Internet und Handynetzen sowie das unzureichende Angebot im öffentlichen Nahverkehr führte er dabei als Beispiele an. „Wenn es so weitergeht, dann herrscht auf bayerischen Weltraumhäfen bald mehr Verkehr, als an Bushaltestellen und Bahnhöfen auf dem Land“, beschrieb er die Situation.

Kritische Worte fand der dreißigjährige Familienvater aus Hohenofen auch zum geplanten Trassenneubau für den Brenner-Nordzulauf. So seien die bestehenden Gleisstrecken durch das Inntal aktuell nicht ausgelastet und steigender Bedarf nicht abzusehen. „Am Ende düsen dann ein paar Personenschnellzüge auf den neuen Trassen Richtung Süden, der Güterverkehr rumpelt weiterhin durch die Inntalgemeinden und am meisten Verkehr herrscht sowieso auf der Autobahn, weil der Transport auf der Straße viel günstiger ist als auf der Schiene“, skizziert Knobel das Szenario, sollte der Ausbau ohne flankierende Maßnahmen geschehen. Er forderte politischen Willen und ein Instrument wie die „Alpentransitbörse“, das die Attraktivität der Schiene steigert und den Verkehr effizient verlagert. Dann könne man auch über den Ausbau der Infrastruktur sprechen.

Am Ende sprach er sich außerdem für den Erhalt bäuerlicher Strukturen in der Landwirtschaft aus. „Nicht die Größe des Betriebs darf darüber entscheiden, wer Erfolg hat und wer nicht. Die Qualität der Arbeit muss entscheiden, wer Erfolg hat.“ So wolle er artgerechte und umweltbewusste Betriebspraktiken in den Vordergrund stellen und gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern die Agrarwende vorantreiben.

„Heimat ist da, wo ich einen Wert habe.“

Als zweiter Redner präsentierte Sepp Dürr einen Diskurs darüber, was Heimat für ihn bedeutet. Dabei spiele die Herkunft keine Rolle. „Wir sind schließlich alle zugewandert – die einen früher, die anderen später.“ In der christsozialen Politik sehe er nicht den Schutz der Heimat, sondern vielmehr eine Bedrohung dieser durch Ausgrenzung und Spaltung. Dabei warf er der CSU vor, das Grundgesetz zu missachten, da sie in ihrer Haltung gegen den dritten Absatz des Artikel 3 verstoße, demnach niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Heimat definiert er darüber, „wo ich mich einbringen kann und geschätzt werde. Heimat ist da, wo ich einen Wert habe.“ Integration könne man daher nicht erwarten, wenn nicht gleichzeitig Angebote formuliert werden, die es den Menschen ermöglichen teilzuhaben.

Flächenfraß, Polizeiaufgabengesetz, Geschlechtergerechtigkeit und Digitalisierung

Die grüne Spitzenkandidatin Katharina Schulze zeigte sich im abschließenden Redebeitrag optimistisch. So seien die bayerischen Grünen auf dem besten Weg, die Zahl von 10.000 Mitgliedern zu überschreiten, was ein Zeichen dafür sei, dass sich wieder mehr Menschen politisch einbringen. Dies sei grundlegend wichtig, so Schulze: „Ich habe noch nie gesehen, dass man die Welt besser gemeckert bekommt. Wir kriegen sie nur besser gemacht.“ Sie forderte die Anwesenden auf, sich zusammen für das Gelingen des Volksbegehrens gegen Flächenfraß zu engagieren, um der übermäßigen Versiegelung der Landschaften ein Ende zu setzen.

Schulze plädierte außerdem für mehr Geschlechtergerechtigkeit. „Wir Frauen sind mehr als die Hälfte der Gesellschaft, also steht uns auch die Hälfte der Macht zu.“ Noch immer seien Führungspositionen in Wirtschaft und Politik einseitig männlich besetzt und gleichwertige Arbeit häufig nicht gleich bezahlt. Vor allem Pflegeberufe, die vor allem von Frauen ausgeführt werden, dürfen nicht schlechter bezahlt werden, als beispielsweise Tätigkeiten im Handwerk oder der Industrie.

Das novellierte Polizeiaufgabengesetz kritisierte sie scharf, da es die Freiheit der Gesellschaft beschneide, ohne dabei wirklich mehr Sicherheit zu bieten. Aus diesem Grund habe die Landtagsfraktion der Grünen auch Klage beim Verfassungsgericht eingereicht. Beim Thema Digitalisierung sieht sie die Politik am Zug. Die Welt werde zusehends digital, Schulze möchte aber, dass dies durch die Politik zum Nutzen der Menschen und nicht durch Konzerne wie Facebook und Co. gesteuert wird. Zum Abschluss machte sie noch deutlich, dass die Grünen dazu bereit seien, Verantwortung in Bayern zu übernehmen und der christsozialen Alleinherrschaft ein Ende zu setzen.

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