Bad Aibling: Ein Herz für die Anwohner

Architekturbüro Schindhelm Moser gewinnt Realisierungswettbewerb „Ellmosener Wies"

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Bad Aibling – Am Ende siegte der Gedanke an die Menschen, die bereits dort im Norden Bad Aiblings wohnen. Denn vor allem die hatten die Planer des Münchener Architekturbüros Schindhelm Moser im Sinn, als sie mit dem Entwurf für das Gebiet „Ellmosener Wies“ begannen. Die Fachpreisrichter des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbs honorierten dies und vergaben nicht nur aus diesem Grund den ersten Preis einstimmig an das Büro. Am Freitag Nachmittag wurden nun die Pläne aller elf Teilnehmer im Aiblinger Rathaus der Öffentlichkeit gezeigt.

„Den Menschen, die hier schon einige Zeit leben und bisher einen freien Blick aufs Grüne hatten, wollten wir keine hohe Gebäudefront vor die Nase setzen“, erklärte Siegerarchitekt Jörg Moser (Foto o.) vor dem Plan seines Büros. Sein Konzept für das neue Bauland im Norden Bad Aiblings: viel Grünland und ein harmonischer Wechsel zwischen hoch- und niedergeschossigen Gebäuden. „Wir haben von Anfang an über die Ränder nachgedacht“, sagte er. „Über die Ränder des Wohngebiets nach außen hin und über die Ränder zu dem bereits bebauten Gebiet.“ Wohl wissend, dass es nie leicht ist, einem bestehenden relativ neuen Wohngebiet wieder neue Bauten vor die Nase zu setzen, fügte Mosers Kollege Andreas Schindhelm hinzu: „Wir hoffen, dass die Begrünung die Toleranz unter den Bewohnern fördert und auch den Schrecken der Baustelle mindert.“

Professorin Bü Prechter, die erste Vorsitzende des Fachpreisgerichts, erklärte die Entschlussfindung in einer eintägigen Sitzung am vergangenen Dienstag so: „Die elf Teilnehmer haben sich auf unterschiedliches Niveau begeben. Dabei mussten die teilnehmenden Büros hohe Anforderungen der Stadt erfüllen. Es sollte eine hohe Dichte mit kleinteiligem Bestand geschaffen werden und dazu stand die Forderung nach sehr vielen Parkplätzen.“ Vor allem der letzte Punkt habe die meisten Architekten in größte Schwierigkeiten gebracht.

 

Foto: Die Mitglieder des Siegerarchitekten-Büros mit Professorin Bü Prechter, vorsitzende Fachpreisrichterin

Über die Arbeiten, die am Ende ausgeschieden sind, sagte Prechter: „Sie hatten entweder einen starken Schematismus oder sie trafen den Charakter des bereits vorhandenen Wohngebiets nicht.“

Und so belohnten sie und die anderen Fachpreisrichter am Ende den Mut der drei Erstplatzierten. Alle Architekten versuchten, starre Strukturen aufzulockern. Besonders der Gedanke eines Kletter- und Aussichtsturms, von dem man die freie Sicht auf die Berge hätte, eingeplant vom zweitplatzierten Architekturbüro Breining Buchmaier, fand Gefallen bei der Jury.

Doch schließlich entschieden sich die Richter für den Siegerentwurf aus mehreren Gründen. Bü Prechter: „Das war tatsächlich unser dichtestes Konzept, obwohl es nicht so wirkt. Das Hervorragende daran: Es schafft Dichte, ohne dass man sich beengt fühlt.“ Was auch ins Gewicht fiel, war der Gedanke, durch die bewusste Mischung der Gebäudearten mit nur einer Stichstraße und einer durchgehenden „Durchwegung“ Raum für Interaktion zu schaffen.

„Was will man in der Städteplanung? Doch nicht nur „schöne“ Häuser …“, sagte Prechter. „Man will, dass was los ist, dass sich soziales Leben entwickeln kann. Und das ist hier gelungen. Für mich ein geniales Konzept.“

Das wird nun dem Stadtrat in seiner Juli-Sitzung vorgelegt, und auf Basis des Siegerentwurfs sollen dann die nächsten Schritte bis hin zum Bebauungsplan beschlossen werden.

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