Straße, Schiene, Blockabfertigung

Viel Redebedarf beim Euregio Inntal Verkehrsgipfel in Kufstein

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Inntal/Kufstein – Der steigende Transitverkehr – über drei Millionen LKW nutzen das Inntal als Transitachse – betrifft den gesamten Inntalkorridor, Bayern genauso wie Tirol. Dies nahm die Euregio Inntal am Freitag zum Anlass, sich bei einem Euregio Inntal Verkehrsgipfel an der FH Kufstein mit Tirols LH Günther Platter und LHStvin Ingrid Felipe auszutauschen.

Foto: Landtagsabgeordneter Alois Margreiter, LAStv. Ingrid Felipe, Moderator Günther Schimazek, Landeshauptmann Günther Plattner, Euregio Inntal Präsident Prof. Walter J. Mayr, Bezirkshauptmann Kitzbühel Michael Berger (v.l.) © Euregio Inntal

Der Einladung seitens der Euregio Inntal unter Präsident Walter J. Mayr folgten zahlreiche BürgermeisterInnen aus Bayern und Tirol sowie VertreterInnen weiterer Behörden. Thematisiert wurden Themen rund um die aktuelle Verkehrssituation entlang des Inntals hinsichtlich des Schwerverkehrs auf der Straße bzw. Schiene.

Euregio Inntal Präsident Walter J. Mayr nannte konkret vier Punkte, die besonders die gemeinsame Grenzregion berühren: Der nördliche Zulauf zum Brenner Basistunnel, die Mautkontrolle seit 2013 auf der A 12, der zunehmende Schwerlastverkehr sowie die Kontrollen am Grenzübergang Kufstein-Kiefersfelden, die zu unerträglichen Rückstaus und Wartezeiten führen. „All diese Punkte“ sagte Walter J. Mayr, „belasten die Menschen und die Natur in unserer gemeinsamen Grenzregion und die Belastung durch den zunehmenden Transitverkehr auf unseren Straßen nimmt immer weiter zu.“

Schwerverkehr steigt im gesamten Inntal
„Die extreme Steigerung des Güterschwerverkehrs auf der Straße hat negative Auswirkungen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur. Der Umwegtransit trifft Bayern ebenso wie Tirol – die Bevölkerung entlang der Transitachse leidet massiv unter den entstehenden Belastungen. Es ist höchste Zeit zu handeln“, verwies LH Platter auf die alarmierenden Zahlen: „Am Brenner steuern wir auf einen Rekordwert von 2,5 Millionen LKW zum Jahresende hin, größtenteils verschuldet durch den Transitverkehr. Ein ‚Übel‘ das uns alle gleichermaßen betrifft.“

Tirols Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe weiß ob der inhaltlichen, aber auch der symbolischen Bedeutung solcher Treffen: „Es ist ein gutes Zeichen an die grenznahe Bevölkerung, dass sich verantwortliche PolitikerInnen aus den betroffenen Regionen gemeinsam mit den Fachleuten an einen Tisch setzen und konstruktiv über die vielschichtige Problematik diskutieren. Es kann hier nur eine gemeinsame Lösung geben. Daher ist es mir immer schon ein großes Anliegen gewesen sich auch grenzübergreifend auszutauschen“, zeigte sich LHStvin Felipe erfreut. „Um unsere Vorhaben umsetzen zu können, brauchen wir national die Unterstützung von Bundesminister Hofer und international der Bundesverantwortlichen in Deutschland und Italien. Die EU hat mit ihrer Wegekostenrichtlinie bereits ein Instrument entwickelt, mit dem wir unsere Forderungen umsetzen könnten. Gemeinsam müssen wir an der Umsetzung arbeiten“, ergänzte LHStvin Felipe und verweist darauf, dass „wir bei der Umsetzung dieser Richtlinie endlich die Kostenwahrheit auf der Straße schaffen würden. Die Bemautung der LKW würde sich dann viel konkreter auf deren negative Auswirkungen beziehen und der Inntal-Güterverkehr wäre nicht länger die kostengünstigste alpenquerende Nord-Süd-Verbindung.“

Maßnahmen zur Verlagerung auf die Schiene
„Die Verlagerung des Güterschwerverkehrs auf die Schiene ist ein klar deklariertes Ziel  aller hier Anwesenden. Die Realität zeigt, dass nach wie vor der Transitverkehr auf der  Straße steigt und auf der Schiene stagniert. Wir brauchen rasche Lösungen statt weiterer Absichtserklärungen“, sagte LH Platter und verwies darauf, dass Tirol bereits viele Maßnahmen umsetzt und fordert: „Der Brennerübergang muss derzeit mehr als 40 Prozent des gesamten Güterschwerverkehrs über die Alpen schlucken! Es braucht eine Korridormaut, damit wir hier Lenkungsziele erreichen, eine LKW-Obergrenze sowie einen konkreten Verlagerungsplan. Das beinhaltet neben dem Bau neuer Trassen und Verladeterminals vor allem die Errichtung der Zulaufstrecken des Brenner Basistunnels auf deutscher Seite. Es muss allen Anwesenden bewusst werden, dass wir ohne die volle Funktionsfähigkeit der Eisenbahnlinie München-Verona die riesigen Chancen, die  der BBT bietet, nicht nützen können. Ich fordere daher, dass der Bau der nördlichen Zulaufstrecken mit Nachdruck und Standhaftigkeit verfolgt wird“, zeigte LH Platter auch auf, dass es in Sachen RoLa bereits noch genügend freie Trassen gäbe, allerdings die Verladung ausgebaut werden muss. „Die RoLa oder andere Bahntransportsysteme müssen bereits im bayerischen Raum beginnenund bis nach Italien im Raum Trento/Verona führen. Damit wird die RoLa reell attraktiv für Frächter.“

Blockabfertigungen als Notmaßnahme
Weiteres gab LH Platter einen Überblick über die Blockabfertigungen: Insgesamt wurde die Maßnahme 23 Mal gesetzt, der Großteil der Dosierungen wurde zwischen acht und neun Uhr eingestellt. Auf der anderen Seite zeigen Auswertungen zu Stauungen durch die permanenten Grenzkontrollen, dass es von 182 kontrollierten Tagen zwischen Oktober 2017 und März 2018 an 90 Tagen zu teilweise massiven Behinderungen entlang des Inntalkorridors kam.

„Mir ist bewusst, dass die Blockabfertigungen zu Rückstaus auf bayerischer Seite führen, aber diese halten sich im Verhältnis in sehr in Grenzen und es wird so gehandhabt, dass der LKW-Verkehr dosiert wird und für den PKW-Verkehr die Durchlässigkeit gegeben ist. Das langfristige Ziel muss es sein, weniger LKW auf die Straße zu bekommen. Denn eines ist klar: Steigt der Verkehr, steigen die kritischen Tage, erweitern sich die Morgenspitzen, braucht es mehr Blockabfertigungen. Diese sind eine Notmaßnahme, um an gewissen Tagen die Verkehrs- und Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, deren positiven Effekte auch von der Exekutive bestätigt werden“, dankten LH Platter und LHStvin Felipe auch der Exekutive auf tiroler bzw. bayerischer Seite.

Dass auch der steigende Ausweichverkehr eine Belastung in der Grenzregion Kufstein-Kiefersfelden ist, weiß LHStvin Felipe: „Die Bevölkerung ist mittlerweile an der Belastungsgrenze angelangt. Neben den gesundheitsschädigenden Abgasen und dem LKW-Lärm wird die Mobilität der AnwohnerInnen durch den Ausweichverkehr auf den sekundären Verkehrsrouten erheblich eingeschränkt. Bei den Planungen verschärfter Maßnahmen werden wir uns auch die logistischen Möglichkeiten ganz genau  anschauen, um den Ausweichverkehr zu reduzieren.“

Weitere Maßnahmen seitens Tirols
Wie es in Tirol konkret weitergehen wird, betonte LH Platter: „Derzeit wird an einem Dosierkalender 2019 gearbeitet, der für das erste Halbjahr im kommenden Jahr am 15. August präsentiert werden soll. Zudem überprüfen wir bestehende Fahrverbote und werden diese wenn nötig adaptieren. Außerdem setzen wir auf zusätzliche Kontrollen im Bereich Schwerverkehr – in Zusammenarbeit mit der Finanzpolizei sowie auch hinsichtlich umweltschädlicher Abgassysteme.“
Die Euregio Präsident Mayr erklärte bei seinen Schlussworten, dass die Euregio Inntal zu den heute besprochenen Themen eine Resolution vorbereiten wird. Diese wird bei der kommenden Generalversammlung am 25. Juli den Mitgliedern zu Abstimmung vorgelegt.

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