Gedanken des Tages

Anderls Kopfwäsche - heute geht's um die Kunst zu schweigen

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Ja, ich weiß – die letzten Gedanken des Tages gab’s in der vergangenen Woche. Was ist passiert? War ich krank? Zu faul? Oder ging mir nichts durch den Kopf? Weder noch. Im Gegenteil: Zu allen möglichen Dingen rauscht’s bei mir durch den Schädel. Und doch habe ich mir die Frage gestellt: Braucht’s jetzt noch den x-ten Beitrag zu Seehofers Komödienstadl oder zum völlig überforderten DFB? Vielleicht ja, aber nicht von mir. Auch wenn’s mich da schon in den Fingern gejuckt hat, um da drüber was …

… loszuwerden, habe ich mir gesagt: Lass es. Manchmal ist es einfach besser, die Tasten ruhen zu lassen oder eben zu schweigen. Was mich auch gleich zum eigentlichen Thema bringt. Wie oft hattet Ihr schon die Situation, dass ihr in ein Gespräch verwickelt wurdet, in dem Euch katastrophales Halbwissen um die Ohren flog? Ich denke, das ist eine der härtesten Prüfungen in der Kommunikation überhaupt. Ihr kennt Euch im Thema XY prima aus, und dann kommt so ein Schlauberger daher und erklärt Euch aber so was von die Welt, dass es vor Vorurteilen und Plattitüden nur so strotzt.

Was ist der erste Impuls? Kontra, kontra und nochmal kontra. Ein Argument nach dem anderen auf den Tisch legen. So! Ha! Dem oder der hab ich’s jetzt aber gezeigt! Und was passiert dann? Es kommen die nächsten Gegenargumente, Schein-Einwände und alle Abers der Erde. Was bringt uns das außer einem erhöhten Blutdruck? Nix. Und deshalb trainiere ich mich in der Sportart Selbstdisziplin. Schnabel halten, tief durchatmen und versuchen, so schnell wie möglich aus der Nummer rauszukommen. Das Ganze unter der Überschrift: „Lerne Schweigen, ohne zu platzen.“

Das ist mir früher nicht immer so leicht gelungen, doch wenn ich daran denke, wie viele Nerven und wie viel Energie ich durch endlose Debatten, in denen es nur noch ums Rechthaben ging, verloren habe, wird mir himmelangst. Und ich könnte mich schon wieder aufregen. Über die vertane Zeit und den Ärger, der sich in mir breit macht, wenn ich an das eine oder andere Gespräch denke. Inzwischen weiß ich es aus eigener Erfahrung: Wer diskutiert, verliert! Denn wenn es nicht sofort passiert, dann im Nachgang, und das ist oft noch viel anstrengender. Es kostet einfach weniger Kraft, ein Gespräch lächelnd zu beenden oder schnell wegzugehen, als in hoffnungsloser Position mit Argumenten dagegen zu halten.

Was natürlich nicht heißen soll, dass man prinzipiell alles schlucken soll. Und das ist die nächste Kunst: Erkennen, wo es sich lohnt, Standpunkt zu beziehen und wo man besser schweigt. Ich wünsche Euch und mir gute Erkenntnisse …

 

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