„Zeit ist die neue Währung“

Sommer-Pressegespräch der DGB-Gewerkschaften in Rosenheim

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Rosenheim – Die DGB-Gewerkschaften haben in einem Pressegespräch im Biergarten der Gaststätte „Tante Paula“ in Rosenheim über aktuelle Themen aus der regionalen Arbeitswelt informiert. Im Mittelpunkt standen dabei die Umsetzung der aktuellen Tarifabschlüsse und die Aktionen des DGB zu den anstehenden Landtagswahlen.

Ein besonderer Schwerpunkt des Gespräches war der Umgang mit der Arbeitszeit der Beschäftigten. „Die Forderungen nach einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit wird auf erheblichen Widerstand der Gewerkschaften treffen“, sagte DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner. Die Beschäftigten wollen nicht länger arbeiten, sondern über ihre Arbeitszeit mehr mitbestimmen.

Christian Naß, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Rosenheim, berichtete von der Umsetzung des neuen Tarifvertrages in der Metall und Elektroindustrie. „Uns ist erstmals gelungen, ein Wahlrecht von Beschäftigten bei Arbeitszeit und Lohn zu vereinbaren“, so Christian Naß. Beschäftigte erhalten ab 2019 einmal jährlich ein zusätzliches Entgelt in Höhe von 27,5 Prozent.

Sie können entscheiden, ob sie diese Erhöhung in Anspruch nehmen oder dafür mehr freie Zeit für die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen bekommen.

Auch Beschäftigte im Schichtdienst können immer zum 30. Oktober entscheiden, ob sie das Geld oder die acht zusätzlichen Tage in Anspruch nehmen.

Christian Naß: „Der Erfolg der IG Metall macht im Volumen zum Beispiel für einen Facharbeiter rund 4.000 Euro aus“. Das ist bei den Leuten extrem gut angekommen.

Georg Schneider, Bezirksvorsitzender Oberbayern der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gasstätten (NGG), sagte in seinem Statement: „Zeit ist die neue Währung im Betrieb“. Dazu hat die NGG 5.000 Beschäftigte befragt, wie das Thema in die nächsten Tarifrunden einfließen soll.

„Auch Arbeitgeber sind dafür aufgeschlossen und finden unsere Aktion gut“, so Georg Schneider. Er berichtet auch über die Firma Frischpack in Mailing. Dort waren sehr viele Leiharbeiter beschäftigt. Der Betrieb versucht jetzt die neuen gesetzlichen Regelungen für diesen Personenkreis, wie zum Beispiel gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, zu umgehen.

„Wir als Gewerkschaft stellen fest, dass die Arbeitsplätze der Leiharbeitnehmer in Werkverträge umgewandelt werden“, informierte Schneider. Hier ist der Gesetzgeber weiter gefordert.

Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft ver.di, berichtete vom neuen Tarifvertrag im Bereich der Deutschen Post. Auch hier kann man die prozentuale Lohnerhöhung von 5,1 Prozent in Zeit umwandeln. Das gibt bis zu 102 Stunden mehr freie Zeit“, so Robert Metzger.

Einen der besten Lohnabschlüsse seit Bestehen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst im Jahr 2004 konnte die Gewerkschaft ver.di im öffentlichen Dienst erreichen. Hier bekommen die Beschäftigten insgesamt auf die gesamte Laufzeit von 31 Monaten 7,5 Prozent mehr Gehalt. Besonders profitieren vom Gewerkschaftserfolg Berufseinsteiger und Fachkräfte.

„Mit Beträgen von 200 bis 250 Euro monatlich bekommen diese insgesamt bis zu zehn Prozent mehr“, freut sich Metzger.

Als für die Beschäftigten im Einzelhandel negativ sieht er, dass die Firma REAL aus dem Arbeitgeberverband Einzelhandel ausgetreten ist und sich dem DHV (Deutschen Handels Verband) als Tarifpartner anbietet.

„Sie wollen mit den eh schon geringen Löhnen runter“, sagte der ver.di Bezirksgeschäftsführer. Lohndumping kann aber nicht die Grundlage für ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Einzelhandel sein. Zusätzlich ging Robert Metzger noch auf das gestartete Volksbegehren zum Personalnotstand in Bayerischen Krankenhäusern ein. Die Gewerkschaft ver.di wird dieses im Interesse der Beschäftigten und der Patienten unterstützen. Denn eine gute Versorgung kann nur mit ausreichend und gut qualifiziertem Personal angeboten werden.

Sebastian Frank, Bezirkssekretär der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, informierte über den aktuellen Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe. Sebastian Frank: „Mit 5,7 Prozent Lohnerhöhung für die nächsten zwei Jahre plus drei Einmalzahlungen ist das einer der besten Abschlüsse unter den DGB Gewerkschaften“.

Außerdem erhalten Auszubildende 65 Euro mehr Ausbildungsvergütung. Dieser Abschluss wurde zwar ohne Streik aber mit massiven öffentlichen Protesten der Gewerkschaftsbeschäftigten im Bau erreicht. Der Slogan war: „Wir sind es wert“, so Sebastian Frank. Und für den BAU-Sekretär ist durch den Abschluss diese Forderung erfüllt.

Seit mehreren Jahren arbeiten die DGB Gewerkschaften mit der von der Katholischen Betriebsseelsorge zusammen. Diese hat mit Alexander Kirnberger auch eine hauptamtliche Stelle im Rosenheimer Gewerkschaftshaus.

Der Betriebsseelsorger berichtete von  einer Aktion der Allianz für den arbeitsfreien Sonntag am 14. Juli 2018 in der Rosenheimer Innenstadt. Hier wurden Passanten befragt, was ihnen zum Thema Zeit wichtig ist.

Ein Ergebnis stellte Alexander Kirnberger vor: „Die Menschen wollen mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und der Sonntag als arbeitsfreier Tag ist ihnen wichtig“. Ein Passant fasste es so zusammen: „Wir, die arbeiten, haben ein Recht zu leben“.

Katarina Koper, DGB Jugendsekretärin für die Region Oberbayern, berichtete über die Kampagne der DGB Jugend Bayern zu Landtagswahl. Mit „Reboot Bavaria“ soll Bayern neu gestartet werden, um das Leben und Arbeiten für junge Menschen besser zu machen. „Ein eigenes Leben braucht eigenes Wohnen, so ist bezahlbarer Wohnraum eines unserer Schwerpunkte“, so Koper. „Wir fordern nicht nur die Regierung auf ihren Teil beizutragen, auch Unternehmen haben die Möglichkeit die aktuelle Lage mit Werkswohnungen oder Azubiwohnheimen zu entschärfen“.

Eine weitere Forderung der DGB Jugend ist, einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlte Bildungsfreistellung einzuführen. Alle Beschäftigten in Bayern sollten ein Recht auf zehn Tage Bildungsurlaub im Jahr bekommen.

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