So viele Kranke, wie noch nie im Juli

Infektionsgefahr durch Legionellen: Gesundheitsamt Rosenheim warnt

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Im Landkreis gab es in diesem Jahr bisher 16 Erkrankungsfälle. Das sagte Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes am Landratsamt Rosenheim. „Das ist seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 der bislang höchste Wert. Allein im Juli gab es sieben Fälle, so viele Fälle wurden bislang noch nie in einem Monat gemeldet. 2017 waren es insgesamt zwölf Fälle, die an das Gesundheitsamt gemeldet wurden“, so Hierl. Grund für die hohen Zahlen dürfte das heiße Wetter der vergangenen Wochen und die aktuelle Urlaubszeit sein, heißt es am heutigen Nachmittag aus der Behörde.

Bei Legionellen handelt es sich um Bakterien, die weltweit in der Umwelt, in Oberflächenwässern und im Grundwasser vorkommen. Die Erreger können sich in vernebeltem Warmwasser, wie es beim Duschen, in Whirlpools oder bei Luftbefeuchtern auftritt, befinden. Werden diese Aerosole eingeatmet, kann es nach wenigen Tagen zu einer schweren Lungeninfektion, der sogenannten „Legionärskrankheit“ kommen.

Unbehandelt kann diese Erkrankung in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich verlaufen. Eine schwächere Form der Infektion ist das sogenannte Pontiac-Fieber.

Die fiebrige, grippeähnliche Erkrankung heilt in der Regel binnen weniger Tage ab. Gefährdet für eine Legionellose sind vor allem Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr, Senioren oder Raucher. Die Erkrankung wird nicht von Mensch zu Mensch oder über die Nahrung übertragen.

Legionellen vermehren sich in der Trinkwasser-Installation bevorzug bei Temperaturen zwischen 30 und 45 °C.

Bei bis zu 20 °C entwickeln sich die Bakterien nur sehr langsam, bei über 60 °C Wassertemperatur werden sie abgetötet.

Legionellen können sich in der Trinkwasserleitung bevorzugt in Wuchsbelägen (Biofilme) vermehren. Dies wird begünstigt, durch falsch konstruierte und betriebene Trinkwassersysteme, wenn große Oberflächen in den Trinkwasserleitungen mit selten oder gar nicht genutzten Endsträngen vorhanden sind oder Ablagerungen durch Kalk, Schlämme oder Rost bestehen.

Auch wenn in leerstehenden Wohnungen über längere Zeit Wasser in den Leitungen steht, können sich Legionellen vermehren. Die Kontamination kann sich dann auf das gesamte Gebäude ausbreiten.

Daher ist es wichtig, die Vermehrung von Legionellen im Leitungssystem der Trinkwasser-Installation zu vermeiden.

Wer eine Trinkwasser-Installation betreibt und daraus Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgibt (z.B. Vermieter von Mehrfamilienhäusern ab drei Wohneinheiten), muss nach der Trinkwasserverordnung regelmäßig Wasserproben auf Legionellen untersuchen, wenn sich darin eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung befindet und Duschen oder andere aerosolerzeugende Einrichtungen darin vorhanden sind.

Wird eine bestimmte Konzentration von Legionellen überschritten, muss dies dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Darüber hinaus müssen unverzüglich Untersuchungen zur Aufklärung der Ursache und alle Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher durchgeführt und die Betroffenen informieren werden. Das Gesundheitsamt berät die Verantwortlichen hierzu und überwacht die Einhaltung der Pflichten.

Zudem rät Dr. Hierl auch den Verbrauchern besondere hygienische Anforderungen zum Schutz vor Legionellen-Erkrankungen zu beachten:

„Grundsätzlich sollen Wasserleitungen regelmäßig genutzt werden, damit das Wasser nicht zu lange in den Leitungen steht. Wer nach einem längeren Sommerurlaub nach Hause kommt, sollten daher alle Wasserhähne und Duschen bei maximaler Temperatur etwas aufgedreht und über mehrere Minuten laufen lassen, bis das Wasser gleichmäßig heiß aus dem Hahn läuft.

Generell sollte das warme Wasser überall im Leitungssystem eine Temperatur von mindestens 55 °C haben. Am Austritt des Trinkwassererwärmers sollte stets eine Temperatur von mindestens 60 °C eingehalten werden, damit es nicht zu einem Legionellenwachstum kommt. Beachten Sie, dass Legionellen auch in Kaltwasserleitungen wachsen können, wenn das Wasser dort lange genug steht und sich erwärmt. Warm- und Kaltwasserleitungen sollten daher gut wärmeisoliert sein und regelmäßig genutzt werden.“

Bei Fragen zu Legionellen im Trinkwasser stehen die Vermieter, Hausverwaltungen, die Fachbetriebe für Sanitärinstallationen und Heizungsanlagen, die lokalen Wasserversorger sowie das Team des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim zur Verfügung.

Weitere Informationen auf der Homepage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/hygiene/wasserhygiene/legionellen/index.htm

und des Umweltbundesamtes unter:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/trinkwasserqualitaet/mikrobiologie#textpart-1

Foto: pixabay

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