Altlandkreis: Ludwig Hartmann zu Besuch

MdL der Grünen besuchte Projekte in Bad Feilnbach, Raubling und Bad Aibling

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Altlandkreis – Auf Stippvisite im Wahlkampf-E-Mobil kam MdL Ludwig Hartmann (im Foto l.), Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nach Bad Feilnbach, Bad Aibling und Raubling. Er besuchte die Eulenau, wo Bad Feilnbach ein weiteres Gewerbegebiet plant, die Sterntaler Filze mit seiner Moor-Renaturierung auf Raublinger Gebiet und das Pilotprojekt „Naturnahes öffentliches Grün“ in Bad Aibling.

Die Grünen und Vertreter des Bund Naturschutz aus der Region sowie Martin Knobel (Direktkandidat für den Landtag – Foto o., r.) hatten mit Ludwig Hartmann einen höchst interessanten Nachmittag. Bei schönstem Spätsommerwetter zeigte sich die Voralpenlandschaft unter dem Wendelstein in voller Pracht.

Gewerbegebiet Eulenau – ein Dammbruch für die Region – landschaftszerstörend und überflüssig

Der ungezügelte Flächenverbrauch in Bayern gehört bekanntlich zu den Kernthemen Hartmanns. Wie wichtig und dringend dieser Arbeitsschwerpunkt ist, war in der Eulenau zu besichtigen. Die Eulenau mit den Rosenheimer Stammbeckenmooren ist Teil des großen Renaturierungsprojekts von Bayern-Netz-Natur, das größte derartige Moorschutzprojekt überhaupt in der EU.
Für die Eulenau wurde dennoch in Bad Feilnbach kürzlich der Aufstellungsbeschluss für ein großes Gewerbegebiet (ca. 8 ha für den Teil westlich und ca. 25 ha östlich der Staatsstraße 2089) gefasst, weit abseits jeder Siedlung.

Kritik am Feilnbacher Gemeinderat

Wie es zu diesem Beschluss kommen konnte und welche Auswirkungen er auf die Region haben kann, wurde von den Anwesenden und Ludwig Hartmann lebhaft erörtert. Dabei kamen unter anderem folgende Punkte zur Sprache:

Entscheidend begünstigt wurde dieser Beschluss durch die Lockerung des Anbindegebots 2017 durch die Staatsregierung. Unter dem Motto „Optionen sichern und Möglichkeiten voll ausschöpfen“ (heißt: „Wirtschaft geht vor Natur“) will der Gemeinderat diese besonders wertvolle Landschaft ohne Not opfern, sie dem Flächenfraß und der Zersiedelung preisgeben.
Dabei sind die Möglichkeiten von anderen bereits ausgewiesenen Bad Feilnbacher Gewerbegebieten selbst bei Vollbeschäftigung im Landkreis Rosenheim längst noch nicht ausgeschöpft, beispielsweise der Gewerbepark Au-Ost mit nur etwa 20 Prozent Belegung – ein Gewerbegebiet, das zumindest direkt an eine Siedlung angebunden ist und entsprechend leicht zu erschließen war.

Ein ähnliches Gewerbegebiet im westlichen Bereich der Eulenau wurde 2007 wegen zu hoher Erschließungskosten nicht weiter verfolgt. Offenbar sind Kosten diesmal nicht mehr von Belang, obwohl sich auch an dem für die Baumaßnahmen schwierigen Untergrund ja nichts geändert hat. Bauen auf weichem Seeton ist noch immer sehr kostenintensiv und eine besondere Herausforderung. So könnte, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Eulenau viel Geld versenkt werden. Gleichzeitig würde sich der Wasserhaushalt der feuchten Wiesen und Wälder in der Umgebung gravierend verändern, und zwar negativ durch Maßnahmen zur Entwässerung.

Ein Gewerbegebiet in der Eulenau würde unzweifelhaft weitere Begehrlichkeiten wecken und vermehrten Siedlungsdruck auf die Flächen entlang der Autobahn und Autobahnzubringer bedeuten.

Wer die Zeichen des Klimawandels, die verdorrten Landschaften, auch im Norden Bayerns heuer wahrgenommen hat, dem fällt ins Auge, wie saftig grün die Wiesen im Alpenvorland dastehen. Landwirtschaftliche Flächen, für die die Landwirte selbst auch kämpfen sollten, zusammen mit den Naturschützern an ihrer Seite.

Wem Natur, Landschaft und naturnahe Landwirtschaft als unsere Lebensgrundlagen am Herzen liegen, der kann über den Sinneswandel der Gemeinde Bad Feilnbach, die hier den Ausverkauf ihrer Landschaft – Kapital und Markenkern des Tourismus für die ganze Region – nur verwundert den Kopf schütteln.

Moor-Renaturierung in der Sterntaler Filze

Nach der Eulenau und einem Zwischenstopp im Gewerbepark Au-Ost besuchte die Gruppe ein Juwel der Region, die Sterntaler Filze auf Raublinger Gebiet, und ließ sich dort über den besonderen Wert der Moore für die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, als CO2-Senke und über den Fortschritt der Moor-Renaturierung informieren. Intakte Moore können große Mengen an Kohlenstoff dauerhaft speichern und ihn so der Atmosphäre in Form von Kohlendioxid (CO2) entziehen. Doch dies ist erst möglich, wenn sich genügend Torfmoos an der Oberfläche gebildet hat und als Deckel gegen den Sauerstoff aus der Luft abschirmt. Dieser Prozess ist im Rahmen der Moor-Renaturierung in der Sterntaler Filze noch im Gange, wobei sich das Torfmoos erfreulicherweise gut entwickelt. Statt der erwarteten 1 Millimeter pro Jahr, wächst es bis zu 10 Millimeter.

Nach der Sterntaler Filze ging es über den Ortsteil Wiechs zurück nach Bad Feilnbach. Die Gruppe begeisterte sich an den Obstständen, die auch mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen und einer Rast einluden. Bezeichnend für alle Verkaufsstände ist das Vertrauen, das die Obstbauern hier ihren Kunden entgegenbringen: Verkauft wird per Selbstbedienung und bezahlt wird bar in die danebenstehende Schachtel – ein Appell an die Ehrlichkeit. Hoffentlich hält sich jeder dran!

Pilotprojekt „Naturnahes öffentliches Grün“ in Bad Aibling
Die letzte Station im Landkreis Rosenheim war für Ludwig Hartmann an diesem Tag der Besuch eines Pilotprojekts „Naturnahes öffentliches Grün“ in Bad Aibling. Dieses Pilotprojekt entstand im Jahr 2015 in Kooperation mit den Gartenfachberatern des Landratsamtes Rosenheim und dem Biologen Dr. Reinhard Witt auf der Grundlage des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Es lässt sich leicht mit dem kürzlich von der Landtagsfraktion eingebrachten Artenschutzgesetz in Verbindung bringen, einem weiteren Kernthema von Ludwig Hartmann.

Anlage und Pflege der Pilotflächen liegen in den Händen des städtischen Bauhofes. Der Bauhofleiter und Stadtgärtner, Peter Stefan, war gerne bereit, über seine Erfahrungen nach drei Jahren Flächenbetreuung zu berichten. Mit von der Partie waren auch die Aiblinger Stadträtinnen Katharina Dietel (2.v.r.) und Martina Thalmayr (r.) (beide Grüne offene Liste, GOL) sowie die grüne Kreisrätin Anita Fuchs (l.).

Die erfolgreich beendete Pilotphase soll nach Auffassung der Stadträtinnen der Grünen nun ausgeweitet werden, das heißt: die Ansaat und Pflanzung heimischer Wildpflanzen zur Regel werden. Dazu haben sie erst kürzlich zusammen mit Kreisrätin Anita Fuchs einen entsprechenden Antrag formuliert und eingebracht.

Peter Stefan ist optimistisch, was die Umsetzung des Antrags anbelangt, da auch die Bauhof-Mitarbeiter überzeugt und motiviert sind. Entscheidend ist ebenfalls das Interesse der Aiblingerinnen und Aiblinger, wie sie sich von den naturnahen Blühflächen inspirieren lassen. Der Funke soll überspringen und mehr Artenvielfalt in die privaten Gärten bringen. Er habe schon etliche Anfragen zu den Saatgutmischungen, zu Planzungen und Bezugsquellen erhalten, sagt Stefan.

Das ist doch ein Lichtblick für Schmetterling, Biene & Co.!

 

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