Raubling: Schieben wir die Falschen ab?

Fall Nawaz beschäftigt Kollegen und Politiker - Michael Linnerer (FDP) kämpft für Verbleib

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Raubling – Letzte Woche erhielt der 35-jährige Nawaz, Flüchtling aus Pakistan, von BAMF eine Aufforderung, freiwillig Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen. Ein Fall der eigentlich nicht verwundert, denn Nawaz wird vom BAMF als Wirtschaftsflüchtling eingestuft, hat er doch bei seiner Einreise nach Deutschland schlichtweg die Wahrheit gesagt und nicht wie negative Beispiele falsche Angaben zu seinem Herkunftsland und/oder Verfolgung gemacht.

Warum schieben wir nun die Falschen ab? Das schildert Markus S. (im Foto r.), stellvertretender Küchenchef der Raublinger Bäckerei und Restaurant Schmid in einem persönlichen Gespräch dem FDP Landtagskandidaten Michael Linnerer (im Foto l.).
Nawaz arbeitet seit über einem Jahr bei der Bäckerei Schmid. Durch seinen Willen, Einsatz und Engagement hat er sich in dieser Zeit bereits vom Spüler zur Küchenhilfe hochgearbeitet. Er bereichert als wichtige Stütze und durch seine sehr freundliche Art das Team der Bäckerei Schmid.

Nawaz hat bereits vor 15 Jahren Pakistan Richtung Griechenland verlassen. Dort arbeitete er zehn Jahre lang. Durch die immer schlechter werdende wirtschaftliche Situation vor Ort, verließ er vor einigen Jahren Griechenland um in Deutschland durch seine eigenen Leistungen ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.
Heute verdient er selbst sein Geld, zahlt in Deutschland Steuern und Sozialabgaben, legt darauf wert, sich westlich zu kleiden und spricht gut Deutsch. Kurz gesagt: er ist mehr als voll in unsere Gesellschaft integriert, denn er besetzt zudem bei der Bäckerei Schmid eine Nische.
Markus S. schildert, dass die Bäckerei Schmid im Bereich seit Jahren fast keine Arbeitskräfte in der Küche und Bäckerei findet. So sind Mitarbeiter aus anderen Ländern – oftmals Flüchtlinge – zu einem festen und wichtigen Bestandteil der Belegschaft geworden. Menschlich aber auch aus unternehmerischer Sicht stellt die Ungewissheit riesige Probleme dar. MIchael Linnerer dazu: „Es darf nicht sein, dass den Firmen, wie der Bäckerei Schmid, laufend die dringend benötigten Arbeitskräfte abgeschoben werden.“

Hier machte die Bäckerei Schmid in der Vergangenheit bereits einige negative Erfahrungen. Markus S.  betont, dass die „3+2 Lösung“ (Anmerkung: 3 Jahre Ausbildung und anschließend 2 Jahre Bleiberecht für Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen, welche nicht von Deutschen besetzt werden kann) für die Bäcker-Lehrlinge und für den Betrieb ebenfalls keine sinnvolle Lösung darstellt. Im Gegenteil: Wird eine Arbeitskraft nach fünf Jahren abgeschoben, ist das für das Unternehmen noch schmerzlicher.

„Hier bietet nur ein dringend umzusetzendes Einwanderungsgesetz mit einem Spurwechsel für integrierte, arbeitswillige und von der Wirtschaft benötigte Flüchtlinge, wie Nawaz, eine für die Flüchtlinge und Betriebe sinnvolle Lösung“, sagt Linnerer.

Aber nicht nur für die Bäckerei Schmid ist die Abschiebung, die nach Frist von einer Woche (!) droht, eine Katastrophe. Nach 15 Jahren Abwesenheit würde Nawaz in Pakistan vor dem Nichts stehen. Rechtlich würde er in Pakistan als Flüchtlings-Rückkehrer gelten, der keinerlei Anspruch auf soziale Absicherung besitzt und für den der soziale Untergang programmiert ist.

Michael Linnerer: „Wird Nawaz abgeschoben, wird definitiv wieder einmal einer der falschen – ein arbeitender, ehrlicher, voll integrierter und als Arbeitskraft dringend benötigter Flüchtling – abgeschoben!“

 

 

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