Bad Feilnbach: Bahntrasse? Nicht hier!

Gut besuchter Infoabend zum Brenner-Nordzulauf - Bahnmitarbeiter stellten sich den Bürgern

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Bad Feilnbach – Es ist noch lange Zeit. Bis die ersten Züge auf neuen Trassen gen Brennertunnel fahren werden, wird es noch mindestens 20 Jahre dauern. Vielleicht waren deshalb die Bürger der Gemeinde Bad Feilnbach in der Vergangenheit bezüglich dieses Themas etwas schläfrig. Das dürfte sich spätestens nach der Info-Veranstaltung zum Brenner-Nordzulauf, die am Freitagabend rund 200 Interessierte in die Turnhalle lockte, geändert haben. Denn die Feilnbacher sahen sich hier vielleicht zum ersten Mal sehr anschaulich mit dem Worst Case Szenario konfrontiert: Eine lange Bahntrasse durch Gemeindewiesen und -wälder, haarscharf am Ort vorbei.

Dass dies nur eine von rund sieben möglichen Varianten ist, die die Planer der Bahn als erste Entwürfe von Grobtrassen ins Auge gefasst haben, konnte die eine oder andere aufgebrachte Bürgerseele kaum beruhigen. Dass in ferner Zukunft die einzigartige Natur rund um den Kurort durch eine Banntrasse ge- oder zerstört wird und zudem zahllose Güterzüge durch die Landschaft pflügen – dieser Gedanke war für die Besucher dann doch schon wie ein kleiner Science-Fiction-Horrorfilm.

Um die Bürger sachlich, klar und ehrlich zu informieren standen mehrere Bahn-Mitarbeiter den Gästen an fünf in der Halle aufgebauten Infoständen Rede und Antwort. Bürgermeister Anton Wallner (im Foto l.), der diesen Abend initiiert hat, wünschte sich von den Einwohnern, dass sie sich gründlich informieren und anschließend engagieren. „Nachdem es solche Infoveranstaltungen schon in anderen betroffenen Gemeinden gegeben hat, haben wir diese Gelegenheit nun auch bei uns“, sagte er und schloss daran eine Bitte: „Leisten Sie Widerstand. Anderswo haben sich bereits mehrfach Bürgerinitiativen gegründet. Das ist auch in Bad Feilnbach erwünscht – 2019 sollte es so weit sein.“

Rund zwei Stunden lang gab es daraufhin lebhafte Diskussionen an den Ständen, hart in der Sache, fair im Ton. Wobei die Bahnmitarbeiter, die die Feilnbacher schon vorab aufforderten „kein Blatt vor den Mund zu nehmen“, geduldig auf jeden Einwand eingingen und auch zum Abschluss in der allgemeinen Runde noch einmal auf offen gestellte Fragen antworteten.

Sie machten den Anwesenden mehrmals klar, dass die hier vorgestellten Grobtrassen-Entwürfe noch nicht einmal die Vorplanungsstufe erreicht hätten, sondern nur eine erste Auswertung eventuell möglicher Strecken hinsichtlich Naturschutz, Bürgerinteressen und Raumwiderständen sei. Hier sind noch viele Möglichkeiten offen, eine bevorzugte Strecke gibt es noch nicht. Lediglich eine von einigen Bürgern angeregte komplette Untertunnelung von München bis Innsbruck sei vom Tisch.

Der Brenner Nordzulauf, der die Region in den kommenden Jahren immer mehr beschäftigen wird, ist ein Teil eines Gesamtkonzepts der Bahn. Der sogenannte „TEN-Korridor“ soll möglichst komfortabel, geradlinig und reibungslos für den Personen- und Güterverkehr von Südfinnland bis nach Sizilien sorgen.

In diesem Punkt waren sich wohl die meisten Beteiligten einig: Eine zukünftige Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene ist notwendig, die meisten Fernstraßen stehen vor dem Lkw-Kollaps, eine Änderung muss her. Das sieht auch Anton Wallner so, allerdings mit einer Einschränkung, wie er am Ende des Abends an die Bahn-Mitarbeiter gewandt sagte: „Sie wollen die Trasse – und ich will sie nicht hier.“ Der Beifall seiner Bürger war ihm gewiss.

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