Bad Aibling: Gegenwind für Winhart

Stellungnahme des Gesundheitsamtes: „Keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende"

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Bad Aibling/Landkreis – Wenn das mal kein Eigentor war: Nachdem AfD-Kandidat Andreas Winhart auf Wahlkampfveranstaltungen laut über mögliche Infektionsgefahr durch Flüchtlinge redete (wir berichteten), kontaktierten etliche Bürgerinnen und Bürger das Staatliche Gesundheitsamt. Da Winhart in seinen Reden das Gesundheitsamt als Quelle nannte, sah sich die Behörde nun veranlasst, auf ihrer Homepage eine Mitteilung zu veröffentlichen. Tenor: Die Gefährdung ist „nicht relevant“. Die Mitteilung im Wortlaut:

Wir stellen fest, dass „unglaublich viele HIV-, TBC- und Krätzefälle“ wie Winhart behauptet, durch das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Rosenheim nicht bestätigt werden können.

Damit Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen können, stellen wir Ihnen die Fragen von Herrn Winhart und die dazugehörigen Antworten aus einem Schreiben von Dr. Wolfgang Hierl, dem Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, an ihn zur Verfügung:

Fragen:
• Gab es in Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Rosenheim seit 2015 Krätze-Fälle? Wenn ja, welche Maßnahmen (z.B. Ausgangsverbot etc.) wurden zum Schutz der heimischen Bevölkerung ergriffen?

• Gab es in Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Rosenheim seit 2015 TBC-Fälle? Wenn ja, welche Maßnahmen (z.B. Ausgangsverbot etc.) wurden zum Schutz der heimischen Bevölkerung ergriffen?
• Wie hoch ist die HIV-Rate in den Flüchtlingsheimen in Stadt und Landkreis Rosenheim?

Antworten:
• Fallzahlen zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden:

Seit dem 4. Quartal 2015 besteht die Möglichkeit für die Gesundheitsämter bei der elektronischen Übermittlung von Meldefällen nach IfSG an die Landesmeldestelle in der Meldesoftware bei Asylsuchenden zusätzliche Angaben zu übermitteln, wenn die Information im Gesundheitsamt vorhanden ist.

• Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim wurden dementsprechend von 2015 bis 2018 (Stand: 23.08.2018) 118 Fälle an Tuberkulose entsprechend der Referenzdefinition des Robert Koch-Instituts (RKI) erfasst und an die zuständige Landesmeldestelle übermittelt. Bei 43 Personen war dem Gesundheitsamt der Status als Asylbewerberin oder -bewerber oder UMA (unbegleitet, minderjährig) bekannt und wurde entsprechend in der Meldesoftware angegeben. Statistische Erhebungen zu Tuberkulose-Fällen in Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Rosenheim liegen dem Gesundheitsamt Rosenheim nicht vor.

• Dem Gesundheitsamt Rosenheim liegen bei zwei Asylsuchenden positive HIV-Testergebnisse vor. Statistische Erhebungen zur HIV-Rate in Flüchtlingsheimen in Stadt und Landkreis Rosenheim existieren nicht.

• Für Krätze (Scabies) wurde eine Meldepflicht nach § 36 Abs. 3a IfSG für Leiter von Gemeinschaftsunterkünften erst zum 17.07.2017 eingeführt. Aussagen zu Erkrankungsfällen davor können daher nicht gemacht werden. Dem Gesundheitsamt liegen zwischen 2017 und 2018 Meldungen zu sieben Fällen von Scabies in drei Unterkünften vor.

Gesundheitsschutzmaßnahmen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

Das RKI (Robert Koch-Institut) sieht keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende. Diese sind grundsätzlich durch die gleichen Infektionskrankheiten gefährdet wie die einheimische Bevölkerung in Deutschland. Die anstrengende Reise, ein oft fehlender Impfschutz und die enge räumliche Situation in den Aufnahmeeinrichtungen können jedoch dazu führen, dass Asylsuchende empfänglicher für einige Infektionskrankheiten sind. Meistens handelt es sich um Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte. Das Übertragungsrisiko lässt sich hier durch einfache hygienische Maßnahmen (z.B. häufiges Händewaschen, Räume regelmäßig lüften, Reinigung häufig berührter Flächen und Türgriffe) erheblich verringern. Das RKI schätzt die Möglichkeit des Imports von hierzulande seltenen Infektionskrankheiten durch Asylsuchende nach Deutschland aktuell als gering ein.

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