Feldkirchen-Westerham: Verkehr im Fokus

Gut besuchte Bürgerversammlung am Donnerstagabend - Diskussionsbedarf bei der Aiblinger Straße

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Feldkirchen-Westerham – Was bewegt die Bürger einer Gemeinde mehr als die Verkehrssituation? Die Bürgerversammlungen landauf, landab zeigen: So gut wie nichts. Auch beim Treffen im Westerhamer Trachten- und Schützenhaus war das nicht anders. Die rund 150 anwesenden Bürger von Feldkirchen-Westerham diskutierten am Donnerstag Abend lange und ausgiebig über den geplanten Ausbau der Aiblinger Straße, Tempo-30-Zonen und Umgehungsstraßen. Bürgermeister Hans Schaberl gewährte den Anwesenden dafür viel Zeit – seinen einführenden Vortrag über die Zahlen, Pläne und geleisteten Arbeiten der Gemeinde wickelte er in Rekordzeit ab.

Denn: „Ich will Euch da nicht langweilen. Außerdem kann man das sowieso alles auf der Gemeinde-Seite im Internet nachlesen.“ Und so ging es in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde um die Themen, die den Bürgern offensichtlich wirklich wichtig sind. Dabei kreiste wie so oft die Frage auch darum, nach welchen Kriterien Tempo-30-Zonen vergeben werden. Tatsächlich hat eine Gemeinde da wenig Handhabe, letztendlich braucht es grünes Licht aus dem Landratsamt, nach Rücksprache auch mit der Polizei. Und so besteht in Feldkirchen-Westerham die kuriose Situation, dass vor dem KiWest weiterhin mit Tempo 50 gefahren werden darf, da laut Landratsamt „der Eingang zu weit von der Straße entfernt ist für eine Gefährdung der Kinder.“

Auch Hans Schaberl kann wie die meisten im Saal darüber nur den Kopf schütteln, er gestand aber auch: „In Feldkirchen-Westerham gab’s bisher kein Verkehrskonzept. Das war ein Fehler, den wir jetzt ändern. Inzwischen gibt’s den Arbeitskreis Verkehr, der sich damit befasst. Denn mit einem Gesamtkonzept haben wir beim Landratsamt leichteres Spiel.“

Denn Tempo 30 soll auch in der Aiblinger Straße bestehen bleiben, die irgendwann ausgebaut und erneuert werden muss. Spätestens dann, wenn ein neuer Nahversorger dort seine Türen öffnet. Schon heute befahren laut Angaben des Bürgermeisters täglich rund 6.000 Fahrzeuge die Straße, bei Staus auf der Autobahn oder auf der Staatsstraße entsprechend mehr. Steht erst einmal das Einkaufsztentrum, wird die Anzahl stark steigen.

Doch Straßenausbau hin oder her – im Endeffekt kann der Ort nur der chaotischen Verkehrslage Herr werden, wenn irgendwann einmal die schon lange geforderte Umgehungsstraße kommt. Aussicht auf eine schnelle Lösung besteht hier aber nicht. Schaberl: „Bisher habe ich von der Regierung trotz hoher Priorität hierzu keine Antwort zur Machbarkeit erhalten. Eine Studie und Zahlen gibt’s frühestens Mitte nächsten Jahres.“ Dazu sagt er auch: „Eine Straße bauen ist leicht und das Eine. Das Andere aber ist die dafür nötige Fläche. Die muss man erst einmal besitzen. Und ich werde mich hüten, als Bürgermeister einen Spatenstich für eine Straße zu machen, bei der ich nicht von A bis Z die Fläche habe.

Und so müssen die Bürger schauen, wie sie inzwischen am besten und schnellsten von A nach B kommen. Doch wollen sie das mit der Bahn tun, hängt es oft schon am „A“ wie Aying für all diejenigen, die nach München fahren. Die Busverbindungen zur S-Bahn dort sind eher bescheiden, da gibt’s für Nicht-Autofahrer nur der Umweg und die Fahrt durch mehrere Tarifzonen über Kreuzstraße. Auch hier wünscht sich der Rathauschef attraktivere Preise und Fahrpläne, um eine echte Alternative zum Individualverkehr zu bieten.

Weiterer Aufreger: Die geplante Neugestaltung des Dorfplatzes. Für Walter Engl, Sprecher des Ortsrats Feldkirchen, ist das geplante Wohn- und Geschäftshaus viel zu groß dimensioniert. „Dazu liegt der Spielplatz dahinter dann in den Herbstmonaten im Schatten. Das beeinflusst das Klima und das Aussehen des Platzes massiv“, sagte er. Hans Schaberl wollte hier bewusst den Ball flachhalten. Er meinte: „Das Ganze wird meiner Meinung nach viel zu hoch gespielt. Wir sind hier erst in einer ersten Planungsphase. Im Vorfeld wird immer viel geschimpft, wir können da gerne mit allen Bürgern eine Begehung machen und auch die Pläne sind im Rathaus ausgelegt. Doch die Erfahrung zeigt, dass oft das Interesse an so etwas eher gering ist.“ Dem Ortsrat-Sprecher ist das ebenfalls bewusst. Deshalb sein Appell an die Bevölkerung: „Bitte alle an so etwas beteiligen. Denn wenn nur fünf Leute kommen, darf man sich hinterher nicht beschweren, wenn irgendwann einmal die Bagger anrollen.“

Auch die geringe Anzahl an überdachten Radlständern an der Schule, zu viele Räder am Bahnhof, von denen einige ewig lange dastehen, und zu wenig Möglichkeiten, auf geeigneten Flächen für Kulturveranstaltungen zu werben, wurden angesprochen. Schaberl war sich da der Missstände durchaus bewusst und versprach, sich um die Dinge zu kümmern. „Lange abgestellte Räder am Bahnhof werden wir mal wieder kennzeichnen, denn ich denke, dass da nur ein Drittel davon benutzt wird. Offensichtlich hat ein Fahrrad heute für viele Leute keinen Wert mehr.  An der Schule haben wir schlicht ein Platzproblem und die Angebote für Plakatflächen waren mir bisher zu teuer. Ich denke, dass das mit einem einheimischen Schreiner viel günstiger geht.“

Als am Ende einiger angeregten Diskussionen keine Fragen mehr offen waren, zeigte sich das Gemeindeoberhaupt in seinem Schlusswort sehr erfreut über die Besucherzahl: „Ich bin richtig stolz, dass so viele Leute gekommen sind. Das zeugt von Interesse am Gemeinedeleben. Und was wäre eine Bürgerversammlung ohne Bürger …“

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