Beneidenswerte kulturelle Vielfalt

Landkreis Rosenheim verlieh Kulturpreise im Gymnasium Raubling - Preis auch für Aiblinger Mosaik

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Raubling/Landkreis – Im 60. Jahr ihres Bestehens sind die Inntaler Sänger mit dem Kulturpreis 2018 des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet worden. In der Aula des Gymnasiums Raubling ehrte der stellvertretende Landrat Josef Huber am Donnerstagabend zudem das Riederinger Gesangstrio Geschwister Moosrainer und den Priener Organisten Aaron Voderholzer mit dem Kulturförderpreis sowie das Jugendkulturzentrum Mosaik in Bad Aibling für Varieté Divinitas aus Bad Aibling und den Landfrauenchor Rosenheim mit dem Kultursonderpreis. Die Laudationes hielt der Kulturreferent des Landkreises, Christoph Maier-Gehring.

Seit 1985 verleiht der Landkreis Rosenheim den Kulturpreis. „Es ist jedes Jahr ein Highlight im Jahresverlauf“, sagte der stellvertretende Landrat Josef Huber zu Beginn des kurzweiligen Abends. Er berichtete, dass zahlreiche hochkarätige Vorschläge eingereicht und alle Preisträger einstimmig ausgewählt wurden. „Für die kulturelle Vielfalt im Landkreis sind wir zu beneiden“, so sein Fazit. Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger freute sich für die Inntaler Sänger: „Das 60-jährige Jubiläum ist schon eine Auszeichnung wert. Für mich ist der Kulturpreis ein Preis für euer Lebenswerk.“ Abschließend begrüßte noch der kommissarische Schulleiter Erich Menacher Preisträger und Gäste.

Drei höchst professionelle Vollblutsänger

Bei wunderbaren Kuchen und Kaffee, so berichtete es Christoph Maier-Gehring, lernte er mit den Inntaler Sängern drei mehr als gestandene Persönlichkeiten kennen, gelassen und bedächtig. Drei höchst professionelle Vollblutsänger und Musiker, die nie eine Musikhochschule von innen gesehen haben. Die Geschichte der Inntaler Sänger begann 1958. Schon damals entschied man sich gegen den Zeitstrom, lobte der Kulturreferent. Statt auf volkstümliche setzten die Inntaler Sänger auf echte Volksmusik. Das bayerische Liedgut im Gepäck hatten sie Auftritte in vielen Ländern Europas und in den USA. Dazu kamen eine ganze Reihe an Rundfunk- und Fernsehauftritten sowie die Veröffentlichung von vier CDs. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielten die Volksmusiksänger aus dem Inntal 1994 das Bundesverdienstkreuz am Bande und wie Christoph Maier-Gehring am Ende meinte, endlich auch den Kulturpreis des Landkreises Rosenheim.

Das Publikum gratulierte mit stehendem Applaus. Anschließend bedankte sich Sepp Wieland auch im Namen seiner Sängerkollegen Peter Anderl und Franz Singer für die Auszeichnung: „Es ist eine große Ehre, im Jubiläumsjahr zu allen Glückwünschen und Geschenken noch diesen Preis zu erhalten.“ Wieland erinnerte zudem an den 2007 verstorbenen Koni Bauer: „Wir wollen ihn nicht vergessen. 44 Jahre hat er mit seinem gewaltigen Bass mit uns gesungen.“

 

Stolz auf die Förderpreisträger

Bevor der Laudator zur Würdigung der diesjährigen Kulturförderpreisträger kam, blickte er auf den Werdegang früherer Preisträger zurück. Anfang November hatte Maier-Gehring die 20-jährige Pianistin Johanna Bufler aus Wasserburg in New York getroffen. Die Förderpreisträgerin von 2013 studiert dort seit vier Jahren an der Juilliard School, der besten Musikhochschule der Welt. Der erste Förderpreisträger aus dem Jahr 1996, der Aiblinger Chris Gall ist inzwischen ein international anerkannter Jazzpianist. Auch die Preisträger von 2010, 2011 und 2012, der Pianist Christoph Declara, der Geiger Christian Reif und sein Bruder, der jetzige Dirigent Thomas Reif sowie der Organist Johannes Berger haben längst in der nationalen und internationalen Klassikwelt Fuß gefasst. Der Pianist Thomas Schuch, Preisträger von 2015, wird ihnen sicher bald folgen, ist sich Christoph Maier-Gehring sicher. Abschließend erwähnte er noch die Poetry-Slamerin Eva Niedermeier auf Bad Aibling. Die Kulturförderpreisträgerin von 2016 ist inzwischen in ganz Deutschland erfolgreich unterwegs. „Wir können stolz sein auf unsere Förderpreisträger“, sagte der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim und meinte sicher auch, ohne es zu erwähnen, das gute Näschen der Mitglieder des Kulturausschusses, die über die Förderpreisträger entscheiden.

In diesem Jahr wurden mit Aaron Voderholzer und den Geschwistern Moosrainer zwei Kulturförderpreisträger ausgewählt. Ronja, Magdalena und ihr Bruder Simon Moosrainer lernten jeweils Instrumente. Die Impulse, gemeinsam zu Singen, kamen in erster Linie aus dem Trachtenverein Riedering. Für Christoph Maier-Gehring ein „wunderbarer Beweis, welch wichtige Rolle die Trachtenvereine für die musikalische Erziehung bei uns spielen.“ Seit vier Jahren nehmen die drei Ensembleunterricht. Unter anderem standen sie schon beim „Jedermann“ in Salzburg auf der Bühne und gewannen 2016 mit dem Wasserburger Löwen und dem Zwieseler Jugendfink zwei renommierte Nachwuchs-Volksmusikpreise. Zuletzt wurde den Geschwistern Moosrainer im vergangenen Monat beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck das Prädikat „ausgezeichnet“ verliehen. Maier-Gehring ist sich sicher, dass „wir in den nächsten Jahren noch viel Freude an ihnen haben werden.“

Mit sechs Jahren begann Aaron Voderholzer mit dem Klavierspielen. Bereits ein Jahr später, mit sieben Jahren, wollte er unbedingt zur Orgel wechseln, was ihm nach einem kurzem Vorspielen aus erlaubt wurde. An seiner Begeisterung für die „Königin der Instrumente“ hat sich nichts geändert. Aaron Voderholzer begann im Herbst sein Voll-Studium an der Münchner Musikhochschule mit dem Ziel, Organist im Konzertfach zu werden. Der in Prien lebende junge Musiker gewann den ersten Preis im Fach Orgel im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ und wurde heuer Zweiter im Bundeswettbewerb in Lübeck. Aaron Voderholzer hat aber nicht nur Musik im Kopf. Sein Abitur schloss er mit der Traumnote von 1,0 ab und als Fußballer, Fußball-Schiedsrichter, Bergsteiger und zukünftiger Skilehrer findet er seinen Ausgleich. „Er wird einen wunderbaren Weg gehen“, sagte Christoph Maier-Gehring und gratulierte auch ihm ganz herzlich zum Kulturförderpreis.

Sonderpreis an „Varieté Divinitas“ des Aiblinger Jugendkulturzentrums Mosaik

Auch der Kultursonderpreis des Landkreises Rosenheim wurde in diesem Jahr zwei Mal vergeben. An die 30 Jugendliche und junge Leute zwischen 15 und 30 Jahren verwirklichten das Projekt „Varieté Divinitas“ des Jugendkulturzentrums Mosaik in Bad Aibling, das vom FOKUS Familiennetzwerk e.V. getragen wird. Die Leiterin des Jugendzentrums Mira Struckmeier entwickelte die Geschichte. Bei der Umsetzung konnten sich alle Beteiligten einbringen. Christoph Maier-Gehring sah das Stück: „Ich war begeistert, was die Jugendlichen da auf die Bühne gezaubert haben.“ Er nannte es „eine kluge und philosophische Auseinandersetzung mit dem großen Thema „Mensch sein“. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Eine Show also mit Tiefgang.“ Darüber hinaus beeindruckte den Laudator ein weiterer Aspekt. Ziel des Projektes war es nämlich auch, die Jugendlichen in ihrer Selbständigkeit und ihrem Selbstvertrauen zu stärken. „Ich bin mir sicher, die jungen Menschen haben viel für ihren weiteren Lebensweg profitiert.“

1978, vor 40 Jahren, wurde der Landfrauenchor von der Ortsbäuerin Lotte Roßnagel gegründet. Aus den anfänglichen Proben samt geselligem Beisammensein in den Stuben der Chormitglieder entwickelte sich ein konzentriertes wöchentliches Gesangstreffen. Zudem wird einmal im Jahr ein Chorwochenende abgehalten. Die rund 30 Sängerinnen beherrschen ein Repertoire von um die 80 weltlichen und geistlichen Liedern, viele davon aus den Liederbüchern von Wastl Fanderl. 2009 übernahm Heide Hauser die Leitung von Gründungsmitglied Marga Weber. Ihr großes Anliegen ist das Weitertragen des schönen alpenländischen Liedguts. Christoph Maier-Gehring lobte den Chor als „ein wirkliches Aushängeschild des Landkreises. Darauf können alle Mitglieder und die Chorleiterin Heide Hauser sehr stolz sein.“

Der Landkreis Rosenheim vergibt die Kulturpreise jährlich, um Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen zu ehren, die sich besondere Verdienste um die Kultur im Landkreis erworben haben. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, der Kulturförderpreis mit je 2.500 Euro und der Kultursonderpreis mit je 1.500 Euro.

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