Bruckmühl: Falschparker werden nicht überwacht

Bürgerversammlung am Mittwochabend - anwesende Bürger lehnen generelle Kontrollen des ruhenden Verkehrs ab

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Bruckmühl – Am Anfang war die Brücke – und am Ende ging es mal wieder um die Verkehrssituation in der Marktgemeinde. Auf der Bruckmühler Bürgerversammlung wurden wie fast in jedem Jahr die Dauerbrenner diskutiert: Schlechter Zustand einiger Wege und Straßen, vogelwild parkende Autofahrer, Raser und zu viel Verkehr in einigen Gemeindeteilen. Doch bevor die Bürger in der Realschul-Aula am Mittwochabend darüber sprechen konnten, hatte erst einmal Bürgermeister Richard Richter das Wort. Und das ergriff er in seinem Rückblick auf Geleistetes und dem Ausblick auf zu Leistendes ausgiebig.

Denn am Ende seiner einführenden Rede, in der er Bilanz zum Jahr 2018 zog, war er selbst überrascht über die Dauer: „Oh, zweieinviertel Stunden – jetzt machen wir erstmal eine Pause“, sagte er mit einem Lächeln. Dabei langweilte er die rund 90 anwesenden Zuhörer nicht, sondern hatte viel Wissenswertes aus Bruckmühl zu berichten. Und hier stand das Jahr ganz im Zeichen der Brückenneubauten, die den Gemeindebürgern einiges an Geduld und Verständnis abverlangten. Dabei ging der Bau der Mangfall- und Kanalbrücke sowie der Triftbachbrücke in Heufeldmühle ohne größere Schwierigkeiten über die Bühne.

Da in diesem Jahr die Wasserstände meist nieder waren, konnte mit wenig Unterbrechungen gebaut werden, am Ende war man etwa vier Wochen vor dem anvisierten und geplanten Zeitpunkt fertig (wir berichteten). Dazu freute sich Richter darüber, dass es eine „behütete Baumaßnahme ohne größere Unfälle war“.

Zur 36 Meter langen und 14 Meter breiten Mangfallbrücke, die drei Millionen Euro kostete, gab’s von der Staatsregierung Fördergelder von 1,5 Millionen, die Gemeinde selber steuerte dazu 300.000 Euro bei. Für die Triftbachbrücke gab es einen Zuschuss von 160.000 Euro.

Doch damit ist das Brückenthema in Bruckmühl noch nicht beendet. „Die Hainerbachbrücke sollte 2018 schon neu gebaut werden, das haben wir auf 2019 verschoben“, sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: „damit uns die Brückenbauwerke nicht ausgehen …“

Ebenfalls 2019 soll dann das Bürgerhaus am Bahnhof umgebaut werden. Hier will Bruckmühl ein kulturelles Zentrum für die Gemeinde entstehen lassen, nach einigen Änderungen fanden der Um- und der Anbau nun Zustimmung im Gemeinderat.

Im Vorausblick auf die kommenden Jahre beschäftigt vor allem das Thema Alt und Jung die Gemeinde. Einerseits soll ein neues Altersheim entstehen, andererseits wird spätestens 2021 eine weitere Kindereinrichtung benötigt, wenn die Geburtenrate sich weiter so entwickelt wie in den vergangenen Jahren. Hier setzt der Rathauschef auf die Bebauung der Rösnerwiese, wo ein neuer Kindergarten eingeplant ist.

Erleichtert zeigte er sich über die Entwicklung der Grünfuttertrocknungsanlage in Hornau. Dort machte die Firma Dettendorfer den Schwenk von der stark kritisierten geplanten Verarbeitung von Klärschlamm zur Trocknung von Obst und Grünpflanzen zu hochwertigem Tierfutter.

Zwergenaufstand am Kreisel

Auch die Zwerge am Sonnenwiechser Kreisel, die in der Gemeinde für kontroverse Diskussionen sorgten, waren Richard Richter eine Erwähnung wert. Noch einmal bekräftigte er, dass Künstler Rupert Dorrer diese blauen Figuren dort nach Rücksprache der Gemeinde kostenlos aufgestellt hat und diese als kleiner Gag über sechs Wochen gedacht waren, um etwas Farbe in den Straßenalltag zu bringen. Trotzdem unterstellten in diesem Jahr einige Bürger der Verwaltung, dass die Gemeinde 72.000 Euro für die Zwerge gezahlt hätte. „Das stimmt natürlich nicht – es waren 92.000″, sagte Richter mit einem Augenzwinkern.

Ein echtes Ärgernis dagegen waren in den vergangenen Jahren die immer wiederkehrenden Bettlerbanden am Höglinger Weiher und auch in der Gemeinde. Doch hier hatte der Bürgermeister gute Nachrichten für die Zuhörer: Durch enge Zusammenarbeit mit der Polizei und den Mitarbeitern des Bauhofs, die mehrmals in der Woche auf Streife gegangen sind, um das Wildcampen und das Müllwegwerfen zu unterbinden, ist das Zelten der Bettlerbanden am Weiher so gut wie nicht mehr existent. „Hier wurden konsequent Hausverbote ausgesprochen“, sagte er, um kurz darauf einen weiteren Aufreger anzusprechen: die Anhäufung von Müll an den Wertstoffinseln im Ort, der einfach davor abgestellt wird, wenn die Container voll sind. Das Problem einer oft geforderten Videoüberwachung ist hier der Datenschutz. Richter: „Das Landratsamt hat zwar erklärt, dass man einen Detektiv zur Kontrolle eingesetzt habe, doch der war wohl nicht wirklich gut, denn bisher konnte noch kein Täter entdeckt werden und der Müll ist auch nicht weniger geworden.“

Die schönen Seite von Bruckmühl

Schönere Dinge konnte Bürgermeister Richter dann aber auch berichten: So konnte der ständigen Verunstaltung der Unterführung am Wimmerweg ein Riegel vorgeschoben werden, indem der Münchner Künstler Martin Blumöhr hier in Zusammenarbeit mit Schülern der Gemeinde die Wände bemalte und so keine Freifläche für Schmierereien mehr da ist. Und wenn doch: „Wir haben die Arbeit versiegeln lassen, so dass man die unerwünschten Übermalungen einfach wieder wegwischen kann“, sagte das Gemeindeoberhaupt.

Weitere positive Themen auf seiner Liste waren die Neugestaltung des Schulcafés in der Justus-von-Liebig-Schule, der entstehende Lehrbienenstand an der Mangfall, die Einführung der umweltfreundlichen Recup-Becher und eine neue Bleibe für den First Responder, der ins BRK-Heim einziehen wird. Zudem soll es pro Steuerzahler und Jahr 50 Cent für die so wichtigen Ersthelfer geben.

Auch die Feier zu 100 Jahren Freiwillige Feuerwehr Bruckmühl und die Einweihung des neuen Sportheims in Götting kamen zur Sprache im Rückblick auf das Jahr.

Angesichts der geleisteten und geplanten Neu- und Umbauten im Ort soll 2019 auch das Rathaus in Angriff genommen werden. Mittlerweile zählt die Gemeinde 170 Mitarbeiter, davon 129 in Vollzeit, „und die“, sagte Richard Richter, „brauchen mehr Platz.“ Deshalb ist der Umbau und eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes geplant.

Radlwege und Parksünder

Im Anschluss an Richters Bericht gab es dann die Frage- und Diskussionsrunde, bei der die anwesenden Bürger ihre Anliegen vorbringen konnten. Und wie so oft stand hier der Verkehr, ob für die Rad- oder Autofahrer, im Mittelpunkt des Interesses.

Alexandra Url bemängelte, dass Radlfahrer, die vom Mangfalldamm aus Osten kommend und auf die Kanalstraße einfahren, oft nicht erkennen würden, dass sie hier plötzlich wieder auf einer mit Autos befahrenen Straße wären. „Hier sind Hinweisschilder dringend notwendig“, sagte sie. Die Verwaltung konnte ihr hier sogar noch mehr mitteilen: Um die Gefahr für Radler zu minimieren, soll in den kommenden Monaten der Radweg entlang der Mangfall auf einem großen Abschnitt zwischen Feldkirchen-Westerham und der Mitte der Marktgemeinde nach Süden verlegt werden. Entsprechende Pläne konnten hier schon aufgezeigt werden.

Der Bruckmühler Werner Fuchs kam noch einmal auf seinen Antrag aus dem vergangenen Jahr zurück. Er wollte damals, dass eine kommunale Überwachung für den ruhenden und fließenden Verkehr im Gemeinderat besprochen wird und fühlte sein Anliegen in dieser Sitzung nicht wirklich ernstgenommen. „Mir kommt es vor allem auf den ruhenden Verkehr an“, sagte er. „Darüber wurde nicht abgestimmt.“ Richters Vorschlag zur Güte: Die anwesenden Bürger in der Aula sollten darüber entscheiden, ob der Antrag mit dem Schwerpunkt auf den ruhenden Verkehr noch einmal im Gemeinderat vorgelegt werden soll. Das Ergebnis fiel dann ernüchternd für den Antragssteller aus: Von den rund 90 Anwesenden stimmten lediglich 27 Personen mit „Ja“.

Was die Gemeinde allerdings nicht davon abhalten wird, auf Missstände einzelner Parksituationen zu reagieren, denn die Unart, für einen Einkauf mal schnell eben auf dem Geh- oder Radweg vor dem entsprechenden Geschäft zu parken, behindert sowohl Fußgänger als auch Radler.

Am Ende der rund vierstündigen Marathonveranstaltung kündigte Richard Richter dann an, dass die nächste Bürgerversammlung wohl schon im Mai oder Juni 2019 stattfinden wird, damit eher der Blick nach vorne und weniger der Rückblick aufs Gewesene den Abend bestimmt. Ob’s dadurch allerdings kürzer wird, sei mal dahingestellt …

 

 

 

 

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