„Wir sind keine Schlafgemeinde!“

Harmonische Bürgerversammlung der Gemeinde Bad Feilnbach am Dienstagabend

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Bad Feilnbach – Wie sieht eine intakte Gemeinde aus, in der meistens an einem Strang gezogen wird? Zum Großteil so wie Bad Feilnbach. Das zeigte sich auf der Bürgerversammlung am Dienstagabend deutlich. Zum einen ließ Bürgermeister Anton Wallner bei der Veranstaltung im neuen Sportheim Au keine Gelegenheit aus, seine Mitarbeiter, die Vereine und die engagierten Bürger der Gemeinde zu loben und sich bei ihnen zu bedanken, zum anderen gab es im Anschluss seines Jahresberichts keine hitzigen Diskussionen unter den anwesenden Besuchern, wie bei so vielen anderen Gemeinden üblich.

Tatsächlich war es ein sehr bewegendes und bewegtes erstes Jahr, auf das der neue Rathauschef zurückblicken konnte. Die Ortsmitte von Bad Feilnbach entsteht neu, es wurde gebaggert, gegraben und gebaut, eine neue Tiefgarage entsteht, die Bahnhofstraße wurde verlegt, mit dem Frischemarkt Prechtl kam ein großer neuer Nahversorger ins Zentrum, die Auer Schule wird saniert – die Gemeinde ist dabei, sich neu aufzustellen.

Noch sind die Arbeiten nicht ganz abgeschlossen, wie Wallner erzählte. „Einige Dinge müssen ins nächste Jahr verschoben werden. Die Ortsmitte muss zum Beispiel noch begrünt werden.“ Trotzdem ist jetzt schon klar, dass Bad Feilnbach das neue Erscheinungsbild und auch die 40 Jahre, in der die Gemeinde in der jetzigen Form besteht, am 1. und 2. Juni 2019 mit einem großen Dorffest feiern wird.

Damit der Ort weiterhin attraktiv und lebenswert für die Bürger bleibt, haben die Verwaltung und der Gemeinderat das Thema „Wohnen in der Gemeinde“ ganz oben auf die Prioritätenlisten gesetzt. Unter der Überschrift „Heimat Bad Feilnbach“ haben neuer bezahlbarer Wohnraum und kommunaler Wohnraum höchste Dringlichkeit. Im Perdahaus in Au – der ehemaligen Auer Gemeindeverwaltung – sollen ebenso Wohnungen entstehen wie am Naturpark Bad Feilnbach. Hier wird auf einem gemeindeeigenen Grundstück Geschoss-Wohnbau entstehen. Auch am Nordweg und in der Kampenwandstraße sind Flächen für Wohnungsbau vorgesehen und das Benefizium in Au soll renoviert und mit Wohnungen versehen werden. Hier stehen allerdings noch Gespräche mit der Kirche an, in deren Besitz das Gebäude ist. Weiterer Wohnraum ist auch in den Gemeindeteilen Dettendorf und Wiechs geplant.

Sehr zufrieden zeigte sich Anton Wallner, dass mit dem eingangs erwähnten Nahversorger Prechtl ein echter Anlaufpunkt im Zentrum Einzug gehalten hat: „Die Ortsmitte hat dadurch viel gewonnen. Die Menschen nehmen den Markt gut an, kommen in die Gemeinde – der Prechtl ist gut frequentiert.“

Neues Rathaus geplant

Dem stetigen Wachstum Bad Feilnbachs muss in der Zukunft auch die Verwaltung Rechnung tragen. Ein Umzug vom bisherigen Rathaus in ein größeres Gebäude ist unumgänglich. „Als das Rathaus 1970 gebaut wurde, hatte die Gemeinde 1780 Einwohner und vier Arbeitsplätze“,  berichtete Anton Wallner. „Heute sind es 8300 Einwohner, und in der Verwaltung sind 30 Leute angestellt. Ich lade alle ein, mit mir einen Rundgang durchs Rathaus zu machen, um zu sehen, dass wir wirklich aus allen Nähten platzen.“

Deshalb wird das auf dem Dorfplatz ebenfalls geplante neue Gebäude nicht wie ursprünglich gedacht für Einrichtungen wie die VHS genutzt – es wird das neue Rathaus. Hier macht die Gemeinde aus der Not eine Tugend, denn ein Um- und Ausbau des alten Rathauses wäre viel zu teuer. Wallner: „Es müsste komplett barrierefrei gestaltet werden.“

Aubachbrücke wird saniert

Für die Menschen im Ortsteil Au wird das kommende Jahr alles andere als langweilig. Neben der in diesem Sommer begonnenen Generalsanierung der Schule wird vor allem die Instandsetzung der Aubachbrücke für viel Gesprächsstoff sorgen. Ab kommenden März rollen die Bagger an, Straßensperrungen sind unumgänglich, die Baumaßnahme ist bis zum September 2019 geplant. „Wir haben jetzt die Baufreigabe dafür bekommen“, sagte der Bürgermeister. „Wir müssen das machen, denn wenn die Brücke nicht gerichtet wird, kann es sein, dass hier irgendwann einmal nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen drüber fahren dürfen.“ Die Kosten der Sanierung: rund 1,5 Millionen Euro.

Zudem will die Gemeinde auch im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK das Hauptaugenmerk auf Au legen. Wallner: „Au hat’s dringend nötig.“

Freudige Nachrichten gibt es aus dem Ortsteil Dettendorf. Für zehn Millionen Euro, die der Bund bezahlt, entstehen hier die lange geforderten Lärmschutzwände, und auch das neue Dorfgemeinschaftshaus ist kurz vor der Fertigstellung. Was den Rathauschef hier stolz macht: Zu der Summe von 1,2 Millionen Euro hat die Dorfgemeinschaft Dettendorf 160.000 Euro aus Eigenleistung beigesteuert.

Dafür gab’s ebenso Applaus wie für die Leistungen und den täglichen Einsatz der Feuerwehr, die Anton Wallner ausdrücklich lobte. „Wir haben in der Gemeinde insgesamt 187 Feuerwehrleute und 26 aktive First Responder. Wer schon einmal die Hilfe der Feuerwehr gebraucht hat, weiß, wie wichtig sie ist.“ Damit auch in Zukunft die Arbeit der Feuerwehrler so gut wie möglich gemacht werden kann, wurden die Wehren aus Feilnbach und Au mit einigen neuen Fahrzeugen ausgestattet und das Feuerwehrhaus in Litzldorf bekommt einen Anbau.

Ein weiterer Grund, damit sich die Bürger in der Gemeinde weiterhin wohlfühlen, sind Arbeitsplätze vor Ort und Entwicklungsmöglichkeiten für heimische Firmen. Deshalb gibt es Baurecht für einen Betrieb am Mooslindlweg und auch im Gewerbegebiet Au wird sich eine weitere Firma ansiedeln. Die gemeindeeigenen Flächen in er Eulenau bezeichnete Wallner als „Filetstück“ durch ihre verkehrsgünstige Lage an der Autobahn. Auch hier soll Gewerbegebiet entstehen. Der Wermutstropfen dabei ist allerdings der geplante Brenner-Nordzulauf. Noch ist nämlich nicht klar, wo die neue Bahntrasse durchführen wird – eine mögliche Variante könnte auch die Eulenau betreffen, ebenso wie das Gebiet nördlich der Gemeinde und in der Sterntaler Filze.

Keinen Brenner-Nordzulauf durch Gemeindegebiet!

Für den Bürgermeister wäre das eine Katastrophe, die dem Tourismusort Bad Feilnbach erheblich schaden würde. Deshalb wird er nicht müde, die Bürger für das Thema „Brenner Nordzulauf“ zu sensibilisieren, denn noch ist das Ausmaß einer möglichen Bahntrasse für die Gemeinde noch nicht allen bewusst. „Wir wollen diese Trasse nicht!“, sagte Anton Wallner, der dann noch weitere wichtige Gemeindethemen wie das Kinderferienprogramm, den Ausbau des Kindergartens Derndorf und die wichtige Seniorenarbeit der ökumenischen Nachbarschaftshilfe ansprach.

Auch der Ausbau des Deisenrieder Stollens, der gemeinsam mit der Gemeinde Fischbachau weiter vorangetrieben wird, ist ein Projekt, das dem Bürgermeister am Herzen liegt. Hier verspricht er sich eine weitere Touristenattraktion und auch die Möglichkeit für Gemeindebürger, die Bergbaugeschichte des Ortes hautnah zu erleben.

Mitarbeiter für die Gemeinde gesucht

Einen weiteren Bericht gab’s dann vom neuen Geschäftsleiter Andreas Lukas (Foto), der vor allem die Breitbanderschließung in der Gemeinde im Fokus hat – 281 Haushalte sollen dann vom schnellen Internet profitieren können, die Bauzeit ist mit 24 Monaten veranschlagt. Neben dem leidigen Thema Datenschutz, das Lukas ebenfalls ansprach, war ihm auch wichtig klarzumachen, dass die Gemeinde derzeit händeringend nach weiterem Personal sucht. Es werden vor allem Leute für die Kur- und Gästeinformation für die Kläranlage und Verwaltungsfachangestellte gebraucht. Auch für Kinderpfleger/Erzieher und VHS-Mitarbeiter gibt es offene Stellen.

Gemeindekämmerer Konrad Kriechbaumer, der seit April im Amt ist, musste in seinem Bericht zwar einen Schuldenstand von rund sechs Millionen Euro einräumen, doch er wies darauf hin, dass die Investitionen in Schule, Kindergarten und Infrastruktur durch attraktive Zinskonditionen gefördert werden. „Die Gemeinde profitiert von der Niedrigzinsphase“, sagte er und gab zu bedenken: „Trotz der steigenden Verschuldung steigt auch der Vermögenswert.“

Ute Preibisch (Foto), die Leiterin der Kur- und Gästeinformation, konnte dagegen gleich erfreuliche Zahlen bringen. Auch bedingt durch den tollen Sommer gab es in Bad Feilnbach mehr Ankünfte als in den vergangenen Jahren: bis Ende Oktober zählte sie 310.913 Übernachtungen. Um auch in Zukunft für Gäste attraktiv zu sein, gibt es 2019 wieder viele bewährte Veranstaltungen wie „Einischaun“, „Boarisch auf d’Nacht“ oder die Wendelsteinrundfahrt. Auch neue Punkte wie „Bad Feilnbach brennt!“, wo die heimischen Brennereien ihre Türen öffnen, sollen zusätzlich Gäste anlocken. Das wollen Preibisch und ihr Team auch auf mehreren Urlaubs- und Freizeitmessen in ganz Deutschland kommunizieren.

Josef Mühlbacher (Foto), der Leiter der für Bad Feilnbach zuständigen Polizeiinspektion Brannenburg, konnte in Sachen Straftaten Positives berichten: In der Gemeinde gab es keine Schwerkriminalität, über das Jahr hinweg wurden 200 Delikte gezählt. Besonders erfreulich – 2018 wurde bis jetzt kein einziger Einbruch gemeldet. Ein Ärgernis allerdings sind nach wie vor die Bettlerbanden im Ort. Mühlbacher:  „Betteln ist in Deutschland nicht verboten. Trotzdem lautet mein Rat: Geben Sie nichts. Denn die Bettler müssen das Geld an Hintermänner weitergeben. Außerdem wissen sie, wo was gegeben wurde und kommen dann immer wieder.“ Sein Tipp an die Bürger: „Wem Bettler im Ort auffallen – gleich der Polizei melden.“

„Bei uns geht was!“

Zum Abschluss ergriff dann Anton Wallner noch einmal das Wort, der ganz persönlich auf sein erstes Amtsjahr zurückblickte und sich noch einmal bei all seinen Mitarbeitern, dem Gemeinderat, den Bürgern und auch bei seinem Vorgänger Hans Hofer (im Foto r.) bedankte. Wallner: „Wir sind keine Schlafgemeinde. Ich bin stolz auf unsere Gemeinde und ich bin gerne Ihr Bürgermeister.“ Dieses Lob gab der zweite Bürgermeister Josef Rauscher (Foto r.) in seiner abschließenden kurzen Rede dann zurück. „Den Elan, den der Bürgermeister heute gezeigt hat, den hat er die ganze Woche. Seit seinem Amtsantritt! Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Bei uns geht was!“

 

 

 

 

 

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